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Prix CourageDie Jury

Pascale Bruderer, Präsidentin der Prix Courage Jury Bild: Beobachter

Die Jury des Prix Courage besteht aus Vertretern aus Gesellschaft, Politik und sozialen Einrichtungen. Die Voten der Jury und des Publikums zählen je hälftig bei der Bestimmung des Gewinners oder der Gewinnerin. Hier stellen sich die Jury Mitglieder in einem kurzen Fragebogen vor.

von Beobachteraktualisiert am 2017 M08 30

Pascale Bruderer, 
SP-Ständerätin und 
Jury­präsidentin

Meine mutigste Tat: Als achtjährige Schülerin 
wehrte ich mich als Einzige, als über Gehörlose wegen ihrer Sprache gelacht wurde – danach rannte ich, den Tränen nah, davon.

Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: Mutiger wäre es gewesen, nicht wegzu­rennen. Aber immerhin wurde von da an nie mehr in der Klasse über Behinderungen gelacht.

Der mutigste Mensch der Geschichte: Persönlichkeiten wie Ma­hatma Gandhi, die gewaltlosen Widerstand übten.

Ich bin in der Jury, weil Zivilcourage es verdient, an die Öffentlichkeit getragen 
zu werden – das macht den Prix Courage zu einer der wichtigsten Auszeichnungen.

Gülsha Adilji, Moderatorin


Meine mutigste Tat: Ich sage meine ehrliche Meinung, stehe 
für meine Rechte und die der anderen ein und empöre mich über Dinge, die mir widerstreben.

Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: 
Ich hätte den Schneeball im Winter 1994 erwidern sollen, auch wenn die Mädchen zu zweit und viel älter und stärker waren.

Der mutigste Mensch in der Geschichte: nicht nur einer, sondern 
sehr viele Menschen, die felsenfest und konsequent für ihre Ideen einstehen und manchmal den Platz auf dem Scheiter­haufen 
einnehmen mussten. Das waren unglaublich viele, ich kann keine Rangliste erstellen oder den Mutigsten benennen.

Ich bin in der Jury, weil man nicht nur Awards für das schönste Kleid, das tollste Lied oder den besten Film verleihen sollte, sondern auch für mutige Menschen.

Thomas Ihde-Scholl

Thomas Ihde-Scholl, Chefarzt psychiatrische Dienste Berner Oberland

Meine mutigste Tat: Als junger Assistenzarzt auf der Kinderonkologie sterbende Kinder und trauernde Eltern zu begleiten, war etwas vom Schwierigsten, das ich je gemacht habe. Innerlich wäre ich da gerne oft einfach weggerannt…
 
Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: Als Kind, wenn andere Kinder ausgegrenzt und geplagt wurden
 
Der mutigste Mensch der Geschichte: Mahatma Ghandi
 
Ich bin in der Jury, um etwas sehr wichtiges zu unterstützen. Zivilcourage ist in der heutigen doch recht selbstbezogenen Zeit wichtiger denn je.

Infobox Marcus Levy

Marcus Levy, Pilot

Meine mutigste Tat: 
die Helikopterrettung in Schlans. Drei Menschen­leben wurden trotz sehr schwierigen Verhältnissen gerettet.

Hier wäre ich 
gerne mutiger gewesen: An dem Tag, als mein Vater verstarb, wusste ich nicht, was ich tun soll. Also sagte ich ihm: «Gehe ruhig deinen Weg. Es ist okay.»

Der mutigste Mensch der Geschichte: Nelson Mandela. ­
Er hat so vieles erlebt und wurde nicht böse dabei. Am WEF in Davos hatte ich die ­Gelegenheit, ihm die Hand zu schütteln. Es jagte mir Schauer durch den ganzen Körper.

Ich bin in der Jury, weil ich mutige Menschen bewundere, die nur auf das Herz hören und nicht auf die Brieftasche.

Samuel Müller, Jungunternehmer

Meine mutigste Tat: nach Abschluss des Maschinen­ingenieurstudiums das Metier zu wechseln und eine Firma im Umweltbereich zu gründen. 

Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: Nach einem Picknick liessen Leute ihren ganzen Abfall liegen. Ich sass in der Nähe und ärgerte mich, sagte aber nichts. 

Der mutigste Mensch der Geschichte: Nelson Mandela setzte sich sein Leben lang ­erfolgreich für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung ein. Seine Taten haben ihn berühmt und zum weltweiten Vorbild gemacht. 

Ich bin in der ­Jury, um mutige Menschen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Michael Räber, Gewinner des Prix Courage 2016

Eigentlich wollte Michael Räber nur Ferien machen. Doch als der selbstständige IT-Spezialist im August 2015 in Athen auf Flüchtlinge traf, die auf der Strasse übernachteten, ohne Essen oder Trinken, stockte ihm der Atem. Später erfuhr er, dass die Lage in Lesbos noch dramatischer war. Nach zwei Tagen Bedenkzeit entschied er sich, seine Frau und seinen Beruf in der Schweiz zurückzulassen, um bis auf Weiteres auf der Insel zu helfen.

Bis heute hat der einstige Hauptmann mit seinem Minihilfswerk schwizerchrüz.ch über 100 Freiwillige nach Griechenland geholt, die ihn bei der Arbeit unterstützt haben. Zurzeit versucht er, in einem Flüchtlingscamp bei Thessaloniki die widrigen Bedingungen zu verbessern.

Monika Schmid

Monika Schmid, Theologin und Gemeindeleiterin

Meine mutigste Tat: immer noch katholisch zu sein und der Kraft des Evangeliums noch immer mehr zuzutrauen als der Kirche.

Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: 
täglich. Wenn es gilt, Unangenehmes zu 
erledigen, mitzuteilen.

Der mutigste Mensch der Geschichte: Frauen, die neue Wege suchten und etwas bewegten, zum Beispiel die Sozialarbeiterin Madeleine Delbrêl.


Ich bin in der Jury, weil mutige Menschen auf allen Ebenen Respekt verdienen und gesehen werden sollen.