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MittelstandDas Glück ist bedroht

Bild: Getty Images

Die Schweiz rühmt sich eines breiten Mittelstands. Doch die Unterschiede innerhalb dieser Klasse vergrössern sich, und viele fürchten den Abstieg.

von Balz Ruchti

Moderne Gesellschaften sind wie Spaghetti-Western: Es gibt den Guten, den Bösen und den Hässlichen. Der Held ist der sogenannte Mittelstand – gerade in der Schweiz. Keine Partei, die nicht die Bedeutung einer starken Mittelschicht beschwört. Als Beweis, dass der gesellschaftliche Wohlstand gerecht verteilt wird. Als Wirtschaftsmotor. Als Rückgrat der Demokratie. Und natürlich will ­jeder zu den Guten gehören; keiner boshaft (reich) oder gar hässlich (arm) sein.

«Manche Leute reagierten betupft, als wir ihnen nach ein paar Antworten mitteilen mussten, dass wir sie nicht berücksichtigen können», sagt Martina Imfeld vom Forschungsinstitut gfs.bern. Das Unter­nehmen befragte im Auftrag der Arbeit­nehmerorganisation Angestellte Schweiz 1000 Mittelstandsfamilien zu ihren Lebensumständen (siehe «Wer gehört zum Mittelstand?»).

Gemäss der Definition des Bundesamts für Statistik (BFS) zählt tatsächlich die Mehrheit der Schweizer Haushalte zum Mittelstand – rund 60 Prozent, von der ­alleinerziehenden Verkäuferin mit Alimenten bis zur vierköpfigen Akademikerfamilie mit einem Nettojahreseinkommen von 200'000 Franken. Wie unterschiedlich die Lebenswirklichkeit von Mittelstandsfami­lien im Alltag ist, zeigt der Besuch in einem Berner Einkaufs- und Freizeitzentrum: «Mittelstand zu sein heisst ein Dach über dem Kopf haben und immer was zu essen», sagt zum Beispiel ein 30-jähriger Werkstattleiter, der sich mit Frau und zwei Kindern einen Besuch im Erlebnisbad gönnt – «zum Ferienende».

Der Mann arbeitet Vollzeit. «Ich würde gern weniger arbeiten, vor allem um meine Frau zu entlasten», sagt er. Aber das sei mangels Einsicht seines Arbeitgebers nicht möglich. Seine Frau arbeitet 40 Prozent, am Wochenende und nachts. Die Familie ist auf dieses zusätzliche Einkommen angewiesen. Sparen können sie nicht: «Wir verzichten ja jetzt schon. Wir lassen die Kinder Kleider nachtragen, meine Frau geht selten zum Coiffeur – und das Feriengeld kommt von meinem Vater», erzählt der Mann im Bad. Die Chancen, sich in den nächsten Jahren finanziell zu verbessern, hingen davon ab, ob seine Weiterbildungspläne klappten.

Am Ende des Monats bleibt nichts übrig

Ebenfalls im Erlebnisbad planscht eine Mutter mit dem jüngeren ihrer zwei Buben, sechs- und achtjährig: Sie arbeitet 50 Prozent im Jobsharing, oberes Kader bei einer kantonalen Behörde; ihr Mann, ebenfalls Akademiker, arbeitet 95 Prozent. «Mittelstand heisst nicht jeden Franken umdrehen müssen und zum Beispiel mehrmals im Jahr wegfahren können – wenn auch nicht in ein Luxushotel», sagt die 40-Jährige. Ihre Kinder besuchen die Tagesschule – «die ist super» –, und unlängst hat sich die Familie ein Haus gekauft. «Darum sollten wir nun ein bisschen sparen; vielleicht weniger auswärts essen oder so.» Auf ein Auto verzichteten sie und ihr Partner bereits: «Aber der Natur wegen, nicht aus finanziellen Gründen.»

Trotz den unterschiedlichen Lebensstandards gehören beide Familien zum Mittelstand – gefühlt wie auch statistisch. «Der sogenannte Mittelstand ist ein sehr heterogenes Gebilde», sagt der Basler Soziologe Ueli Mäder (siehe Interview). «So etwas wie die durchschnittliche Mittelstandsfamilie existiert in der Realität eigentlich gar nicht.»

