Was haben gefärbte Haare, reparierte Autos und ein frisch verlegter Gartenweg gemeinsam? Sie alle sind Werke. Die Berufsleute, die sie geschaffen haben - die Coiffeuse, der Automechaniker, die Gärtnerin -, führen rechtlich gesehen sogenannte Werkverträge aus.

So vielfältig diese Werke aussehen, so einheitlich lassen sich die Pflichten der Berufsleute feststellen - ebenso wie jene der Konsumenten, die diese Werke bestellen.

Doch einheitlich heisst nicht reibungslos. An der Hotline des Beobachter-Beratungszentrums sind Probleme und Unklarheiten in der Zusammenarbeit mit Handwerkern Dauerthema, etwa wenn Kostenvoranschläge überschritten oder die Arbeiten mangelhaft ausgeführt werden. Im Folgenden finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ist eine Offerte verbindlich?

Nach Gesetz ist nur ein im Voraus festgelegter Fixpreis verbindlich. In diesem Fall darf der Handwerker keine höhere Rechnung stellen, selbst wenn er mehr Arbeit gehabt hat. Einzige Ausnahme: ausserordentliche, nicht voraussehbare Umstände.

Der Nachteil des Fix- oder Pauschalpreises: Der Kunde muss ihn auch dann zahlen, wenn der Auftrag weniger Arbeit verursacht hat.

Oft wird der Preis jedoch nur ungefähr abgemacht. Oder die Handwerker-Offerte Offerten Wenn der Gipser zu viel Kies will enthält Ausdrücke wie «gemäss Aufwand» oder «nach Regie»: Dann ist sie unverbindlich - der Handwerker kann grundsätzlich seinen tatsächlichen Aufwand verrechnen. Und bis zu einer Abweichung von zehn Prozent muss der Kunde den höheren Preis akzeptieren. Für alles, was darüber liegt, muss sich der Handwerker rechtfertigen. Hat etwa ein Elektriker bewusst zu tief offeriert, um den Auftrag zu bekommen, kann er nicht darauf pochen, dass seine Rechnung vollumfänglich bezahlt wird.

Tipp: Halten Sie Preisabmachungen schriftlich fest. Schon ein Fresszettel, der von beiden Parteien unterschrieben ist, genügt. Notieren Sie darauf auch gleich Ihre Telefonnummer mit dem Vermerk, dass man Sie anrufen soll, wenn etwas Unvorhergesehenes eintritt.

Handwerkerpfusch – Mängel richtig rügen

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Was tun, wenn das Werk des Handwerkers oder des Elektrikers mangelhaft ist? 3 Tipps, wie Sie sich wehren.

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Muss ich für die Offerte bezahlen?

Normalerweise nicht. Sobald dafür jedoch ein grösserer Arbeitsaufwand nötig ist - zum Beispiel Besuche vor Ort, Materialabklärungen, Erstellung von Plänen, Vorgespräche mit Lieferanten -, dann ist dieser Aufwand grundsätzlich zu entschädigen. Der Handwerker darf ihn verrechnen, wenn er den Auftrag nicht bekommt.

Fairerweise informiert er über diese Verrechnung im Voraus. So informieren zum Beispiel viele Servicestellen, die Geräte reparieren, auf ihren Auftragsformularen, dass sie für den Kostenvoranschlag einen bestimmten Betrag verlangen.

Tipp: Klären Sie unbedingt im Voraus ab, ob und wie viel Sie allenfalls zahlen müssen, wenn der Auftrag nicht zustande kommt.

Mehr zu Werkverträgen bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Probleme mit Handwerkern lassen sich vermeiden. Guider sagt Ihnen nicht nur, was Ihre Rechte und Pflichten bei einem Werkvertrag sind, sondern erleichtert Ihnen das Leben als Mitglied mit vorgefertigten Werk-Musterverträgen sowie Mängelrügen, die Sie an Ihre persönlichen Bedürfnisse anpassen können.

Muss ich Verschiebungen billigen?

