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PensionierungSo können Sie sich Ihre Träume leisten

Pensionierung heisst, viel freie Zeit zu gewinnen – und sich auf neue finanzielle Verhältnisse einzustellen. Was kann man sich leisten? Und was tun, damit das Vermögen nicht einfach verpufft? Tipps für die Anlage des Ersparten im Rentenalter.

Wenn das persönliche Budget zeigt, dass nach der Pensionierung ein Einkommensüberhang besteht, gilt es zu prüfen, ob man den Überschuss verbrauchen oder aber anlegen will.
von aktualisiert am 09. Februar 2018

Ruhestand! Endlich Zeit für alles, was lange warten musste. Ausgedehnt reisen, Hobbys pflegen, die Jahre nach der Pensionierung im Tessin, im Ausland verbringen. So träumen viele – doch der springende Punkt ist: Kann man sich die Verwirklichung der Träume auch leisten?

Wer in etwa abschätzen will, wie sich die finanzielle Lage nach der Pensionierung gestaltet, sollte ein Budget aufstellen. Am besten erstellt man das Budget aufgrund der momentanen Zahlen und leitet davon ab, wie sich die Einnahmen und Ausgaben nach der Pensionierung verhalten werden. Bei einigen Posten muss man mit Annahmen oder Schätzungen arbeiten. So kann man feststellen, ob die Renten die Ausgaben decken werden oder ob zusätzlich das Ersparte angezehrt werden muss. 

Als Muster ist das Beispiel des Ehepaars Ruth und Max Schmid aufgeführt (siehe Budget: Was ändert sich?). In seinem Budget ist ein monatliches Manko von 840 Franken ausgewiesen. Demzufolge werden jährlich rund 10'000 Franken vom gesparten Vermögen verzehrt.

Sinnvoll ist es in einem solchen Fall, als Erstes die Ausgabenposten auf Sparmöglichkeiten zu überprüfen, und zwar bevor das Angesparte aufgebraucht ist.

Bei Schmids besteht insbesondere bei den Posten Wohnen, Autos, Freizeit und Reisen Sparpotential. Dieses auszuschöpfen würde aber auch Einschränkungen im Lebensstandard mit sich bringen. 

Wenn das persönliche Budget zeigt, dass nach der Pensionierung sogar ein Einkommensüberhang besteht, gilt es zu prüfen, ob man den Überschuss verbrauchen oder aber anlegen will.

Das Angesparte könnte beispielsweise für die weitere Amortisation von Hypotheken gebraucht werden oder stünde für Pflegekosten zur Verfügung. Die Wahl der persönlichen Anlagestrategie hängt von der Risikobereitschaft, der Risikofähigkeit, vom Anlagehorizont sowie vom Saldo des Budgets ab. 

Im Musterbudget von Schmids resultiert ein jährliches Manko von etwa 10'000 Franken. Das Ehepaar Schmid verfügt über ein Anlagevermögen von rund 200'000 Franken, das auf dem Privatkonto liegt und mit 0,25 Prozent verzinst wird. Falls Schmids keine andere Anlageform wählen, wäre das Vermögen demnach nach knapp 21 Jahren aufgezehrt. Bei einer durchschnittlichen Rendite von drei Prozent pro Jahr reichte das Ersparte länger, wäre aber nach rund 30 Jahren auch aufgebraucht. 

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Eine Risikostrategie ist nicht ratsam

Wollen Schmids ihr Ver­mögen erhalten und nur die Erträge und Kurssteigerungen verbrauchen, müss­ten sie eine durchschnittliche Rendite von fünf Prozent erzielen. Dies ist – wenn überhaupt – nur mit erhöhtem Anlagerisiko und auf lange Sicht möglich.

Falls nicht noch weitere Rück­lagen vorhanden sind, ist eine Risikostrategie nicht ratsam. Denn wer Vermögen verzehren und gleichzeitig Wertverluste hinnehmen muss, hat sein Konto schneller als nötig geleert. Das Gleiche gilt, wenn man das Ziel verfolgt, sein Vermögen durch Anlegen noch zu vermehren. Die jährliche Rendite müsste dann sogar höher als fünf Prozent sein. 