Zumindest immer weniger. Wie die Studie von gfs.bern zeigt, werden die Unterschiede zwischen den oberen und unteren Mittelschichtsfamilien immer grösser. «Die Polarisierung der Mittelschichtsfamilien schreitet voran», sagt Sozialforscherin Imfeld, die die Studie ausgewertet hat. Der Trend ist aufgrund vergleichbarer Daten feststellbar, die gfs.bern bereits vor drei Jahren für den Beobachter erhoben hat. Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied beim Sparschwein: Der durchschnittliche Sparbetrag der Schweizer Mittelstands­familie ist seit 2010 gesunken, von monatlich 531 auf 500 Franken.

Das liegt nicht daran, dass alle ein bisschen weniger zur Seite legen können – im Gegenteil: Es gibt einerseits immer mehr Familien, die Ende Monat gar nichts übrig haben. Ihr Anteil erhöhte sich von 38 auf 43 Prozent. Anderseits bleiben denen, die weiterhin sparen können, jeden Monat 100 Franken mehr (1013 statt 914 Franken). Im obersten Einkommens­drittel sind es sogar über 250 Franken mehr.

Die Kosten fürs Wohnen stiegen stark an

Nach problematischen Posten im monat­lichen Haushaltsbudget interviewt, geben die meisten Befragten die Wohnkosten an (33 Prozent), gefolgt von Krankenkassenprämien (28 Prozent) und Steuern (27 Prozent). Wenig überraschend: Den untersten Einkommensdrittel plagen die Wohnkosten am stärksten, die oberen beiden klagen eher über die Steuerlast. Weil das Einkommen stark mit dem Alter zusammenhängt, sind die monatlichen Wohnkosten vor ­allem für jüngere Familien problematisch (47 Prozent). Mittelschichtsfamilien mit drei oder mehr Kindern nannten häufiger die Krankenkassenprämien (34 Prozent) als kleinere Familien.

Die Wohnsituation sei ein sehr guter Indikator für den sozioökonomischen Status einer Familie – also ob sie eher zum oberen oder unteren Mittelstand gehört, sagt So­zialforscherin Imfeld. «Wer Wohneigentum hat, kann eher ein Polster anlegen als eine Familie, die zur Miete lebt.»

Wer gehört zum Mittelstand?

Das Meinungs- und Sozialforschungs­institut gfs.bern hat im Auftrag der ­Arbeitnehmerorganisation Angestellte Schweiz 1000 Mittelstandsfamilien zu ihren Lebensumständen befragt. Die Untersuchung basiert auf einer ­Umfrage, die gfs.bern bereits 2010 für den Beobachter durchgeführt hat. ­Anhand der vergleichbaren Daten können nun Trends aufgezeigt werden.

Für die Studie wurden ausschliesslich Personen befragt, die in der Schweiz ­leben, Vater oder Mutter von mindestens ­einem abhängigen Kind sind und über ein mittelständisches Einkommen ­verfügen. Als abhängige Kinder gelten Personen, die jünger als 30 Jahre sind, mehrheitlich bei mindestens einem ­Elternteil wohnen und/oder finanziell von diesem abhängig sind.

Ein mittelständisches Einkommen liegt zwischen 70 und 150 Prozent des ­mittleren «verfügbaren Äquivalenz­einkommens» von monatlich 3934 Franken. Das Äquivalenzeinkommen berücksichtigt nicht nur, wie viel Geld in einem Haushalt zur Verfügung steht, sondern auch, wie viele Personen davon leben. Je nach Alter werden diese Personen ­unterschiedlich gewichtet. Zum Mittelstand gehören Familien, die nach dieser Berechnung monatlich zwischen 2754 und 5901 Franken zur Verfügung haben.

Wer gehört zum Mittelstand?

Das Meinungs- und Sozialforschungs­institut gfs.bern hat im Auftrag der ­Arbeitnehmerorganisation Angestellte Schweiz 1000 Mittelstandsfamilien zu ihren Lebensumständen befragt. Die Untersuchung basiert auf einer ­Umfrage, die gfs.bern bereits 2010 für den Beobachter durchgeführt hat. ­Anhand der vergleichbaren Daten können nun Trends aufgezeigt werden.

Für die Studie wurden ausschliesslich Personen befragt, die in der Schweiz ­leben, Vater oder Mutter von mindestens ­einem abhängigen Kind sind und über ein mittelständisches Einkommen ­verfügen. Als abhängige Kinder gelten Personen, die jünger als 30 Jahre sind, mehrheitlich bei mindestens einem ­Elternteil wohnen und/oder finanziell von diesem abhängig sind.

