Die Verhandlungen zogen sich mehr als 16 Monate hin. Doch als letzten Dezember die Resultate veröffentlicht wurden, war Feuer im Dach. Die bundesrätliche Expertenrunde empfahl den Bau von 15 neuen Staudämmen – in teils unberührten Berglandschaften, so etwa im Wallis am Gornergletscher oder im Berner Oberland am Triftgletscher und am Grimselsee. Recherchen des Beobachters zeigten , dass dieses Resultat nur mit ein paar Tricks während der Verhandlungen erzielt werden konnte.

Allerdings blieben viele Fragen unbeantwortet. Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz konnte der Beobachter nun weitere Dokumente einsehen. Mit ihnen lässt sich nachzeichnen, wie die umstrittene Empfehlung zustande kam. Fachleute, die der Beobachter konsultierte, zeigten sich nach dem Studium der Unterlagen irritiert. Ihre Kritik fällt ungewöhnlich hart aus.

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  • ETH-Professor Bernhard Wehrli, Forschungsleiter für Aquatische Chemie am eidgenössischen Wasserforschungsinstitut Eawag, sagt: «Die Verantwortlichen haben fundamentale Fehler gemacht und das Verfahren vermasselt.»
     
  • Der emeritierte Hydrologieprofessor Rolf Weingartner erklärt: «Bei der Bewertung dominiert die Wasserkraft. Dabei sollte man für nachhaltige Lösungen verschiedene Nutzungsbedürfnisse wie die Energiegewinnung und den Landschaftsschutz auf Augenhöhe bewerten.»
     
  • Nick Röllin, Präsident des Grimselvereins, spricht gar von einem «Taschenspielertrick» und sagt: «Die Berechnungsmethoden sind haarsträubend und manipulativ.»

Plötzlich will niemand mehr das Vorgehen am «Runden Tisch Wasserkraft» verteidigen, den das Departement von Umwelt- und Energieministerin Simonetta Sommaruga einberufen hatte. Der frühere Diplomat Michael Ambühl, der die Verhandlungen leitete, will sich nicht äussern. Er verwies nach langem Schweigen an die Bundesbehörden. Auch dort will sich niemand zitieren lassen.