Das Ehepaar Schmid hat sich entschieden, keine grossen Risiken einzugehen. Es geht davon aus, mit der erreichbaren Rendite rund 25 Jahre von seinem Vermögen zehren zu können. Man entscheidet sich, die 200 '000 Franken in Tranchen aufzuteilen: 

  • Erste Tranche: Ruth und Max Schmid legen den Bedarf für die ersten zwei Jahre nach der Pensionierung plus einen weite­ren Jahresbedarf als Reserve auf einem Sparkonto an. Sie erhalten dafür bei ihrer Bank derzeit ein Prozent Zins und können jederzeit über das Geld verfügen.
  • Zweite Tranche: Schmids legen den Be­darf für die Jahre 3 bis 10 in Kassenobligationen und sicheren Anleihenobligationen in Schweizer Franken an. Die Laufzeiten staffeln sie zwischen zwei und fünf Jahren. Mit dieser Verteilung stellen sie sicher, dass sie nach Ablauf von zwei Jahren ihr Sparkonto wieder mit einem Jahresbedarf von 10'000 Franken auffüllen können. Eine längere Anlagedauer als fünf Jahre ist bei den derzeit tiefen Zinsen wenig sinnvoll.
  • Dritte Tranche: Dieses Geld kann langfristig investiert werden und darf auch ­einen Teil Aktien und Fremdwährungen ent­halten. Schmids legen diesen Teil des Vermögens in Indexfonds an. Mit ihrem Anlageberater klären sie ihr Risikoprofil ab. Er schlägt vor, etwa 20 Prozent des ­Vermögens in Aktien- und 80 Prozent in Obligationenfonds zu investieren. Falls Schmids bereit seien, mehr Risiko einzugehen, könn­te die Verteilung 40 Prozent in Aktien und 60 in Obligationen lauten. 

Lassen Sie sich zu Risiken, Chancen und Steuervorteile beraten

Je nach Finanzlage und Budget gibt es wei­tere Möglichkeiten, vor oder nach der Pensionierung Vermögen an­zulegen. Um Risiken, Chancen und Steuervorteile abschätzen zu können, sollte man sich be­raten lassen, sofern man nicht selbst ein ausgewiesener Finanzspezialist ist.

Auch Lebensversicherungen können in der Anlagestrategie im Ruhestand eine Rol­le spielen. Man sollte die Varianten im Angebot prüfen und mehrere Offerten ­ein­holen. Die Unterschiede können einige tausend Franken ausmachen. Vor allem muss man auf die garantierten Versicherungsleistungen achten – die hohen Überschuss- oder Fondsprognosen wurden in den letzten Jahren häufig nicht erfüllt.  

  • Mit einer Einmaleinlage in eine gemischte Lebensversicherung legt man das Vermögen sicher und steuergünstig für min­destens fünf Jahre an. Dieses Produkt könnte eine Alternative zu einer sicheren Obligation sein. In der gegenwärtigen Tiefzinsphase sind Einmaleinlagen jedoch kaum empfehlenswert, da die tiefe Rendite kaum die Kosten der Versicherung deckt. Und: Wird kein Ertrag erzielt, gibt es auch keinen Steuervorteil.
  • Anders funktionieren fondsgebun­dene Lebensversicherungen. Das Kapital wird nicht mit einem festen Zinssatz angelegt, sondern in Anlagefonds. Damit die Erträge steuerfrei sind, muss die Laufzeit mindestens zehn Jahre betragen. Der Kunde trägt aber das Risiko von Kursschwankungen voll mit; die wenigsten Versicherer garantieren ein Mindestkapital im Erlebensfall. 

Da die Entwicklung der Finanzmärkte un­sicher ist, sollte man mit dem Abschluss von Versicherungen zurückhaltend sein. Die Kosten sind hoch und bleiben es, auch wenn die Rendite negativ ist.

Steu­erlich sind in die­sen Policen übrigens nur Anlagefonds mit hohen Erträgen sinnvoll, die ohne Versicherung steuerpflichtig sind, etwa bei Obligationen- oder Immobilienfonds. Hohe Aktienanteile ­gehören nicht in eine fondsgebun­dene Versicherung, denn Kapitalgewinne sind für Privatpersonen in der Schweiz ­sowieso steuerfrei.  

