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AltersvorsorgeWie gut ist meine Pensionskasse?

Der Deckungsgrad einer Pensionskasse sagt nicht viel aus über deren Qualität. Entscheidend ist, wie viel Leistungen man bekommt.

Im jährlichen Vorsorgeausweis Ihrer Pensionskasse erfahren Sie vieles – aber lange nicht alles.
von aktualisiert am 27. März 2018

Haben Sie den jährlichen Vorsorgeausweis Pensionskasse Lesehilfe für Ihren PK-Ausweis Ihrer Pensionskasse schon gelesen? Da erfahren Sie vieles – aber lange nicht alles. Einige Angaben sind mehr oder weniger treffsichere Wetten auf die Zukunft. Denn die Kassen schätzen die Erträge auf den Altersguthaben und die Lebenserwartung verschieden ein. Darunter leidet die Transparenz.

Zudem zeigen sich Arbeitgeber unterschiedlich grosszügig. Ferner sind Kassen mit vielen Rentnern in der Regel weniger risikofähig als «junge» Kassen. Die wichtigsten Fragen und Antworten – beschränkt auf das Beitragsprimat, also jene Kassen, wo die Leistungen von den einbezahlten Beiträgen abhängen.

Wie funktioniert die Pensionskasse?

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Die berufliche Vorsorge bildet die zweite Säule im Schweizer Vorsorgesystem.

Meine Pensionskasse rechnet mit dem Umwandlungssatz von 6,3 Prozent. Müsste der Satz nicht mindestens 6,8 Prozent betragen?

Nein. Die 6,8 Prozent gelten für Pen­sionskassen, die nur das BVG-Obligatorium versichern, also den AHV-pflichtigen Lohn zwischen aktuell 24'675 Franken und maximal 84'600 Franken. Für 100'000 Franken Altersguthaben gibt es dann 6800 Franken Rente pro Jahr. Weil die meisten Pen­sionskassen höhere Leistungen ver­sichern, können sie eine Mischrechnung machen und die überobligatorischen Leistungen mit einem tieferen Satz umwandeln. Für den obligato­rischen Teil des Altersguthabens gilt aber der Faktor 6,8.

Meine Pensionskasse will den Umwandlungssatz auf 6 Prozent senken. Darf sie das?

Ja, solange sie den Mindestumwandlungssatz von 6,8 Prozent für das BVG-Obligatorium einhält. Der überobligatorische Teil des Altersguthabens wird dann entsprechend tiefer verzinst. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Umwandlungssätze in den nächsten Jahren weiter sinken, weil Rentner länger leben und die Zins­erträge auf den Vermögen tiefer sind. Gut finanzierte Kassen und/oder grosszügige Arbeitgeber fangen diese Senkung auf, indem sie das Sparkapital der Versicherten aufstocken. Andere Möglichkeiten sind höhere Beiträge oder ein höheres Rücktrittsalter.

Warum sind die Unterschiede bei den Umwandlungssätzen so gross?

Das hat mehrere Gründe. Die Pensionskassen bewirtschaften das Vermögen der Versicherten unterschiedlich. Laut Swisscanto-Umfrage lag die höchste Rendite für 2017 bei 7,2 Prozent. So hohe Renditen sind nur mit sehr hohen Anlagerisiken zu erzielen. Wenn diese Strategie längerfristig aufgeht, kann sich die Kasse einen höheren Umwandlungssatz leisten. Zudem verwenden die Kassen unterschiedliche technische Grundlagen, was die künftigen Vermögenserträge und die Dauer der Rentenzahlungen betrifft.

Wie risikofähig ist meine Pensionskasse?

Das hängt stark vom Verhältnis zwischen Aktiven und Rentnern ab. Vorsorge­einrichtungen mit wenigen Rentnern sind in der Regel risikofähiger – eine «alte» Pensionskasse hat nämlich viel weniger Möglichkeiten, ein Finanzierungsdefizit mit zusätzlichen Beiträgen auszugleichen. Und: Pensionskassen sind unterschiedlich finanziert und bei der Anlage des Vermögens nicht gleich erfolgreich.

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Arbeitnehmer zahlen jahrelang in die Pensionskasse (2. Säule) des Arbeitgebers ein, bei einem Stellenwechsel manchmal sogar in mehrere. Guider bietet seinen Mitgliedern mithilfe von Merkblättern eine optimale Entscheidungsgrundlage zur Frage «Rente oder Kapital?» und ob sich etwa ein Einkauf in die Pensionskasse lohnt.

