Anwältin A. hat einen guten Kauf gemacht. Sie übernahm im Jahr 2018 von der betagten, kinderlosen Margrit Meier ein Mehrfamilienhaus mit Umschwung im noblen Kreis 7 der Stadt Zürich – für mutmasslich 800'000 Franken. Angeblich, weil die Liegenschaft in schlechtem Zustand sei und Meier ein Wohnrecht behielt. Schätzwert allein des fast 900 Quadratmeter grossen Grundstücks: 6 Millionen Franken. Margrit Meier ist vergangenen August verstorben. Ihre Willensvollstreckerin ist – Anwältin A.

Das Haus in der Forch hat etwas von einem verwunschenen Idyll, einer Insel inmitten durchökonomisierter Mietsiedlungen. Fünf Parteien wohnen im Haus, die Wohnung der ehemaligen Besitzerin steht leer. «Als Margrit noch lebte, waren wir wie eine einzige grosse Familie, eine Hausfamilie», sagt Mona Fischer, die mit ihrem Mann im Erdgeschoss wohnt. Und Mieter Luzi de Beaufort, der die Dreizimmerwohnung im zweiten Stock bewohnt, sagt: «Margrit Meier war eine grossartige Person.»