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VollmachtReisen mit Minderjährigen

Reisen mit Minderjährigen birgt Tücken. Vor allem, wenn das Kind einen anderen Nachnamen trägt. Was tun?

Hat das minderjährige Kind einen anderen Namen als die mitreisende Mutter, braucht es eine Reisevollmacht. Ohne droht im schlimmsten Fall eine Verweigerung der Beförderung.
von aktualisiert am 06. Juli 2017

Manchmal ist der Weg ins Flugzeug beschwerlicher, als man denkt. Mutter Michaela Brunner* wollte mit ihren Kindern Christina und Thomas Affolter*, 4 und 7 Jahre alt, von Friedrichshafen nach Gran Canaria fliegen. Doch die Frau am Check-in-Schalter kontrollierte Tickets und Identitätskarten und fragte dann: «Und wo ist das Dokument, das nachweist, dass Sie die Mutter der Kinder sind und dass der Vater mit der Reise einverstanden ist?»

Zum Glück erreichte Michaela Brunner ihren Exmann telefonisch und bat ihn, seine Zustimmung zu schicken. Das tat er per Whatsapp, doch die Frau am Check-in akzeptierte sie nicht. Gerade rechtzeitig gelang es dem Vater, seinen streikenden Server zum Laufen zu bringen und die Bestätigung per E-Mail zu schicken. Jetzt konnte die Ostschweizer Familie doch noch in die Ferien.

Schriftliche Zustimmung des nicht mitreisenden Elternteils ist notwendig

War das übertriebener Formalismus des Check-in-Personals? Juristisch gesehen wohl nicht. Denn die Fluggesellschaft muss sich absichern, damit sie nicht einer Kindsentführung Vorschub leistet. Das Personal hätte sogar auf einer Reisevollmacht mit Originalunterschrift des Vaters und auf einer Kopie seines Ausweises bestehen können. Fluggesellschaften dürfen im Zweifelsfall eine Beförderung verweigern. Dass man sich auf einen Anruf der Mutter an den Vater und auf seine E-Mail verliess, ist ein Entgegenkommen.

Darauf sollte man sich aber nicht verlassen. Es ist ratsam, sich rechtzeitig um die schriftliche Zustimmung des nicht mitreisenden Elternteils zu kümmern sowie Kopien von Ausweisen und der Geburtsurkunde mitzuführen (siehe «Gute Reise: Mit einer Vollmacht kehren Sie vor»). Hilfreich ist zudem, im neuen Pass der Kinder den Namen der sorgeberechtigten Eltern eintragen zu lassen. Das gilt besonders für Eltern, die nicht denselben Nachnamen wie ihre Kinder haben.

Wenn ein Schulgspäändli mitreist

Das gilt auch für Familien, die ein «fremdes» Kind, vielleicht ein Schul­gspäändli, in die Ferien mitnehmen wollen. Oder für die Gotte, die mit dem Patenkind nach London reist. Sie ­alle sollten sich von den Eltern eine Reisevollmacht geben lassen.

Je nach Ziel gelten andere Vorschriften. «Viele Länder, vor allem in Mittel- und Südamerika, verlangen zwingend eine schriftliche Einwilligung der nicht mitreisenden Eltern», sagt Stefan von Below, Mediensprecher am Eidgenös­sischen Departement für auswärtige Angelegenheiten. Im Internet finden sich entsprechende Hinweise (siehe «Weitere Tipps»).

Strengere Vorschriften gelten insbesondere für die USA, Kanada, Brasilien und Südafrika. Bei Reisen in diese Staaten besteht die Fluggesellschaft auf einer Bestätigung des nicht mitreisenden Elternteils sowie auf den weiteren nötigen Einreisedokumenten.

Für Michaela Brunner und ihre Kinder verlief nach dem Beinahe-Fehlstart in die Ferien alles reibungslos, auch ohne schriftliche Vollmacht. Bei der Einreise in Spanien und beim Rückflug genügte es, die Identitäts­karten vorzuweisen.