Kann ich den Angaben im Vorsorgeausweis zu den Leistungen im Alter trauen?

Je jünger Sie sind, desto weniger. Bei diesen Angaben geht die Kasse davon aus, dass Sie bis zur Pension gleich viel verdienen. Zudem legt sie mit ihrem Rechnungszins die erwartete Rendite aufs Alterskapital fest und multipliziert es mit dem aktuellen Umwandlungssatz. Alle diese Annahmen sind mit grossen Unsicherheiten belastet.

Je nach Pensionskasse müssen Versicherte im gleichen Alter und mit dem gleichen Lohn unterschiedlich hohe Beiträge für die Pensionskasse bezahlen. Warum ist das so?

Weil Pensionskassen sehr verschieden sind. Es gibt Kassen, wo der Arbeitgeber mehr als die Hälfte der Spar- und Risikobeiträge bezahlt. Zudem staffeln die Kassen die Beiträge über die Versicherungsdauer unterschiedlich. Kassen mit höheren Leistungen als den gesetzlich vorgeschriebenen verlangen meist auch höhere Beiträge. Das gilt ebenso für die Risikoleistungen bei Tod und Invalidität. Die Risikobeiträge variieren ferner je nach Branche und Vertrag.

Meine Pensionskasse erzielte letztes Jahr auf dem Vermögen eine Rendite von über 8 Prozent, will aber mein Altersguthaben für 2015 nur mit 1,75 Prozent verzinsen. Ist das nicht ungesetzlich?

Nein. Diese Verzinsung entspricht dem vom Bundesrat festgelegten Mindestzinssatz für das BVG-Obligatorium. Es gibt jedoch Kassen, die einen deutlich höheren Zins gewähren. Andere stopfen Finanzierungslücken und/oder bilden Reserven. Der paritätisch zusammengesetzte Stiftungsrat bestimmt die Verzinsung je nach finanzieller Situation. Jeder Versicherte kann nachfragen. Schaut man sich die Periode von 2000 bis Ende 2015 an, haben die Pensionskassen im Schnitt eine Rendite erzielt, die nur knapp über der gesetzlichen Mindestverzinsung liegt. Das genügt in der Regel nicht, um alle versprochenen Leistungen zu finanzieren. Was dazu führt, dass seit längerem von den Aktiven zu den Rentnern umverteilt wird.

Warum versichert meine Pensions­kasse nicht meinen ganzen Lohn?

Weil es das Gesetz zulässt. Das BVG sieht den sogenannten Koordinationsabzug von aktuell 24'675 Franken vor – diesen Teil soll später die AHV decken – und legt eine Obergrenze von 84'600 Franken fest. Viele Kassen versichern aber den ganzen oder einen grösseren Teil des Lohns. Das bedeutet zwar mehr Abzüge, bringt aber auch höhere Leistungen.

Wie ist ein Deckungsgrad von 108 bei meiner Pensionskasse einzuschätzen?

Der Deckungsgrad als isolierte Zahl ist trügerisch und basiert auf Annahmen, die die Kasse selber trifft. Sie stützt sich auf Renditen in der Zukunft, die Lebenserwartung der Versicherten sowie vorhandene Rückstellungen. Wer hohe Renditen erwartet und einen hohen technischen Zinssatz verwendet, weist einen besseren Deckungsgrad aus als Kassen, die vorsichtiger kalkulieren. Die Spanne beim technischen Zinssatz reicht bei den privaten Pensionskassen (Swisscanto-Umfrage 2016) von unter 2 Prozent bis über 3,5 Prozent. Der Durchschnitt liegt bei 2,5 Prozent. Je höher er ist, desto risikofähiger muss die Kasse sein.

Wie wichtig sind Wahlmöglichkeiten bei einer Pensionskasse?

Das hängt von der Lebensplanung ab. Je nach Reglement der Kasse können Sie das ganze oder nur einen Teil des Altersguthabens als Kapital beziehen. Unterschiede gibt es auch bei freiwilligen Einkäufen in die Pensionskasse, der Frühpensionierung oder einem Rentenaufschub. Fragen Sie bei Unklarheiten unbedingt nach.

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