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Hausrenovation, Teil 1Hurra, wir bauen um!

Hurra, wir bauen um!
Bild: Christian Schnur

Wer sein Haus renovieren will, sollte sich für die Planung genügend Zeit nehmen. In einer Serie stellen wir den Umbau eines Einfamilienhauses ins Zentrum – anhand eines realen Beispiels. Diesmal: So gleisen Sie Ihr Projekt richtig auf.

von Daniel Leiser

In einer Serie lässt Daniel Leiser, beim Beobachter Redaktor und Berater in den Fachbereichen Wohnen und Staat, Sie daran teilhaben, was in seinen vier Wänden abläuft. 

Bildergalerie Hausumbau

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Machen es vor: Beobachter-Redaktor Daniel Leiser mit Ehefrau Rita und den beiden Buben Meo und Ivan.
Christian Schnur

Planen Sie, Ihre Wohnung oder Ihr Haus umzubauen? Dann sollten Sie sich bewusst sein, dass Ihnen mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:8 graue Haare wachsen werden. Das ist kein lau­niger Scherz, sondern das Ergebnis einer neuen Studie des Hauseigentümerverbands Schweiz (HEV). 3300 HEV-Mitglieder nahmen an einer Online-Befragung teil und berichteten dabei insbesondere über ihre Erfahrungen als Bauherren. Ergebnis: Bei einem Drittel der Befragten hat die Zusammenarbeit mit externen Partnern (Architekt, Handwerker et cetera) die Freude am Umbauvorhaben getrübt.

Das Hauptärgernis bilden laut Studie die schwierige Erreichbarkeit der Externen (15,7 Prozent), die schleppende oder gar ausbleibende Beseitigung von Mängeln (12,5 Prozent), nicht eingehaltene münd­liche Zusagen (12,1 Prozent) oder die schlechte Qualität der Leistungen (11,2 Prozent). Und wie eingangs erwähnt: Für fast jeden achten Befragten war sowohl die Zusammenarbeit mit den Partnern wie auch das Projektergebnis höchstens genügend, so dass das ganze Bauprojekt zum Haareraufen war – oder zumindest das ­eine oder andere Haar ergraute.

Lassen Sie Ihren Gedanken freien Lauf

Deshalb wollten wir, die Familie Leiser-Angelone (siehe weiter unten «Fallbeispiel»), bei unserem Umbauprojekt von Anfang an alles richtig machen. Womit beginnt man ein solches Vorhaben? Worüber sollte zuerst nachgedacht werden? Und was ist als Erstes zu erledigen?

Philipp Hostettler, Architekt mit 20-jähriger Berufserfahrung, kann weiterhelfen: «Zuerst sollte die Bauherrschaft ihre Bedürfnisse klären und formulieren – und zwar möglichst jedes einzelne Mitglied der Familie oder der Wohngemeinschaft», ­erklärt der Vizepräsident der Interessen­gemeinschaft «IG altbau». Dabei sollte man versuchen, «sich in das Gefühl zu versetzen, wie es im umgebauten Haus sein könnte». Wichtig sei, diese Vision in Worte zu fassen. Eine Alternative zu diesem Vorgehen gibt es nach Ansicht Hostettlers nicht: «Man sollte vielmehr das Positive daran sehen. In diesem Stadium sind die Gedanken noch frei, alles ist möglich.»

Bauen: Meist teurer, als man glaubt

Dass ein derartiger Einstieg ins Projekt Spass macht, können wir in der Tat bestätigen. Um einen offenen Wohnraum zu gewinnen, haben wir in unseren Gedanken bereits etliche Wände herausgerissen – ungeachtet dessen, ob diese tragend sind oder nicht. Dann haben wir Küche und Bad vergrössert. Mit der Zeit kamen noch eine Feuerstelle für die Übergangszeit, ­grössere Fenster sowie ein direkter Zugang in den Garten auf unsere Wunschliste. Damit sind wir auf den Architekten zugegangen – und zwar ohne zu wissen, ob wir uns das überhaupt alles leisten können. Tatsächlich hat er uns bald schon auf den Boden der Realität zurückgeholt. Gemeinsam haben wir uns daraufhin auf eine klare Vorgehensweise geeinigt.

Im gesamten Umbauprozess sind die Kosten das schwierigste Thema. Was uns von verschiedenen Seiten zugetragen wurde, wollten wir zuerst nicht wahrhaben – doch es stimmt. Für Altbau-Architekt Phi­lipp Hostettler gibt es dafür zwei wichtige Faktoren, die sich kumulieren: «Bauen ist eine der grössten Versuchungen, viel Geld auszugeben. Bauen ist aber meistens auch ein einmaliges Erlebnis, das einem erlauben sollte, in gewissen Bereichen etwas unvernünftig zu sein.»

