Zu ihrem 30. Geburtstag wollte sich Raffaela Nobs etwas gönnen. Ein alter VW Käfer sollte es werden, ihr Traumauto. «Schon als Kind wusste ich, dass ich eines Tages so einen kaufen werde. Es sind einfach sehr spezielle Fahrzeuge.»

Ihren Wunschkäfer entdeckte sie bei D-Carsolution in Aarberg BE. Grün, Jahrgang 1970 und sogar neu mit erstmaligem Veteranenstatus. Dieser wird von den kantonalen Motorfahrzeugkontrollen (MFK) verliehen und bescheinigt gemäss Weisung des Bundesamts für Strassen einen «optisch und technisch einwandfreien Zustand». Darauf habe sie vertraut, sagt Nobs, und 14'900 Franken gezahlt.

Bereits nach wenigen Tagen bemerkte sie Benzingeruch im Fahrzeuginnern. Der Garagist Jürg Eckert an ihrem Wohnort Schinznach AG fand eine defekte Benzinleitung. Und noch viel mehr: «Das Fahrzeug war in einem katastrophalen Zustand. Im Kanton Aargau hätte es nicht einmal die normale MFK-Prüfung bestanden, geschweige denn den Veteranenstatus erhalten.» Der TCS bestätigte den Befund: Das Prüfprotokoll listet nicht weniger als 20 Mängel auf. Fazit der Prüfung: «Weiterfahrt nur auf eigenes Risiko».

Wie kann es sein, dass die MFK in Neuenburg zu einer gänzlich anderen Einschätzung kommt? «Diese Frage ist schwer zu beantworten, ohne das Fahrzeug erneut gesehen zu haben», sagt der Direktor der Neuenburger MFK, Philippe Burri. Die MFK prüfe lediglich, ob das Fahrzeug sicher bewegt werden könne, und nicht, ob es in allen Belangen in einem guten Zustand sei. Der Prüfer, der den Käfer begutachtet habe, sei sehr erfahren. Bei einem solch alten Fahrzeug könne sich der Zustand sehr schnell verschlechtern, gibt Burri zu bedenken.

«Bei einem so alten Fahrzeug können jederzeit Mängel auftreten»

Dass das beim Käfer passiert ist, kann sich Garagist Eckert nicht vorstellen. «Das ist bei einem solchen Zustand schlicht nicht möglich.» Die D-Carsolution schliesst jegliches Fehlverhalten aus: «Der Käfer war beim Verkauf in Ordnung. Bei einem so alten Fahrzeug können jederzeit Mängel auftreten. Falls man dieses Risiko nicht tragen möchte, sollte man einen Neuwagen mit Werksgarantie in Betracht ziehen», so Geschäftsführer David van der Heemst.

Nobs muss es dabei belassen. Im Kaufvertrag hat sie auf einen Garantieanspruch verzichtet. Den Käfer hat sie notdürftig instand setzen lassen. «Aber so richtig Freude will sich beim Fahren nach dieser Vorgeschichte nicht mehr einstellen.»

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