Ein mittelständisches Einkommen liegt zwischen 70 und 150 Prozent des ­mittleren «verfügbaren Äquivalenz­einkommens» von monatlich 3934 Franken. Das Äquivalenzeinkommen berücksichtigt nicht nur, wie viel Geld in einem Haushalt zur Verfügung steht, sondern auch, wie viele Personen davon leben. Je nach Alter werden diese Personen ­unterschiedlich gewichtet. Zum Mittelstand gehören Familien, die nach dieser Berechnung monatlich zwischen 2754 und 5901 Franken zur Verfügung haben.

Anteil der Wohneigentümer ist gesunken

Dank verführerisch tiefen Hypothekarzinsen wohnten vor drei Jahren 54 Prozent der Schweizer Mittelstandsfamilien in den eigenen vier Wänden – heute sind es bloss noch 48 Prozent, fast gleich viele wie Mieter (47 Prozent). Die restlichen fünf Prozent leben in Genossenschaften. Von den Mieterfamilien kann nur ein guter Drittel (36 Prozent) sparen, bei den Wohneigen­tümern sind die Verhältnisse umgekehrt: Fast zwei Drittel (63 Prozent) können regelmässig Geld zur Seite legen.

Entsprechend schauen Wohneigentümer auch optimistischer in die Zukunft. Zwar gehen immer noch 75 Prozent der Mittelschichtsfamilien davon aus, ihren ­finanziellen Status über die nächsten fünf Jahre halten zu können – aber vor drei Jahren waren noch 86 Prozent zuversichtlich.

Vor allem unter den jungen Familien mit kleinerem Einkommen und solchen mit mehr als einem Kind kämpfen viele mit Abstiegsängsten.

Grundsätzlich gefährdet sieht der Schweizer Mittelstand sein wirtschaftliches Wohl vor allem durch Krankheit, Arbeits­losigkeit und Zuwanderung. «Die Angst vor Arbeitslosigkeit ist bemerkenswert, zumal die Schweiz vor allem im internationalen Vergleich eine relativ geringe Arbeitslosenquote hat», sagt Sozialforscherin Imfeld.

Die Gesellschaftsalterung und inter­nationale Konflikte und Krisen, die den Befragten vor drei Jahren noch grosse Sorgen machten, rauben den Leuten heute hin­gegen weniger oft den Schlaf.

Für eine Familie zu sorgen ist nicht ­allein eine wirtschaftliche Herausforderung. Brötchen verdienen und gleichzeitig Kinder betreuen bedeutet für viele Mittelstandseltern einen ständigen Balanceakt.

Nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf befragt, gibt die Mehrheit an, beides gut unter einen Hut zu bekommen. Trotz grundsätzlicher Zufriedenheit würde fast jeder Fünfte mehr arbeiten, wenn die Betreuungssituation besser wäre oder sich das Zweiteinkommen lohnen würde, also nicht durch Betreuungskosten gleich wieder aufgefressen würde. Auffallend: Fami­lien mit nur einem oder zwei Kindern äus­sern eher Schwierigkeiten als solche mit drei oder mehr Kindern.

Rund 70 Prozent der Befragten berichten, sie profitierten im Beruf von verständnisvollen Kollegen, Arbeitgebern und fami­lien­freundlichen Arbeitsmodellen. Frauen spüren diese Art der Unterstützung deutlicher als Männer. Sie geben aber auch häufiger an, sich am Arbeitsplatz besonders einsatzbereit zeigen zu müssen, um nicht spannende Arbeit an Kollegen zu verlieren.

Nur jede fünfte Frau arbeitet Vollzeit

Durch diese Zahlen schimmert ein eher traditionelles Familienmodell, was die Berufstätigkeit angeht: Während nur jede fünfte Frau (19 Prozent) Vollzeit arbeitet, sind es bei den Männern 87 Prozent.

Bei genauerem Hinsehen sind die Antworten stark geschlechtsabhängig: So sind nichterwerbstätige Elternteile wesentlich unzufriedener mit der Situation. Und das sind nach wie vor in erster Linie Frauen. Während Männer zu 81 Prozent angeben, mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zumindest tendenziell kein Problem zu haben, sind 56 Prozent der Frauen damit eher nicht oder gar nicht einverstanden. Auch höhere Einkommensgruppen bekunden eher Mühe, Job und Familie zu vereinbaren – und je höher das Einkommen, umso stärker ist der Eindruck vorhanden, sich im Beruf besonders engagieren zu müssen, um sich dort zu behaupten. Verkürzt gesagt: Die Schere im Mittelstand öffnet sich zwischen jungen, kinderreichen Mieter­familien mit knappem Budget und älteren, wohlsituierten Wohneigentümern mit nur einem finanziell abhängigen Kind.

