Carina war noch nicht lange weg, da bekam ich ein ungutes Gefühl», sagt Franziska Riedtmann. Mutterinstinkt. Der 13. August 2003 war ein heisser Tag, wie es in jenem Sommer so viele gab. Kurz nach 19 Uhr war die 15-Jährige losgeradelt, um bei einem nahen Bauernhof Rübenkraut zu holen. Futter für ihre Schmetterlingsraupen. Der Hof liegt an der Landstrasse von Möhlin nach Mumpf AG.

«Carina liebte Tiere», sagt Christoph Riedtmann. «Ich dachte immer noch, sie spiele dort mit den Katzen.» Gegen Viertel vor acht setzt sich Franziska Riedtmann ins Auto. Ausserhalb des Dorfs kommt sie zu einer Strassensperre. Überall flackert Blaulicht. Sie sagt einem Polizisten, sie suche ihre Tochter. Dieser winkt sie sofort durch. Zuerst werden ihr die Überreste des Velos gezeigt. «Ich sagte mir, es gibt viele rote Fahrräder. Man will es einfach nicht wahrhaben.» Dann bringt eine Polizistin Carinas Schuh.

«Mein Handy klingelte», erzählt Christoph Riedtmann. Es ist die Nummer seiner Frau, aber es meldet sich ein Polizist. «Ich fragte, was los sei. Er sagte: Alles in Ordnung, ich solle einfach zur Kreuzung kommen.» Minuten später müssen er und seine Frau Carina identifizieren.

Durch die Wucht des Aufpralls riss es dem Mädchen den rechten Unterschenkel ab. Carina wurde gegen einen Metallpfosten geschleudert und blieb im Feld neben der Strasse liegen. Der Porsche, der sie von der Strasse gefegt hatte, war erst 80 Meter weiter vorn zum Stehen gekommen. Die Strasse, die Carina überqueren wollte, ist an der Unfallstelle 15 Meter breit. «Sie war schon fast drüben. Er hat sie einen Meter vom Strassenrand entfernt erwischt», sagt Carinas Vater und schüttelt den Kopf. Der Lenker, ein Schweizer Mitte 30, gab an, Carina gesehen zu haben. Sie habe ihn angeschaut und sei dann trotzdem losgefahren. Offensichtlich unterschätzte das Mädchen das Tempo, mit dem der Porsche auf sie zudonnerte.

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Das Unfallgutachten geht davon aus, dass der Wagen mit rund 170 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Die Kollisionsgeschwindigkeit wurde auf 135 Kilometer pro Stunde geschätzt. Erlaubt waren an dieser Stelle 80.

Einer der Ersten an der Unfallstelle ist zufälligerweise ein ausgebildeter Nothelfer. Er versucht, Carina zu reanimieren. Der Verursacher selbst telefonierte nach dem Unfall als Erstes mit seinem Garagisten. «So einer gehört einfach in den Knast», sagt Christoph Riedtmann.

Der Raser erhielt zehn Tage nach dem Unfall sein Auto zurück – verurteilt wurde er aber erst 2006, zu zwei Jahren Gefängnis und 2000 Franken Busse. Das Berufungsverfahren wurde nach neuem Recht geführt, weshalb das Aargauer Obergericht 2008 das Urteil in eine bedingte Strafe umwandelte. Kurze Haftstrafen werden zur Bewährung ausgesetzt, damit der Täter sein soziales Netz nicht verliert.

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Zudem war zu diesem Zeitpunkt eine einschlägige Vorstrafe des Täters um zwei Monate verjährt. Obwohl er nie wirklich Reue zeigte, stellt ihm das Gericht eine günstige Prognose – nicht zuletzt, da er fünf Jahre lang unfallfrei gefahren ist, nachdem er Carina getötet hat. «Blanker Hohn», sagt ihre Mutter.Balz Ruchti