1. Der Verfasser war urteilsunfähig

Wenn der Erblasser beim Verfassen des Testaments sogenannt verfügungsunfähig war – etwa bei einer Demenz –, kann es für ungültig erklärt werden. Allerdings ist es oft schwierig, im Nachhinein zu beweisen, in welchem geistigen Zustand jemand war.

Denn jede volljährige Person gilt grundsätzlich als urteilsfähig. Das endet, wenn sie unter umfassende Beistandschaft Beistandschaft Ein Beistand nach Mass gestellt wird. Bis dahin gibt es aber viel Ermessensspielraum. Selbst wenn sich der Erblasser just im fraglichen Zeitpunkt in medizinischer Behandlung befand und der Arzt sich in seinen Notizen zum Geisteszustand äusserte, kann es Ausnahmen geben. Denn die Urteilsfähigkeit bezieht sich immer auf ein spezifisches Rechtsgeschäft.

Wenn also jemand mit einer beginnenden Demenz vergisst, wo er das Auto parkiert hat, muss das noch nicht bedeuten, dass er nicht mehr entscheiden kann, was mit seinem Nachlass passieren soll.

2. Der Verfasser hat es nicht so gewollt

Wenn jemand seine letztwillige Verfügung unter dem Einfluss von Irrtum, arglistiger Täuschung, Drohung oder Zwang errichtet hat, kann sie für ungültig erklärt werden.

Den notwendigen Beweis dafür zu erbringen ist allerdings oft schwierig. Denn natürlich kann sich der Verstorbene nicht mehr dazu äussern. Achtung: Wenn der Verfasser Gelegenheit hat, das Testament zu berichtigen, muss er das innerhalb eines Jahres tun. Sonst kann es später nicht mehr angefochten werden.

Dann gibt es noch den Fall eines klar ersichtlichen Irrtums: Wenn der Erblasser offensichtlich Personen oder Gegenstände verwechselt hat, sich der wirkliche Wille aber mit Bestimmtheit feststellen lässt, muss man die Verfügung einfach richtigstellen – und sie gilt dann trotz Irrtum.

3. Das Testament verstösst gegen Recht oder Sitten

Als sittenwidrig kann etwa Erbschleicherei gelten. So werden immer wieder Testamente wegen Erbschleicherei angefochten, wenn Vertrauenspersonen wie Ärzte oder Anwälte begünstigt werden.

Das ist aber nur sittenwidrig, wenn die Vertrauensperson gegen elementare Standesregeln verstösst – die genau Interessenkonflikte und Verdacht auf mögliche Beeinflussungen verhindern sollen – und der Begünstigte vom Testament wusste.

Hier gibt es aber kaum je ganz klare, einfache Fälle. Denn die Auffassung, was als sittenwidrig gilt, ist dem gesellschaftlichen Wandel unterworfen – und daher in jedem Einzelfall neu zu beurteilen.

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4. Das Testament ist formal nicht korrekt

Am ehesten anfechtbar sind Testamente, wenn die strengen Formvorschriften nicht eingehalten wurden. Das eigenhändige Testament muss der Erblasser selbst, vollständig von Hand, mit Datum und Unterschrift schreiben. Wenn es auch nur zum Teil am Computer verfasst ist, kann es angefochten werden.

Das Gleiche gilt, wenn etwa eine Ehefrau für ihren gebrechlichen Mann das Testament von Hand schreibt oder ihm die Hand führt. Aber auch bei Ergänzungen und Streichungen ist Vorsicht geboten. Falls ein Erblasser einen Erben wieder aus dem Testament streichen will, muss er das am Rand mit Datum und Unterschrift bestätigen. Verzeihlich ist einzig ein fehlendes oder fehlerhaftes Datum. Denn es dient in erster Linie dazu, bei mehreren Testamenten die chronologische Einordnung zu ermöglichen – das neuere ersetzt alle älteren.

Wenn trotz fehlendem Datum rekonstruiert werden kann, wann ein Testament verfasst wurde oder in welcher Reihenfolge mehrere Testamente entstanden sind, kann es nicht für ungültig erklärt werden.

Das Testament anfechten: So gehts

Jedes Testament ist grundsätzlich erst mal gültig. Das heisst, das Dokument muss an die Behörden eingereicht werden, und diese müssen es eröffnen. Einzig blosse Entwürfe, Muster- oder Scherztestamente gelten von vornherein als nichtig. Verschiedene Gründe erlauben aber ein Anfechten des Testaments.

Ist ein Testament aufgrund eines dieser Gründe anfechtbar (siehe oben), sollten die übergangenen Erben gegen die Ausstellung eines Erbscheins sofort Einsprache erheben. Denn mit dem Erbschein könnte die begünstigte Person bereits über das Erbe verfügen und schlimmstenfalls alles verschwinden lassen. Selbst wenn die Erben ihren Anspruch später gerichtlich durchsetzen können, ist es dann unter Umständen unmöglich, das Erbe wieder herauszufordern oder auch nur aufzuspüren.

Danach sollten die Erben aber trotzdem probieren, eine gütliche Einigung zu finden Erbstreit Sparen Sie sich die Gerichtskosten . In klaren Fällen wird der Begünstigte erkennen, dass er in einem Gerichtsverfahren keine Chance hätte und am Schluss nur die Kosten tragen müsste. Deshalb ist eine Einigung manchmal sogar möglich, wenn erhebliche persönliche Differenzen bestehen. Können sich die anderen Erben mit der begünstigten Person einigen, muss diese Einigung in einem schriftlichen Vertrag festgehalten werden.

Scheitert dies, ist es an der Zeit, die Prozessaussichten und -kosten mit einem Anwalt zu besprechen. Denn erbrechtliche Prozesse sind oft sehr teuer und die klagende Partei muss einen Kostenvorschuss leisten. Hinzu kommt, dass Gerichtsverfahren psychisch sehr belastend sein können und sich meist über lange Zeit hinziehen. Manchmal ist es unter dem Strich besser, die Sache ruhen zu lassen – auch wenn das gegen die eigenen Prinzipien und jedes Rechtsempfinden geht.

Entscheiden sich die Erben zu klagen, muss die Ungültigkeitsklage innerhalb eines Jahres seit Kenntnis des Ungültigkeitsgrundes und spätestens zehn Jahre nach Eröffnung des Testaments erhoben werden. In den meisten Fällen läuft diese Frist ab der Eröffnung der Verfügung, da die Erben dann Kenntnis von der Verfügung erlangten.

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Quelle: Beobachter Edition