Susanne Hochuli, ehemalige Regierungsrätin und neue Präsidentin der Prix-Courage-Jury

Susanne Hochuli
Quelle: ZVG

Wann waren Sie das letzte Mal mutig? Seit ich das Amt als Regierungsrätin aufgegeben habe, brauche ich jeden Tag Mut, mein Leben neu zu erfinden.

Braucht es Mut, die Jury des Prix Courage zu präsidieren? Nein, ich bin es gewohnt, Sitzungen zu leiten und in der Öffentlichkeit aufzutreten. Es ist aber eine sehr spannende Aufgabe und eine Chance, unterschiedlichste Menschen kennenzulernen.

Welches Signal wollen Sie als neue Jurypräsidentin aussenden? Zivilcourage ist ganz wichtig für das Zusammenleben in der Gesellschaft – das geht leider oft etwas unter. Man sollte jeden Tag Menschen auszeichnen, die etwas Aussergewöhnliches gemacht haben.

Das gesamte Interview finden Sie hier.

 

Thomas Ihde-Scholl, Chefarzt psychiatrische Dienste Berner Oberland

Thomas Ihde
Quelle: Christian Schnur

Meine mutigste Tat: Als junger Assistenzarzt auf der Kinderonkologie sterbende Kinder und trauernde Eltern zu begleiten, war etwas vom Schwierigsten, das ich je gemacht habe. Innerlich wäre ich da gerne oft einfach weggerannt…
 
Hier wäre ich gerne mutiger gewesen: Als Kind, wenn andere Kinder ausgegrenzt und geplagt wurden
 
Der mutigste Mensch der Geschichte: Mahatma Ghandi
 
Ich bin in der Jury, um etwas sehr wichtiges zu unterstützen. Zivilcourage ist in der heutigen doch recht selbstbezogenen Zeit wichtiger denn je.

Iluska Grass, Gewinnerin des Prix Courage 2019

Iluska Grass
Quelle: Christian Schnur

An einem Samstagabend steigt Iluska Grass am Zürcher Manesseplatz aus dem Bus. Sie hört Schreie, rennt los und stellt sich zwischen angetrunkene Rechtsradikale und einen am Boden liegenden orthodoxen Juden. Die Skins hatten den Mann verfolgt, bespuckt und mit Naziparolen verhöhnt. «Ich habe nicht gross überlegt, sondern einfach gehandelt», sagt Iluska Grass. So hat sie Schlimmeres verhindert. Der Haupttäter war ein mehrfach vorbestrafter Neonazi.

Aufgrund von Grass’ Aussagen wurde er wegen Rassendiskriminierung und Tätlichkeiten zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Er ficht das Urteil jedoch an. Ende Februar 2019, fast vier Jahre nach der Tat, spricht ihn auch das Zürcher Obergericht schuldig. Seine Haftstrafe wird auf zwölf Monate reduziert, er muss dem Opfer 3’000 Franken Genugtuung zahlen. 

Für ihren Mut und ihre Menschlichkeit wurde Iluska Grass 2019 mit dem Prix Courage ausgezeichnet.

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Natalie Urwyler, Gewinnerin des Prix Courage 2018

Natalie Urwyler
Quelle: Christian Schnur

Natalie Urwyler ist Ärztin und Mutter. Eine Frau. Kein Arzt, kein Mann, kein Papi. Genau das – ihr Geschlecht – wird ihr zum Verhängnis. «Ich verlor alles: Job, Karriere, Renommee», sagt die 46-Jährige. Urwyler arbeitete 11 Jahre lang an der Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie am Inselspital Bern. Sie forschte im Ausland und holte Forschungsgelder für die Uniklinik. Sie war eine Nachwuchshoffnung, eine angehende Professorin.

Nach der Geburt ihrer Tochter kam es zum Bruch. Im Juni 2014 wurde ihr gekündigt «aufgrund eines komplett zerrüttenden Vertrauensverhältnisses». Die Ärztin hatte wiederholt den ungenügenden Schutz von Schwangeren am Inselspital kritisiert, lange, bevor sie selber Mutter wurde. Sie wehrte sich gegen die Benachteiligung von Frauen, forderte einen besseren Mutterschutz. Nach der Kündigung machte Urwyler vor Gericht eine systematische Diskriminierung geltend und zwei Instanzen gaben ihr vollumfänglich recht.

Für ihren Mut und ihre Hartnäckigkeit wurde Natalie Urwyler 2018 mit dem Prix Courage ausgezeichnet. 

 

Remo Schmid, Gewinner des Prix Courage 2017

Remo Schmid, Gewinner des Prix Courage 2017
Quelle: Christian Schnur

Es ist drei Uhr früh in der Nacht zum 9. Juli 2017. Remo Schmid hat die Fenster seiner Wohnung in Dübendorf ZH geöffnet. Da hört er die verzweifelten Schreie einer Frau: «Halt! Stopp! Nein!» Schmid rennt die Treppe hinunter, über die Strasse zur Bushaltestelle, sieht dort einen grossen Mann in dunklen Kleidern. Der zieht sich gerade die Hose hoch. Vor ihm sitzt eine Frau, Blut rinnt ihr aus der Nase. Der etwa 30-jährige Mann hat der Frau ins Gesicht geschlagen. Und sie dann genötigt.

Schmid zerrt den kräftigen Schläger weg. Dieser wehrt sich heftig. Schliesslich gelingt es ihm, den Mann zu Boden zu drücken. Erst jetzt kommt Schmid ein Anwohner zu Hilfe. Zu zweit warten sie, bis die Polizei den Mann verhaftet. Mit grösster Wahrscheinlichkeit hat Schmids Einsatz Schlimmeres verhindert, sagt die Kantonspolizei Zürich – vermutlich eine Vergewaltigung.

Für seine mutige Aktion wurde Remo Schmid 2017 mit dem Prix Courage ausgezeichnet.

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Michael Räber, Gewinner des Prix Courage 2016

Michael Räber
Quelle: Christian Schnur

Eigentlich wollte Michael Räber nur Ferien machen. Doch als der selbstständige IT-Spezialist im August 2015 in Athen auf Flüchtlinge traf, die auf der Strasse übernachteten, ohne Essen oder Trinken, stockte ihm der Atem. Später erfuhr er, dass die Lage in Lesbos noch dramatischer war. Nach zwei Tagen Bedenkzeit entschied er sich, seine Frau und seinen Beruf in der Schweiz zurückzulassen, um bis auf Weiteres auf der Insel zu helfen.

Bis heute hat der einstige Hauptmann mit seinem Minihilfswerk schwizerchrüz.ch über 100 Freiwillige nach Griechenland geholt, die ihn bei der Arbeit unterstützt haben. 

Porträts der Jury-Mitglieder: Christian Schnur