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VersicherungenWelche Absicherungen braucht es - und welche nicht?

Versicherungen sind teuer – und nicht in jedem Fall sinnvoll. Worauf es ankommt.

Eine Versicherung ist stets nur die zweitbeste Lösung - besser ist es, das Risiko zu vermindern.
von aktualisiert am 11. August 2017

Viele Leute empfinden eine Versicherung als eine Art Schutzengel. Doch das ist sie nicht. Wer sichs leisten kann, kann sich zwar mit einer Versicherung gegen fast alle kleinen und gros­sen Schicksalsschläge wappnen – aber nicht gegen das Ereignis selbst: Eine Versicherung verhindert keine Krankheit oder Invalidität, keinen Unfall oder Raub, keine Überschwemmung, kein Erdbeben.

Aber sie gleicht die finanziellen Folgen aus. Diese Sicherheit lassen sich Herr und Frau Schweizer viel Geld kosten: Jeder und jede bezahlt jedes Jahr über 7000 Franken für freiwillige Versicherungen. Dazu kommen noch mehrere tausend Franken für Krankenkasse sowie Sozialversicherungen.

Sehr viel Geld also, und dennoch wägen viele Leute beim Kauf eines T-Shirts für 50 Franken länger ab als bei der Frage, ob sie Jahr für Jahr mehr als 1000 Franken für eine Lebensversicherung ausgeben sollen.

Besser ists, das Risiko zu vermindern

Viele Leute unterscheiden nicht systematisch zwischen grossen, folgenschweren Gefahren und kleinen, unbedeutenden Risiken. Der Grundsatz ist einfach: Existenzbedrohende Risiken muss man versichern, kleine hingegen nicht. Nach einem Einbruch steht man unter Umständen gänzlich ohne Hab und Gut da, darum ist eine Hausratversicherung für die meisten Leute zwingend. Wenn man hingegen eine kaputte Glasvitrine aus dem eigenen Sack bezahlen kann, ist die Glasbruchversicherung (als Zusatz zur Hausratpolice) verzichtbar.

Wer eine Versicherung abschliesst, zahlt ja auch die Verwaltungskosten und den Gewinn des Anbieters mit. Darum ist eine Versicherung stets nur die zweitbeste Lösung: Besser ist es, das Risiko zu vermindern – oder einen allfälligen Schaden selber zu tragen, wenn man sich das leisten kann. Es ist zum Beispiel effizienter und günstiger, sich mit einer Schlüsselfundmarke und der Hinterlegung eines Reserveschlüssels bei einer Vertrauensperson gegen Diebstahl oder Verlust des Hausschlüssels abzusichern als mit einer speziellen Versicherung.

Die Risikoverminderung ist nicht ganz so einfach, wie es klingt: Denn neben der Eintretenswahrscheinlichkeit gilt es auch die potentielle Schadenssumme einzukalkulieren. Das Risiko, beim Skifahren jemanden umzufahren, ist zwar – je nach den Fahrkünsten – nicht allzu gross. Aber wenn es passiert und wenn das Unfallopfer dauerhaft arbeitsunfähig wird, kommen exorbitante Haftungsansprüche auf den Unfallverursacher zu. Deswegen ist eine Haftpflichtversicherung (wie die Hausratversicherung) eigentlich zwingend.

Alle anderen Versicherungsangebote sind dagegen nur in bestimmten Lebenslagen empfehlenswert. Die Faustregel dazu lautet: Stellen Sie sich den grösstmöglichen Schaden im Rahmen eines bestimmten Risikos vor. Könnten Sie ihn nicht selbst bezahlen, ist eine Versicherung sinnvoll.

Vor allem bei wich­tigen Veränderungen der Lebenssitua­tion (zum Beispiel Jobwechsel, Pensionierung, Hauskauf, Heirat, Kinder) gilt es abzuschätzen, welche Konsequenzen sich aus diesen Veränderungen ergeben. Aber auch sonst ist es empfehlenswert, alle fünf Jahre die bestehenden Versicherungen zu überprüfen und mit möglichen Alternativen zu vergleichen. Und nicht zuletzt: sich zu fragen, auf welche Versicherungen man verzichten kann. Gerade im Bereich Ferien/Reisen sind viele Leute mehrfach und/oder überflüssigerweise versichert.