Fallbeispiel

Beinahe hätten Rita Angelone und Daniel Leiser ihren Traum schon vor geraumer Zeit auf­gegeben: Sie wollten für sich und ihre beiden Buben im Raum Zürich ein Haus erwerben. Nach eineinhalb Jahren Suche und unzähligen Besichtigungen meldete sich doch noch das Glück – in der Person einer älteren Dame, die ihre Liegenschaft zu einem fairen Preis an eine junge Familie verkaufen wollte.

Das Traumobjekt war endlich gefunden: ein freistehendes Einfamilienhaus mit Garten an ruhiger Lage in der Stadt Zürich. Das Haus befand sich in gutem Zustand, so dass die Familie schliesslich einziehen konnte, ohne vorher grössere Renovationsarbeiten vornehmen zu müssen.

Nachdem sie nun bereits über vier Jahre Eigentümer sind, haben die neuen Bewohner ihr Haus kennengelernt und dabei neue Bedürfnisse festgestellt. Vor allem die Raumaufteilung im Erdgeschoss, die seit dem Baujahr 1934 unangetastet blieb, entspricht nicht mehr den heutigen Lebensgewohnheiten und Wohnbedürfnissen.

Zudem werden die Haushaltsgeräte, die sanitären Einrichtungen und die elektrischen Installationen bald einmal sanierungsbedürftig sein. Deshalb haben sich die Leiser-Angelones entschieden, das Erdgeschoss einer grundlegenden Sanierung zu unterziehen. Damit haben sie sich eine langfristige Aufgabe auferlegt: Im Sommer 2010 haben sie mit der Planung begonnen, im März 2012 soll es endlich mit dem Umbau losgehen.

Nicht bei Materialien sparen

Als Beweis dafür reicht der Besuch einer Baumesse oder einer Ausstellung – zum Beispiel für Küchen oder Bäder. Beim Anblick des schönen Designs, der edlen Materialien oder der cleveren Funktionalitäten ist das Prinzip, die Kosten stets im Auge zu behalten, schnell über Bord geworfen. Da erging es uns nicht anders als anderen – und natürlich waren diejenigen Geräte und Installationen, die uns besonders gefallen haben, in den seltensten Fällen die günstigsten.

Zusammen mit unserem Architekten sowie aufgrund unseres Maximalbudgets werden wir uns vom einen oder anderen Posten auf dem Wunschzettel wohl oder übel trennen müssen. Für diesen Kürzungsprozess hat uns Ansgar Gmür, Direktor des Haus­eigentümerverbandes, noch ­einen Tipp mitgegeben: «Sparen Sie auf keinen Fall bei der Planung oder der Dauerhaftigkeit der Materialien.»

Wie finde ich einen Architekten?

Bei grösseren Umbauprojekten lohnt es sich, möglichst frühzeitig einen Architekten beizuziehen – vor allem zur Erstellung eines sinnvollen Sanierungskonzepts. Ein Architekt hilft Ihnen, längerfristig geplante Bauvorhaben und notwendige Sanierungsmassnahmen unter einen Hut zu bringen. Wichtig ist deshalb, dass der Architekt umbauversiert ist – also dass er je nach Baujahr Ihres Hauses mit der spezifischen Bausubstanz vertraut ist.

Es gibt allerdings kein Patentrezept, wie man einen geeigneten Architekten findet. Am besten funktioniert die Mundpropaganda: Lassen Sie sich von Bekannten Empfehlungen geben. Sie können auch zwei bis drei Erstberatungen vor Ort durchführen lassen und sich dann für denjenigen Architekten entscheiden, der Ihre Bedürfnisse am besten trifft. Dieses Vorgehen kostet zwar pro Beratung 500 bis 1000 Franken, in diesem Stadium ­Ihres Umbauvorhabens sollten Sie aber auf keinen Fall sparen.

Wichtig: Denken Sie daran, dass Sie bereits einen Vertrag abschliessen, wenn Sie den ­Architekten mit der Erstellung eines Grobkonzepts, Plänen oder Kostenschätzungen beauftragen – auch wenn dies nur mündlich geschieht. Dieser Vertrag verpflichtet Sie zur Bezahlung eines Honorars. Immerhin können Sie den Vertrag jederzeit wieder auflösen. Ein seriöser Architekt vereinbart mit der Bauherrschaft Schritt für Schritt – schriftlich oder ­zumindest per E-Mail – die zu erledigenden Aufgaben sowie den ungefähr zu erwartenden Zeit- und Kostenaufwand.

Adressen und Links

 

In einer vierteiligen Ratgeber-Serie lässt Sie Daniel Leiser, der beim Beobachter als Redaktor und Berater für die Fachbereiche Wohnen und Staat zuständig ist, daran teilhaben, was in seinen vier Wänden abläuft. Im ersten Teil geht es um die optimale Planung des Umbauprojekts. Weitere Folgen behandeln die Finanzierung (Ausgabe 24/11), Baurechtliches (26/11), den Vertrag und die letzten Schritte (2/12).

Veröffentlicht am 2011 M10 21