Obwohl unsere Gesellschaft als Ganzes so reich ist wie nie zuvor, gibt das Auseinanderdriften von «oben» und «unten» Anlass zur Sorge. Soziologe Ueli Mäder: «Machen mittelständische Kreise Abstiegserfahrungen, verletzt sie das tief. Das kann dazu führen, dass sich die Betroffenen an autoritäre, populistische Kräfte klammern.»

Das ist eine weitere Parallele zum Spaghetti-Western: Werden die Bösen boshafter, die Hässlichen zahlreicher und die Guten weniger, steigt die Spannung. Anders als im Film sollte eine moderne Gesellschaft Spannungen möglichst vermeiden. Schliesslich geben drei von vier Befragten an, sie könnten nur schwer auf Altersvorsorge und Zusatzversicherung der Krankenkasse verzichten.

Nicht gerade die Art von Leuten, die gern im Wilden Westen leben möchten.

Reaktionen: Das sagen Experten und Parteipräsidenten

Martin Bäumle, GLP

«Soweit die Studie überhaupt statistisch relevante Folgerungen zulässt, über­raschen die Resultate nicht. Die grosse Mehrheit trägt die bisherige Familien­politik mit. So ist auch wenig verwunderlich, dass ­familienpolitische Forderungen grosse Sympathie geniessen. Doch für die Grün­liberalen steht der volkswirtschaftliche Nutzen im Vordergrund. Die Schweiz bildet hochqualifizierte Frauen und Männer aus, und die GLP will diese stärker im Berufsalltag halten. Gerade Familien mit höheren Ausbildungen und Einkommen beurteilen gute Betreuungsangebote und steuerliche Anreize als ­wichtig. Deshalb setzen die Grünliberalen auf sinnvolle ­Angebote und weniger staat­liche Vorschriften.»

Philipp Müller, FDP

«Für viele Mittelstandsfamilien sind Ferien, Musikunterricht und Kranken­kassenzusatzver­sicherung ein Luxus: Gerade jungen Fami­lien bleibt weniger zum Sparen oder für Wohneigentum. Die FDP kämpft gegen immer neue Steuern und die Umverteilungspolitik der Linken – damit sich Leistung lohnt. Bei den Steuererleichterungen besteht dank der FDP mit dem Fremd­betreuungsabzug heute ein Anreiz, dass auch Mütter weiterarbeiten – ­diesen will die ­‹Familieninitiative› der SVP nun wieder kippen. Dagegen kämpft die FDP ebenso wie ­gegen die Heiratsstrafe: Statt der Begünstigung einer Lebensform fordern wir eine faire Individualbesteuerung, die alle gleich behandelt!»

Christian Levrat, SP

«Die SP kämpft seit Jahren aktiv für ­bezahlbare Mieten und tiefe Krankenkassenprämien. Die Um­frage bestätigt uns darin, denn Wohnkosten und Prämien belasten das Haushaltsbudget am stärksten, vor allem bei Mittelschichtsfamilien mit kleineren Einkommen. Wir wehren uns auch ­gegen einseitige Steuersenkungen für Reiche und ­Firmen sowie gegen die Pauschalbesteuerung. Davon profitieren nur einige ­wenige, während die Mittelschicht ­immer mehr zahlen muss. Wichtig ist uns, dass die Mittelschicht zahlenmässig wieder wächst. Die 1 : 12-Initiative ist das ­wirksamste Mittel gegen das Aus­einanderdriften der Gesellschaft und für die ­Stärkung der Mittelschicht.»

Regula Rytz, Grüne

«Den einheitlichen Mittelstand gibt es nicht, das zeigt die Studie. Die Schere zwischen den unteren und den oberen Einkommen öffnet sich. Hier setzt die Politik der Grünen an. Wir fordern mehr Lohn- und Steuer­gerechtigkeit, gute öffentliche Schulen, bezahlbare Kitaplätze, günstige Genossenschafts­wohnungen und die bessere ­Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Beim Thema Gesundheit setzen wir uns nicht nur für eine öffentliche Krankenkasse mit ­fairen Prämien ein, sondern auch für ­eine gesunde Umwelt und natür­liche ­Lebensmittel. Unser Ziel ist ­eine Wirtschaft, die sparsam mit Ressourcen umgeht und langfristig die ­einheimischen Arbeitsplätze ­sichert.»