Versicherungsgesellschaften nutzen den Umstand aus, dass sich viele nur sehr ungern mit diesen Fragen auseinandersetzen. In Broschüren ist von «Sorglospaketen» die Rede, Berater reden gerne von «Rundumschutz». Von solchem Marketinggeschwätz sollte man sich nicht blenden lassen: In jeder Versicherung gibt es Einschränkungen.

Das Geschäft mit der Knausrigkeit

Stolpersteine sind nicht nur die im Kleingedruckten versteckten Leistungsausschlüsse, etwa wenn eine Reiseannullationskostenversicherung nicht bezahlt, falls man die Ferien wegen einer vorbestehenden Krankheit absagen muss. Problematisch sind oft auch die Fragebögen, die man vor Vertragsabschluss ausfüllen muss. Wer etwa beim Abschluss einer Lebensversicherung einen positiven HIV-Test verschweigt, riskiert, dass die Versicherung keine Leistungen ausbezahlt, falls die HIV-Infektion einen Zusammenhang mit dem Tod hat.

Für Versicherte ist es manchmal nur ärgerlich, manchmal aber existenzbedrohend, wenn die Versicherung nicht zahlt. Für die Versicherung hingegen summiert sich Knausrigkeit zu einem Geschäft: 2010 nahmen alle Schweizer Versicherungen zusammen rund 56,5 Milliarden Franken an Prämien ein. Als Leistungen ausbezahlt wurden nur 41 Milliarden. Der Rest, immerhin 27 Prozent, ging für Verwaltungskosten drauf – und für den Gewinn.

Sieben Punkte vor Abschluss einer Versicherung

  1. Bevor Sie eine Versicherung abschlies­sen: Klären Sie ab, ob Sie gegen das betreffende Risiko nicht bereits versichert sind (zum Beispiel beim Arbeitgeber) oder ob Sie im Falle eines Falles den grösstmög­li­chen Schaden selber tragen könnten.
  2. Vorsicht bei Versicherungsvertretern: Sie haben immer ein Interesse daran, Ihnen möglichst teure und möglichst viele Verträge zu verkaufen.
  3. Nutzen Sie den Wettbewerb: Holen Sie immer Konkurrenzofferten ein, berücksichtigen Sie auch Online-Angebote – sie sind im Schnitt 15 Prozent günstiger, weil kein Aussendienstmitarbeiter an der Provision verdient. Im Schadenfall hat man ohnehin in der Regel nicht mit dem damaligen Verkäufer zu tun.
  4. Unterschreiben Sie nie sofort: Schlafen Sie darüber und klären Sie offene Fragen.
  5. Lassen Sie sich Zusicherungen des Vertreters schriftlich bestätigen: Was nicht in der Police festgehalten ist, gilt nicht.
  6. Unterschreiben Sie erst, wenn Ihnen folgende Punkte klar sind: Wogegen sind Sie versichert, wogegen nicht? Wie hoch ist der Versicherungsschutz? Wie hoch sind die Prämien? Wie lange läuft der Vertrag; endet er automatisch oder läuft er weiter? Bei Sachversicherungen: Bestehen Sie auf einjährigen Verträgen oder lassen Sie sich ein jährliches Kündigungsrecht schriftlich bestätigen.
  7. Fragen Sie bei Unklarheiten nach: bei einer Rechtsberatungsstelle oder bei der Ombudsstelle der Privatversicherungen (www.ombudsman-assurance.ch, Telefon 044 211 30 90) – auch vor Vertragsabschluss, wenn Sie zum Beispiel unsicher sind beim Ausfüllen des Fragebogens.

Medizinische Behandlung

  • Bei Krankheit: Die obliga­torische Krankenkasse ist gesetzlich bis ins kleinste Detail geregelt und deckt alles Wich­tige ab. Freiwillige Zusatzver­sicherungen sind entweder sehr teuer (halbprivate oder private Deckung im Spital) oder dann günstig, aber auch verzichtbar, beispielsweise Zusätze für Brillen und nicht kassenpflichtige Medikamente. Eine Ausnahme sind die in aller Regel empfehlenswerten Zahnversicherungen für Kinder.
     
