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Pensionierung

So rollt der Rubel auch nach 65

Istockphoto.com

Wer bald in Pension geht, sollte seine Finanzen gründlich planen. Gut zu wissen, worauf es dabei ankommt.

von Jürg Zulligeraktualisiert am 2017 M02 28

Endlich pensioniert – endlich Zeit für ausgedehnte Reisen, für die ganz grossen Hobbys und Passionen, die man früher aufschieben musste!

Doch Vorsicht: Bevor man Ruhestandsträume verwirklicht, sollte man an die Finanzen denken: Kann ich mir das alles leisten?

Zur Planung der Zeit nach der Pensionierung gehört einerseits die Einnahmenseite. AHV und Pensionskasse sollten rund 60 Prozent des zuletzt bezogenen Lohns decken. Die auf dem Versicherungsausweis angegebenen Leistungen der Pensionskasse sollte man unbedingt rechtzeitig prüfen; bei der AHV lohnt es sich, eine Renten­vorausberechnung zu bestellen.

Zum anderen zählt die Ausgabenseite zum Budget. Sie lässt sich aus den aktuellen Zahlen herleiten: Wie hoch sind die Fixkosten für Wohnen, Haushalt und weitere Lebenshaltungskosten?

Viele Leute unterschätzen ihre Fixkosten nach der Pensionierung. Zudem fallen oft noch unregelmässige grös­sere Ausgaben an. Obwohl zum Beispiel das Einkommen stark zurückgeht, bleiben die Steuern relativ hoch.

Das liegt daran, dass nach der Pensionierung viele abzugsfähige Beträge wie ­Berufsauslagen oder Einzahlungen in die dritte Säule entfallen. Vorsorgespezialisten empfehlen, Änderungen unbedingt mitzuberücksichtigen. Erstens muss man weiter mit steigenden Krankenkassenprämien rechnen. Zweitens könne der Vermögenswert infolge der Inflation langfristig sinken. Und wer in den eigenen vier Wänden lebt, muss bedenken, dass die Hypothekarzinsen steigen könnten.

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Lücken füllen durch Vermögensverzehr

Reichen die Einkünfte aus AHV und Pen­sionskasse nicht aus, gilt es, die Ausgabenposten zu hinterfragen. Dies kann bedeuten, dass man in Sachen Reisen, Hobbys oder Wohnen zurückbuchstabieren muss.

Viele haben auf das Alter hin jedoch ein grösseres Vermögen angespart. Geldanlagen, Wertschriften und Sparkonti summieren sich mit Kapitalauszahlungen aus Lebensversicherungen, aus der Säule 3a oder aus der Pensionskasse. Laut Gesetz kann man mindestens einen Viertel des Alterskapitals in der Pensionskasse als Kapital beziehen. Grössere Summen ergeben sich öfter auch aus Erbschaften, denn viele erben heute erst im Alter zwischen 60 und 65.

Zur Schliessung von Einkommens­lücken drängt sich daher die Variante Vermögensverzehr auf: Die verfügbaren Mittel werden längerfristig so angelegt und disponiert, dass sich daraus ein regelmässiges, möglichst sicheres Einkommen schöpfen lässt. Wer sich allerdings sein Leben lang nie mit solchen Geschäften befasst hat, sollte besser die Finger davon lassen.

Die Alternative zum aktiven Anlegen: sich voll in die Pensionskasse einkaufen und das Alterskapital möglichst als monatliche Pensionskassenrente beziehen, denn die ist in der Regel lebenslang garantiert.

Freies Sparkapital: Wie viel Geld ist verfügbar?

Ausgangslage: 100'000 Franken Kapital im Alter 65, Start der Rente mit 65; das Kapital wird bis zum entsprechenden Alter aufgebraucht.

