Wenn er die Operation nicht überlebt hätte – sie hätten es akzeptiert. Wenn er im Schlaf gestorben wäre – es wäre so gewesen. Doch dass Metin Yildiz (Name geändert) im Spital bei einem Sturz vom WC-Stuhl starb, damit können sie sich nicht abfinden. Die Pflegerin hatte ihn kurz allein gelassen. Er hatte vier Hirn-OPs hinter sich. Metin Yildiz war 34.

Das war vor zweieinhalb Jahren. Jetzt sitzen seine Geschwister bei ihrem Anwalt. Sie kämpfen für Gerechtigkeit, sagen sie. Ceylan Yildiz (Name geändert) schiessen immer wieder Tränen in die Augen. Güler Yildiz (Name geändert) spricht wenig. Erkan Yildiz (Name geändert) ist wütend: «So etwas darf auf einer Intensivstation nicht passieren!» Sie wollen, dass alle davon erfahren. Dass ihr Bruder nach einem Unfall starb, der hätte vermieden werden können. Und dass niemand dafür geradestehen soll. «Wir wollen, dass nie wieder jemand so etwas erleben muss.»

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«Ein Sonnenschein»

Dass Metin jung sterben würde, war der Familie klar. Mit 17 erkrankte er am Von-Hippel-Lindau-Syndrom. Die unheilbare Krankheit lässt immer wieder Tumoren wachsen. Oft sind sie gutartig, müssen aber entfernt werden. Alle paar Monate musste Metin deshalb zum MRI. Gegen 30 Operationen hatte er hinter sich. Er sei «ein Sonnenschein» gewesen, sagt seine Schwester Ceylan. «Er hat nie geklagt, er hat das Leben genossen.» Klar habe man immer damit gerechnet, dass er den nächsten Eingriff nicht überlebe. «Aber so ein Tod ist unnötig.»