  • Bei Unfall: Auch die Unfall­versicherung ist obligatorisch, entweder über den Arbeitgeber oder dann über die Krankenkasse.

Ungenügende Altersvorsorge

Die Renten aus AHV und Pensionskasse sollten zu­sammen rund 60 Prozent des vorherigen Einkommens ausmachen. Wem das nicht reicht, der muss während des Arbeitslebens freiwillige Zusatzzahlungen in die Pensionskasse machen und/oder in der steuerprivilegierten 3. Säule sparen. Viele Versicherungen bieten ferner Sparprodukte an, die mit einer Versicherung kombiniert sind, etwa Leibrenten und Fondspolicen. Solche Produkte sind für praktisch alle Kunden unvorteilhaft, weil man sich für eine viel zu lange Zeitspanne verpflichten muss.

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Unberechtigte Forderungen

Rechtsschutzversicherungen helfen, unberechtigte Forderungen abzuwehren und Gerichtsverfahren finanziell durchzustehen. Die meisten beinhalten aber nur begrenzte Leistungen. Darum sollte man die Leistungsausschlüsse genau prüfen.

Ferien

Reiseversicherungen gibt es in verschiedenen Varianten und Kombinationen unterschiedlicher Leistungen. Das erschwert den Überblick und das Vergleichen. Und nicht jeder Baustein einer Reiseversicherung ist gleich nützlich:

  • Eine Ab­sicherung für den Fall, dass man die Reise annullieren muss, oder gegen den Verlust des Gepäcks ist nur sinnvoll, wenn man die entsprechenden Kosten notfalls nicht selbst tragen kann.
  • Eine Personen-Assistance-Versicherung deckt beispielsweise die Kosten für nicht zwingend nötige Rückflüge in die Schweiz, etwa nach einem Unfall. Das kann leicht sehr teuer werden: Ein medizinisch begleiteter Flug von Johannesburg nach Zürich etwa kostet rund 140'000 Franken. Achtung: Eine Gönnerschaft bei der Rettungsflugwacht Rega ergibt keinen Rechts­anspruch auf Rettungsflüge.
  • Wer nichteuropäische Länder mit einem hohen Preisniveau bereist, braucht eine Zusatzversicherung für Spital- und Arztkosten. Das gilt insbesondere für die USA, Kanada, Australien und Japan sowie für Lateinamerika und Asien, wenn man sich dort nötigenfalls in einem Privat­spital statt in einem öffentlichen Krankenhaus behandeln lassen möchte.

Haftpflichtansprüche

  • Privathaftpflichtversicherung: Wenn Sie aus Unachtsamkeit einen Hund anfahren, haften Sie für die anfallenden Tierarzt­kosten. Das kostet schlimmstenfalls ein paar tausend Franken. Fährt man aber jemanden auf der Skipiste um, der danach dauernd erwerbsunfähig wird, erreicht der Haftungsanspruch rasch Millionenhöhe. Deshalb ist eine Haftpflichtversicherung (mit einer Deckungssumme von drei oder fünf Millionen) absolut zwingend, umso mehr, als die Prämien vergleichsweise moderat sind. Achtung: Junge Erwachsene, die noch zu Hause wohnen, sind nicht bei jeder Versicherungsgesellschaft in der Police der Eltern mitversichert.
  • Hausbesitzer haften, wenn beispielsweise ein vom Dach fallender Ziegel einen Passanten verletzt. Einfamilienhausbesitzer sowie Eigentümer von selbst bewohnten Mehrfamilienhäusern mit maximal drei Wohnungen sind dagegen durch ihre nor­male Privathaftpflicht gedeckt. Motorfahrzeughalter müssen obligatorisch eine Motorfahrzeughaftpflichtversicherung abschliessen. Das gilt übrigens auch für Besitzer eines starken Elektro­velos: Sie brauchen eine jährlich zu lösende Vignette; die Kosten sind von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Normale Velos und leichte Elektrovelos (Leistung bis 500 Watt sowie Tretunterstützung bis 25 Kilometer pro Stunde) sind hingegen über die Privathaftpflichtversicherung gedeckt.

