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Prix CourageDie Jury

Die Jury des Prix Courage besteht aus Vertretern aus Gesellschaft, Politik und sozialen Einrichtungen. Die Voten der Jury und des Publikums zählen je hälftig bei der Bestimmung des Gewinners oder der Gewinnerin. Hier stellen sich die Jury Mitglieder in einem kurzen Fragebogen vor.

Susanne Hochuli, Jurypräsidentin Prix Courage.
von aktualisiert am 30. August 2017

Susanne Hochuli, ehemalige Regierungsrätin und neue Präsidentin der Prix-Courage-Jury

Susanne Hochuli

Wann waren Sie das letzte Mal mutig? Seit ich das Amt als Regierungsrätin aufgegeben habe, brauche ich jeden Tag Mut, mein Leben neu zu erfinden.

Braucht es Mut, die Jury des Prix Courage zu präsidieren? Nein, ich bin es gewohnt, Sitzungen zu leiten und in der Öffentlichkeit aufzutreten. Es ist aber eine sehr spannende Aufgabe und eine Chance, unterschiedlichste Menschen kennenzulernen.

Welches Signal wollen Sie als neue Jurypräsidentin aussenden? Zivilcourage ist ganz wichtig für das Zusammenleben in der Gesellschaft – das geht leider oft etwas unter. Man sollte jeden Tag Menschen auszeichnen, die etwas Aussergewöhnliches gemacht haben.

Das gesamte Interview finden Sie hier.

 

Gülsha Adilji, Moderatorin


Meine mutigste Tat: Ich sage meine ehrliche Meinung, stehe 
für meine Rechte und die der anderen ein und empöre mich über Dinge, die mir widerstreben.

Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: 
Ich hätte den Schneeball im Winter 1994 erwidern sollen, auch wenn die Mädchen zu zweit und viel älter und stärker waren.

Der mutigste Mensch in der Geschichte: nicht nur einer, sondern 
sehr viele Menschen, die felsenfest und konsequent für ihre Ideen einstehen und manchmal den Platz auf dem Scheiter­haufen 
einnehmen mussten. Das waren unglaublich viele, ich kann keine Rangliste erstellen oder den Mutigsten benennen.

Ich bin in der Jury, weil man nicht nur Awards für das schönste Kleid, das tollste Lied oder den besten Film verleihen sollte, sondern auch für mutige Menschen.

Thomas Ihde-Scholl, Chefarzt psychiatrische Dienste Berner Oberland

Meine mutigste Tat: Als junger Assistenzarzt auf der Kinderonkologie sterbende Kinder und trauernde Eltern zu begleiten, war etwas vom Schwierigsten, das ich je gemacht habe. Innerlich wäre ich da gerne oft einfach weggerannt…
 
Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: Als Kind, wenn andere Kinder ausgegrenzt und geplagt wurden
 
Der mutigste Mensch der Geschichte: Mahatma Ghandi
 
Ich bin in der Jury, um etwas sehr wichtiges zu unterstützen. Zivilcourage ist in der heutigen doch recht selbstbezogenen Zeit wichtiger denn je.

Marcus Levy, Pilot

Meine mutigste Tat: 
die Helikopterrettung in Schlans. Drei Menschen­leben wurden trotz sehr schwierigen Verhältnissen gerettet.

Hier wäre ich 
gerne mutiger gewesen: An dem Tag, als mein Vater verstarb, wusste ich nicht, was ich tun soll. Also sagte ich ihm: «Gehe ruhig deinen Weg. Es ist okay.»

Der mutigste Mensch der Geschichte: Nelson Mandela. ­
Er hat so vieles erlebt und wurde nicht böse dabei. Am WEF in Davos hatte ich die ­Gelegenheit, ihm die Hand zu schütteln. Es jagte mir Schauer durch den ganzen Körper.

Ich bin in der Jury, weil ich mutige Menschen bewundere, die nur auf das Herz hören und nicht auf die Brieftasche.

Samuel Müller, Jungunternehmer

Meine mutigste Tat: nach Abschluss des Maschinen­ingenieurstudiums das Metier zu wechseln und eine Firma im Umweltbereich zu gründen. 

Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: Nach einem Picknick liessen Leute ihren ganzen Abfall liegen. Ich sass in der Nähe und ärgerte mich, sagte aber nichts. 

Der mutigste Mensch der Geschichte: Nelson Mandela setzte sich sein Leben lang ­erfolgreich für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung ein. Seine Taten haben ihn berühmt und zum weltweiten Vorbild gemacht. 

Ich bin in der ­Jury, um mutige Menschen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Michael Räber, Gewinner des Prix Courage 2016

Eigentlich wollte Michael Räber nur Ferien machen. Doch als der selbstständige IT-Spezialist im August 2015 in Athen auf Flüchtlinge traf, die auf der Strasse übernachteten, ohne Essen oder Trinken, stockte ihm der Atem. Später erfuhr er, dass die Lage in Lesbos noch dramatischer war. Nach zwei Tagen Bedenkzeit entschied er sich, seine Frau und seinen Beruf in der Schweiz zurückzulassen, um bis auf Weiteres auf der Insel zu helfen.

Bis heute hat der einstige Hauptmann mit seinem Minihilfswerk schwizerchrüz.ch über 100 Freiwillige nach Griechenland geholt, die ihn bei der Arbeit unterstützt haben. 

Remo Schmid, Gewinner des Prix Courage 2017

Remo Schmid, Gewinner des Prix Courage 2017

Es ist drei Uhr früh in der Nacht zum 9. Juli 2017. Remo Schmid hat die Fenster seiner Wohnung in Dübendorf ZH geöffnet. Da hört er die verzweifelten Schreie einer Frau: «Halt! Stopp! Nein!» Der 31-Jährige rennt die Treppe hinunter, über die Strasse zur Bushaltestelle, sieht dort einen grossen Mann in dunklen Kleidern. Der zieht sich gerade die Hose hoch. Vor ihm sitzt eine Frau, Blut rinnt ihr aus der Nase. Der etwa 30-jährige Mann hat der Frau ins Gesicht geschlagen. Und sie dann genötigt.

Schmid zerrt den kräftigen Schläger weg. Dieser wehrt sich heftig. Schliesslich gelingt es ihm, den Mann zu Boden zu drücken. Erst jetzt kommt Schmid ein Anwohner zu Hilfe. Zu zweit warten sie, bis die Polizei den Mann verhaftet. Mit grösster Wahrscheinlichkeit hat Schmids Einsatz Schlimmeres verhindert, sagt die Kantonspolizei Zürich – vermutlich eine Vergewaltigung.

Für seine mutige Aktion wurde Remo Schmid 2017 mit dem Prix Courage ausgezeichnet.

Porträts der Jury-Mitglieder: Christian Schnur