 

 

 

 

erwartetes Lebensalter

 

70

75

80

85

90

95

100

erwartete Rendite pro 100'000 Franken

2%

21'200.–

11'100.–

7800.–

6100.–

5100.–

4500.–

4000.–

4%

22'500.–

12'300.–

9000.–

7400.–

6400.–

5800.–

5400.–

6%

23'700.–

13'600.–

10'300.–

8700.–

7800.–

7300.–

6900.–

8%

25'000.–

14'900.–

11'700.–

10'200.–

9400.–

8900.–

8600.–


Lesebeispiel: Eine Person, die ihr Kapital zu einer erwarteten Rendite von vier Prozent anlegt und von einem Vermögensverzehr bis Alter 85 ausgeht, bezieht pro Jahr 7400 Franken.

Quelle: Vermögenspartner AG

Ein Beispiel: Peter Muster, 65, stellt fest, dass nach der Pensionierung eine Einkommenslücke von 10'000 Franken jährlich klaffen wird. Er könnte ein freies Sparkapital von 100'000 Franken für den planmäs­sigen Vermögensverzehr einsetzen. Mit 65 haben Männer in der Schweiz eine durchschnittliche Lebenserwartung von 19 Jahren; bei einem jährlichen Vermögenszins von zwei Prozent könnte sich Peter Muster nur 6100 Franken pro Jahr auszahlen lassen, und das Vermögen würde bis Alter 85 reichen. Relevant sind die erwartete Rendite und der Zeitfaktor: Peter Muster könnte sein Ziel nur erreichen, wenn er sein Kapital zu einem deutlich ­höheren Ertrag anlegen oder statt der 100'000 Franken das Doppelte für den Vermögensverzehr einsetzen würde.

Vermögensanlage und -aufteilung sollten sich nach Risikobereitschaft und effektivem Einkommensbedarf richten. Sinnvoll sind eine jederzeit verfügbare Reserve und eine zweite, grössere Tranche, die für einige Jahre sehr sicher angelegt ist – etwa auf einem Sparkonto – oder investiert in sichere Kassen- respektive Firmenobligationen in Schweizer Franken. Dies bei gestaffelten Laufzeiten, etwa zwischen zwei und fünf Jahren (längere Laufzeiten sind wegen der zurzeit sehr tiefen Zinsen nicht zu empfehlen).

So würde Peter Muster sicherstellen, dass er sein Sparkonto jährlich wieder für seinen Lebensunterhalt füllen kann. Wei­tere Tranchen wären längerfristig zu dis­ponieren. Um höhere Erträge zu erzielen, kann Herr Muster auch grössere Risiken eingehen und zum Beispiel Aktien und Fremdwährungen beimischen.

Kapitalanlagen: Sicherheit geht vor

Über einen längeren Zeithorizont von zehn oder zwölf Jahren versprechen Aktien nach wie vor eine höhere Performance als Obligationen.

Wer höhere Risiken tragen kann und einen Teil des Geldes längerfristig nicht benötigt, fasst zum Beispiel einen Mix aus 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Obligationen ins Auge. Festverzinsliche Anlagen und Obligationen werfen heute weniger Erträge ab als früher. Das sollte Rentner aber nicht dazu verleiten, zu hohe Anlagerisiken einzugehen. Sicherheit und eine gute Diversifikation sind gerade beim Alterskapital oberstes Gebot.

Ins Budget gehört auch Liegenschaftsbesitz im Privatvermögen. Dabei gilt, dass AHV- und BVG-Renten die finanzielle Trag­barkeit inklusive Hypotheken und Nebenkosten sichern sollten. Andernfalls muss man die Schuldenlast bis Alter 65 stärker als geplant reduzieren oder, im Extremfall, gar die Wohnsituation überdenken und privates Wohneigentum aufgeben.

Bei Vermögensanlagen muss man unbedingt auch die anfallenden Gebühren und die Reserven im Hinblick auf eine Inflation berücksichtigen. In den meisten Fällen dürften für Kleinanleger kostengünstige passive Indexfonds oder ähnliche kollektive Anlagen der richtige Weg sein.

Fachleute warnen Kleinanleger allerdings vor komplexen struktu­rierten Produkten, die sie nicht durchschauen, oder vor riskanten Geschäften in Fremdwährungen. Schliesslich will man den Lebensabend in vollen Zügen geniessen, ohne sich bei jedem Börsentaucher sorgen zu müssen.

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