Diebstahl, Beschädigung, Verlust

  • Die Hausratversicherung schützt das eigene Hab und Gut gegen Feuer-, Schnee-, Sturm-, Erdrutsch- und Wasserschäden, ebenso gegen Diebstahl und Glasbruch. Wer bei einem Brand alles verliert, hat rasch eine Schadenssumme von 100'000 Franken für neue Möbel, Kleider, Heimelektronik, Schmuck, Sportgeräte, Musikinstrumente, Wein. Eine Hausratversicherung ist deshalb zwingend – einzig junge Erwachsene in der ersten WG sowie Altersheimbewohner können darauf verzichten. Die Ver­sicherung bezahlt den Wiederbeschaffungswert des zerstörten Hausrats, man muss aber darauf achten, dass die Versicherungs­summe dem aktuellen Wert des Hausrats entspricht, sonst kürzt die Versicherung im Schadenfall die Zahlung proportional. Der Zusatz «einfacher Diebstahl auswärts» kommt beispielsweise für den Ersatz des am Bahnhof geklauten Velos auf. Achtung: Die Deckungssumme beträgt standardmässig maximal 2000 Franken – das reicht nicht für teure Elektrovelos.
  • Eigentümer einer Wohnung oder eines Hauses brauchen eine Gebäudeversicherung gegen Schäden durch Feuer, Hochwasser oder Lawinen; in den meisten Kantonen ist sie obligatorisch, wo nicht: sehr empfehlenswert. Die frei­willige Gebäudewasserversicherung springt ein, falls eine Wasserleitung platzt oder Regen eindringt. Verzichtbar ist dagegen eine Glasbruchversicherung, die kaputte Scheiben und Glaskeramik-Kochfelder ersetzt.
  • Eine Teilkasko-Versicherung schützt das Auto gegen Diebstahl, Feuer und Elementarereignisse (etwa Hagel, Felssturz) sowie Glasbruch und ist deshalb empfehlenswert. Bei Vandalismus sowie Kollision mit Tieren zahlen jedoch manche Versicherungen nichts. Eine deutlich teurere Vollkasko-Versicherung kommt zusätzlich bei selbstverursachten Teil- oder Totalschäden am Fahrzeug auf – das lohnt sich nur bei teuren Neuwagen. Wichtig zu wissen: Kaskoversicherungen ersetzen nur den Zeitwert des Fahrzeuges.

Erwerbsunfähigkeit

Wenn plötzlich das Erwerbseinkommen ausfällt, droht rasch Ebbe in der Kasse. Kann man als Folge eines Unfalls nicht mehr arbeiten, ist man über die obligatorische Unfalltaggeldversicherung (über den Arbeitgeber), die Invalidenversicherung und die Pen­sions­kasse in aller Regel gut bis sehr gut versichert.

Ist jedoch eine langwierige Krankheit die Ursache des Erwerbsausfalls, droht eine Deckungslücke. Wenn der Arbeitgeber nicht über eine Taggeldversicherung verfügt, sollte man selber eine abschliessen, sofern die Prämien dafür nicht zu teuer sind. Sie bezahlt maximal zwei Jahre lang, falls Aussicht auf Heilung besteht. Für die Zeit danach kann man eine Erwerbsausfallversicherung abschliessen, weil eine IV-Rente (maximal 2350 Franken) kaum zum Leben reicht. Das ist indes nur nötig, wenn die Pensionskasse dann nicht einspringt.

Todesfall

AHV und die obligatorische Pensionskasse zahlen den Hinterbliebenen eine Rente. Einzig wer finanziell verantwortlich ist für andere, sollte sich überlegen, ob eine Todesfallversicherung sinnvoll ist. Stösst dem Ernährer der Familie etwas zu, ist für Witwe und Kinder gesorgt. Singles brauchen sicher keine solche Absicherung, ebensowenig kinderlose Paare, bei denen beide Partner finanziell auf eigenen Füssen stehen.

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