Heiner Studer, EVP

«In der Familie werden tragende Werte vermittelt. Entsprechend müssen wir ihr Sorge tragen. Höhere Kinderzulagen haben erste Priorität. Es darf nicht sein, dass finanzielle Gründe zum Verzicht auf ein Kind führen. Die Abschaffung der Heiratsstrafe ist eine Selbst­verständlichkeit: Verheiratete sollen nicht länger mehr Steuern bezahlen müssen als Unverheiratete. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt eine Herausforderung: Jede Familie muss ohne steuerliche Nachteile die Lösung wählen können, die ihrer Situation am besten entspricht. Für diese Wahlfreiheit kämpft die EVP. Nicht vergessen dürfen wir: Geld ist nicht alles. Am wichtigsten sind gesunde und tragfähige Beziehungen.»

Martin Landolt, BDP

«Mittelschichts­familien sind das Rückgrat unserer Gesellschaft. Die BDP will mit ­einer modernen ­Familienpolitik die entsprechenden Rahmenbedingungen verbessern. So hat sie ­bereits im Sommer 2011 ­erfolgreich eine zivilstands­unabhängige Besteuerung und damit die Abschaffung der ‹Heiratsstrafe› gefordert. Das Gleiche soll auch bei den Renten gelten. Die eher ­vorsichtigen Einschätzungen der ­Zukunft zeigen, dass insbesondere auch Mittelschichtsfamilien dringend ­eine Politik brauchen, die Vertrauen schafft. Und das kann nur und muss ­eine sachliche und lösungs­orientierte Mittepolitik sein. Auch dafür steht die BDP.»

Stefan Studer, Leiter Angestellte Schweiz

«Allen gegenteiligen ­Beteuerungen zum Trotz: Der Mittelstand leidet am stärksten unter den Folgen der Finanzkrise. Das ­bestätigt die von uns in Auftrag gegebene neue Studie. Der Befund der ‹fortschreitenden ­Polarisierung› gefällt mir natürlich nicht, aber er bestätigt mich darin, für unsere Mitglieder die richtige ­Politik zu machen und die wichtigen Forderungen zu stellen: die bessere ­Vereinbarkeit von Familie und Arbeit, die finanzielle Entlastung durch ein ­gerechteres Steuersystem und die Befreiung der ­Kinder von Kranken­kassen­­prämien. Dazu kommt die Förderung von ­erschwinglichem Wohnraum. Ganz zentral ist die ­aktuelle Forderung nach einer ­Erhöhung der Reallöhne, damit die nächste ­Umfrage bessere ­Resultate zeitigt.»

Christophe Darbellay, CVP

«Der Mittelstand ist die Basis unserer Gesellschaft. Mit ­seiner Arbeit finanziert er zum Grossteil unsere soliden Sozialwerke. Zu oft wird der Mittelstand ­überproportional ­belastet. So lohnt sich für viele im Mittelstand zusätzliche ­Arbeit nicht, weil die steuerliche Belastung zu hoch ist und ­Unterstützungsbeiträge weg­fallen aufgrund von Schwelleneffekten. Die CVP will eine Verschlechterung der Situation des Mittelstands ­verhindern und ­fordert deswegen die Befreiung der ­Kinder von Krankenkassenprämien, mehr bezahlbaren Wohn- und ­Gewerberaum, weniger ­Steuerbelastungen und die ­Abschaffung der Schwellen­effekte bei Unterstützungs­beiträgen.»

Toni Brunner, SVP

«Die Resultate der Umfrage zeigen auf, dass die SVP die ­realen Sorgen und Bedürfnisse der ­mittelständischen ­Familien angeht und lösen will. Die ­ungebremste Zuwanderung und die Angleichung an die EU rufen eine wirtschaft­liche Unsicherheit hervor. Die immer grössere Steuerlast bekämpfen wir politisch konsequent. Am deutlichsten sticht aber die Zustimmung zu unserer Familienpolitik hervor. Den Mittelstands­familien ist Eigen­verantwortung ­wichtig. Deshalb soll auch die Eigen­betreuung der Kinder gegenüber anderen Familienformen nicht mehr steuerlich diskriminiert werden. Dies fordert die SVP-Familieninitia­tive, die am 24. November 2013 zur Abstimmung kommt.»

Veröffentlicht am 2013 M09 03