  • Das Langlebigkeitsrisiko kann man mit einer Leibrente absichern. Damit kauft man sich bei einer Versicherungsgesellschaft eine zeitlich begrenzte oder eine lebenslange Rente, die mit einer Einmalprämie finanziert werden kann. 

Nicht sinnvoll ist dies aber, wenn man zur Finanzierung der Prämie Kapital aus der Pensionskasse beziehen muss.

  • Erstens ist der Umwandlungssatz (der Prozentsatz, mit dem die Rente berechnet wird) tiefer als jener der Pensionskasse, somit ist auch das garantierte lebenslange Einkommen tiefer.
  • Zweitens muss der Kapitalbezug aus der Pensionskasse versteuert werden, und die Renten aus der privaten Versicherung sind nochmals zu 40 Prozent als Einkommen zu versteuern.

Je später aber die Leibrente abgeschlossen wird, desto höher werden die garantierten Zahlungen bei gleichem Kapital­einsatz sein, denn die Lebenserwartung wird von Jahr zu Jahr kleiner. Da die Rente voraussichtlich weniger lange bezahlt wer­den muss, kann der Versicherer höhere Auszahlungen vornehmen.

Eine persönliche Beratung und die Prüfung verschiedener Angebote ist unbedingt empfohlen. Für das Ehepaar Schmid könnte die Leibrente allenfalls in zehn Jahren ein Thema sein; es könnte sie mit dem Kapital aus der dritten Anlagetranche finanzieren. 

Viele ältere Menschen fürchten sich vor den hohen Kosten, die eine Pflegebedürftigkeit verursacht. Die Krankenkassen übernehmen nur einen Teil dieser Kosten, der Rest muss aus dem eigenen Vermögen finanziert werden. Mit der Folge, dass das Ersparte schnell aufgefressen wird.

Die angebotenen Pflegeversicherungen sind jedoch nicht sehr attraktiv. Einerseits sind sie sehr teuer, anderseits sind ihre Leistungen beschränkt. So kann es etwa sein, dass eine Versicherung erst wirksam wird, wenn die Versicherten seit zwei Jahren pflegebedürftig sind. Andere Versicherungen zahlen nur für den Aufent­halt in Pflegeheimen, die Kosten der Spitex, die Patien­ten zu Hause versorgt, werden nicht übernommen.

Budget: Was ändert sich?

Das Musterbudget des Ehepaars Schmid zeigt die Verhältnisse vor und nach der Aufgabe der Erwerbstätigkeit auf. Damit lässt sich die Finanzlage nach der Pensionierung festmachen und früh erkennen, welches Sparpotential besteht und wo die Einkünfte versickern.

Einkünfte heute nach Pensionierung
Nettoeinkommen Max Schmid 8500.-   
Nettoeinkommen Ruth Schmid 3500.-   
Vermögensertrag (0,25% von Fr. 200'000.-) 500.-  500.- 
AHV-Ehepaarrente (Maximum)   3510.- 
BVG-Rente Max Schmid   3900.- 
BVG-Rente Ruth Schmid   800.- 
Total Einkünfte 12'500.-   8710.- 

Feste Verpflichtungen
   
Wohnen (Miete/Hypothek und Nebenkosten) 2800.-  2800.- 
Steuern 1700.-  1000.- 
Krankenkasse 800.-  800.- 
Hausrat-, Privathaftpflichtversicherung 100.-  100.- 
Telefon, Radio, TV, Internet 160.-  160.- 
Energie (Elektrizität, Gas) 100.-  100.- 
2 Autos (inklusive Betriebskosten, Versicherung) 1200.-  1200.- 
Zeitschriften 100.-  100.- 
Total feste Verpflichtungen 6960.-  6260.- 

Variable Kosten
   
Haushalt und Nahrungsmittel 1200.-  1200.- 
persönliche Auslagen (Kleider, Freizeit, Kultur) 1500.-  790.- 
Total variable Kosten 2700.-  1990.- 

Diverses
   
Gesundheitskosten 150.-  400.- 
Geschenke 100.-  100.- 
Ferien, Reisen 1000.-  500.- 
Unvorhergesehenes, Anschaffungen 300.-  300.- 
3. Säule 1000.-   
Total Diverses 2550.-  1300.- 
Differenz: Sparquote/Manko +290.-  -840.- 

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