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Groupe MutuelEin Wechsel mit teuren Folgen

Eine vierköpfige Familie wechselt zur Krankenkasse Philos der Groupe Mutuel – und erlebt dabei ihr blaues Wunder.

Monatelanger Kampf: Ehepaar Etter mit Michelle und Jannine (rechts)
von

Adriana Etter, 36, und ihr Mann Pascal, 37, würden viel darum geben, wenn sie ihren Wechsel zur Krankenversicherung Philos der Groupe Mutuel (GM) ungeschehen machen könnten. Die Korrespondenz mit der Kasse füllt inzwischen einen Bundesordner, hinzu kommen finan­zielle Sorgen. «Was machen die bloss mit uns?», fragt sich Adriana Etter immer wieder.

Um Kosten zu sparen, wollte die Familie die Krankenkasse wechseln. Aber nur dann, wenn sie auch alle Zusatzversicherungen bei derselben Kasse abschliessen könnte. Das sicherte der Vermittler der GM bei seinem Hausbesuch zu. ­Darauf unterschrieben die ­Eltern im September 2010 das Kündigungsschreiben für die alte Krankenkasse.

Bald aber kamen den Etters Zweifel an der Seriosität des Vermittlers. Sie liessen sich ihre Kündigungsschreiben vorlegen und entdeckten nachträgliche handschriftliche Änderungen – was ihre Zweifel verstärkte.

Zusätze doppelt verrechnet

Adriana Etter suchte Rat beim Beobachter. Dieser empfahl ihr im November 2010, den Wechsel mit eingeschriebenem Brief an beide Kassen rückgängig zu machen. Die GM wollte die Verträge aber nicht auflösen.

Etters beauftragten eine ­Anwältin. Sie schrieb der Kasse bereits im Januar 2011, dass ein fehlerhaftes Vorgehen des Vermittlers vorliege, für das die GM haftbar sei. Seither sind unzählige Briefe hin- und her­gegangen, weil Etters nicht nachvollziehbare Rechnungen erhielten und Zusatzversicherungen bei beiden Kassen, der alten und der neuen, doppelt verrechnet wurden. Zudem steht Tochter Jannine seit dem Wechsel ohne Zahnversicherung da, so dass die Familie 1200 Franken Behandlungskosten selbst übernehmen musste. Im August 2011 drohte die GM gar, die Versicherungsdeckung der Familie – trotz bezahlten Prä­mien – «ad acta zu legen».

Die GM teilt dem Beobachter mit, gemäss ihren Unter­lagen scheine man die offenen Punkte bis auf die Frage der Zahnpflegeversicherung bereinigen zu können. Wegen der krankheitsbedingten Abwesenheit einer Mitarbeiterin sei es zu Verzögerungen gekommen.

In der Tat: Bis heute warten Etters darauf, dass Doppelversicherungen rückwirkend aufgehoben werden, wie es die Kasse im Oktober in Aussicht stellte. Auf Anfang 2012 ist die Familie zur alten Versicherung zurückgekehrt – doch die will Jannine nun auch nicht mehr in ihrer Zahnversicherung.

Veröffentlicht am 10. April 2012