Gerade bei nicht dringenden Arbeiten kommt es vor, dass Handwerker den Termin mehrmals hinausschieben. Gutmütige Konsumenten lassen sich manchmal monatelang vertrösten.

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Achtung: Für die Geduld gibt es weder einen Anspruch auf Entschädigung noch auf Rabatte.

Tipp: Setzen Sie dem Handwerker mit einem eingeschriebenen Brief eine angemessene letzte Frist. Stellen Sie gleichzeitig klar, dass Sie vom Vertrag zurücktreten Rücktritt vom Vertrag Ich habs mir anders überlegt! und jemand anderen beauftragen, wenn sich der Handwerker bis zum Ablauf dieser Frist nicht um die Sache kümmert.

Kann ich vom Vertrag zurücktreten?

Beachten Sie: Auch mündlich erteilte Aufträge sind verbindlich Obligationenrecht Hoppla, ist das jetzt ein Vertrag? . Es braucht keine schriftliche Abmachung, damit der Vertrag zustande kommt. Treten Sie von einer Zusage zurück, zum Beispiel weil sie eine günstigere Schreinerei gefunden haben, so darf der nicht berücksichtigte Handwerker Schadenersatz verlangen. Dieser umfasst eine Abgeltung für die bereits geleisteten Arbeiten und den entgangenen Gewinn.

Tipp: Lassen Sie sich grundsätzlich nicht unter Druck zu Zusagen verleiten. Vereinbaren Sie notfalls ein Widerrufsrecht, zum Beispiel im Zeitraum von sieben Tagen, damit Sie ein Hintertürchen offen haben.

Überrissene Rechnung: Was nun?

Weder das Gesetz noch Branchenverbände kennen Preisobergrenzen. Die Handwerker können ihre Stundenansätze frei festlegen und nach Aufwand abrechnen - was zu teuren Überraschungen führen kann.

Tipp 1
Erteilen Sie nie einen Auftrag, ohne nach den Kosten zu fragen. Am besten treffen Sie eine klare Vereinbarung: Entweder machen Sie einen Fest- oder Pauschalpreis ab (siehe oben: «Ist eine Offerte verbindlich?»). Oder Sie legen einen ungefähren Preis fest und kombinieren diesen mit einem Maximalbetrag, auch Kostendach genannt. Dann muss der Handwerker Sie informieren, wenn unvorhergesehene Arbeiten nötig werden.

Tipp 2
Kontrollieren Sie die Arbeitsrapporte, die Ihnen der Monteur zur Unterschrift vorlegt. Bringen Sie einen Vorbehalt an, wenn Sie mit der angegebenen Arbeitszeit nicht einverstanden sind.

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Was gilt bei Wegkosten?

Wegkosten sind im Gesetz nicht direkt geregelt. Handwerker dürfen sie grundsätzlich gemäss ihrem Aufwand verrechnen. In der Praxis gibt es zahlreiche Berechnungs-Usanzen: mit einer Pauschale oder mit einem Stundenansatz für je den Monteur und das Fahrzeug - oder mit einem Kilometerpreis. Auch hier lohnt es sich, die Sache im Voraus klar zu regeln.

Tipp: Fragen Sie nach einer (anteilmässigen) Reduktion der Wegkosten, wenn in Ihrer Nachbarschaft gleich mehrere Reparaturarbeiten zu erledigen sind.

Merkblatt «Wegkosten Handwerker» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Viele Firmen stützen sich bei der Berechnung der Wegkosten auf Vorgaben der Branchenverbände. Das Merkblatt «Wegkosten Handwerker» zeigt Mitgliedern von Guider, wie etwa Heizungsfirmen, Sanitärinstallateure oder Schreiner die Empfehlungen umsetzen und gibt Tipps, wie man die Kosten tief halten kann.

Habe ich nicht 30 Tage Zahlungsfrist?

Auch zu den Zahlungsbedingungen sagt das Gesetz praktisch nichts - es kennt bloss den Grundsatz «Zug um Zug»: Der Auftragnehmer arbeitet, der Kunde zahlt.