*Name geändert

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Gute Reise: Mit einer Vollmacht kehren Sie vor

Wer benötigt eine Reisevollmacht?

  • Wenn ein Elternteil mit seinen minderjährigen Kindern reist, sollte er eine schriftliche Zustimmungserklärung des anderen sorgeberechtigten Elternteils dabeihaben.
  • Wer mit einem minderjährigen Kind unterwegs ist, das nicht sein eigenes ist, sollte sich von den sorgeberechtigten Eltern eine Vollmacht ausstellen lassen. Sie ermächtigt, mit dem Kind reisen zu dürfen.
     

Was gehört in die Vollmacht?

  • Name, Adresse und Pass-/ID-Nummer sowie verlässliche Telefonnummern der sorgeberechtigten Eltern des Kindes.
  • Name, Adresse und Pass-/ID-Nummer der Erwachsenen, mit denen das Kind reist.
  • Pass- oder ID-Nummer des Kindes.
  • Länge der Reise und Reisedaten (Ziel, Flugroute, Flugnummer).
  • Übertragung der Personenfürsorge für das Kind für die Dauer der Reise auf die bevollmächtigte Person.
  • Ermächtigung, dass die Begleitpersonen des Kindes in (medizinischen) Notfällen während der Reise dem mitreisenden Kind Beistand leisten dürfen, etwa indem sie mit ihm den Arzt aufsuchen oder es im Spital besuchen.
     

Muss die Vollmacht beglaubigt sein?

  • Natürlich muss die Vollmacht grundsätzlich von den Eltern des Kindes unterschrieben sein (mit Datum). Aber auch von allen mit dem Kind reisenden Erwachsenen.
  • Noch mehr rechtliche Sicherheit ist gegeben, wenn die Unterschriften der sorgeberechtigten Eltern notariell beglaubigt wurden. Achtung: Je nach Zielland ist das sogar vorgeschrieben – beachten Sie die jeweiligen Einreisebestimmungen.
  • Je nach den Einreisebestimmungen des Ziellandes braucht es eine Kopie von Pass oder ID der sorgeberechtigten Eltern oder auch eine Kopie der Geburtsurkunde des Kindes. Unter Umständen sogar eine beglaubigte oder übersetzte und beglaubigte Kopie (etwa für Südafrika).

Was tun, wenn sich der oder die Ex weigert?

Angenommen, Sie wollen mit den Kindern nach Südafrika fliegen, aber Ihr Exmann ist nicht bereit, die Zustimmung zur Reise zu unterschreiben. Wenn Sie die Obhut über die Kinder haben, benötigen Sie aus familienrecht­licher Sicht in aller Regel für die Reise keine Zustimmung des anderen ebenfalls sorgeberechtigten Elternteils.

Südafrika schreibt aber vor, dass beide Elternteile schriftlich zustimmen müssen. Wenn sich der eine Teil weigert, die Reisevollmacht zu unterschreiben, bleibt der Gang zur Kindesschutzbehörde. Die Behörde kann mit einer Kindesschutzverfügung einspringen, wenn sie das Wohl des Kindes als gefährdet erachtet, wenn es nicht mitreisen dürfte.

Ob das Wohl des Kindes gefährdet ist, beurteilt die Kindesschutzbehörde in jedem Einzelfall gesondert.

Weitere Tipps

  • Auf der Website des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten finden Sie länderspezifische Einreisevorschriften.
  • Erkundigen Sie sich vor der Reise unbedingt auf der Website der Fluggesellschaft nach deren Beförderungsbedingungen im Zusammenhang mit Reisen mit minderjährigen Kindern.
  • Unter der Rubrik «Amtliche Ergänzungen» im Pass eines Kindes können die Namen der sorgeberechtigten Eltern eingetragen werden.