Im Alltag räumen Handwerker jedoch oft Zahlungsfristen ein: Der Bodenleger verlegt das Parkett, danach stellt er Rechnung mit einer Zahlungsfrist von 30 Tagen. Wenn man die Zahlungsbedingungen im Voraus nicht besprochen hat, kann der Handwerker die Frist frei festlegen. Eine Vorauszahlung jedoch kann er nur verlangen, wenn das so abgemacht war.

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Tipp: Thematisieren Sie bei der Auftragserteilung auch diesen Punkt: Fragen Sie nach der Zahlungsfrist, auch nach einem Skonto, wenn Sie rasch zahlen wollen. Und vereinbaren Sie zusätzlich, dass Sie mit der Zahlung zuwarten oder einen Teil des Betrags zurückbehalten, wenn das Ergebnis mangelhaft ist.

Verspätete Rechnungen zahlen?

Nicht wenige Handwerker vernachlässigen die Büroarbeit und verschicken ihre Rechnungen manchmal erst viele Monate oder gar Jahre Verspätete Rechnungen Ab wann läuft die Frist? nach Beendigung der Arbeiten. Nach Obligationenrecht verjähren die Handwerkerrechnungen nach fünf Jahren.

Tipp: Lassen Sie Nachsicht walten. Wenn der Handwerker gute Arbeit geleistet hat, verdient er in einem solchen Fall Ihre Grosszügigkeit.

Mängel: Was kann ich verlangen?

Am häufigsten erfolgt bei mangelhaft ausgeführten Arbeiten eine Nachbesserung. Selbstverständlich geht diese zu Lasten des Handwerkers.

Beispiel: Die Reinigungsfirma hat die Küche nach dem Umzug nicht sauber geputzt. Sie schickt nochmals jemanden vorbei für die Nachreinigung. Eine andere Möglichkeit ist die Preisminderung - etwa wenn die Dauerwellen schon nach wenigen Tagen nicht mehr erkennbar sind. Statt die Haare erneut einer strapaziösen Behandlung auszusetzen, regelt man den Mangel besser mit einer Preisreduktion.

Ist der Mangel jedoch erheblich und kann nicht nachgebessert werden - zum Beispiel wenn Massvorhänge zu kurz geraten sind -, so kann man dieses ungenügende Werk zurückweisen und damit auch gleich vom Vertrag zurücktreten.

Tipp: Voraussetzung für diese Regelungen ist eine unverzügliche Mängelrüge. Prüfen Sie also die Reparatur, Installation oder Anfertigung sofort nach Fertigstellung. Wenn Sie Mängel feststellen, rügen Sie diese am besten mit einem eingeschriebenen Brief. Notieren Sie darin auch gleich eine Frist, bis zu der Sie die Mängel ausgebessert haben möchten. Für alle beweglichen Werke haben Sie zwei Jahre Garantie, für unbewegliche Werke fünf Jahre.

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Und wenn der Handwerker die Rüge nicht anerkennt?

Dann wird es mühsam. Denn es ist der Kunde, der den Mangel beweisen muss. Wenn der Handwerker die Mängelrüge nicht anerkennt und behauptet, sein Werk sei in Ordnung, kommt man nicht umhin, das mangelhafte Werk von einer Fachperson begutachten zu lassen.

Achtung: Die Kosten für eine solche Expertise tragen zunächst Sie als Auftraggeber.

Tipp: Fachleute für Expertisen findet man oft über die entsprechenden Branchenverbände. Deren Fachpersonen kennen das Metier sehr gut und können rasch beurteilen, ob und in welchem Umfang gepfuscht wurde.

Musterbrief «Rüge Werkmangel» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Sind Sie unzufrieden mit einem geleisteten Werk eines Handwerkers, sollten Sie ihm schriftlich den Mangel anzeigen. Mitglieder von Guider können dies mithilfe des Musterbriefs «Werkmangel Rüge» tun und diesen ganz einfach an den geforderten Sachverhalt anpassen.