Raucher, Musiker oder Tierhalter sollten besonders nett sein zu Nachbarn und Vermietern. Denn sie riskieren am ehesten, andere Mieter zu stören – und damit die Pflicht zur Rücksichtnahme zu verletzen, die gegenüber Nachbarn gilt.

Was liegt in einem Mehrfamilienhaus noch drin und was nicht? Und wie stehen die Chancen, dass eine ordentliche oder ausserordentliche Kündigung angefochten werden kann? Das Ampelsystem des ­Beobachters zeigt, was erlaubt ist und ob Sie mit einer Kündigung der Wohnung rechnen müssen.

ROT: Es droht die ausserordentliche Kündigung. Eine erfolgreiche Anfechtung ist praktisch unmöglich.

GELB: Es droht eine ordentliche Kündigung. Eine Anfechtung wegen Missbräuchlichkeit würde vermutlich scheitern.

GRÜN: Sie haben nichts zu befürchten. Ordentliche Kündigung wäre als missbräuchlich anfechtbar.

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Tierhalter

Einen wohlerzogenen Hund halten

Wenn der Mietvertrag keine Vorschriften dazu macht, ist ein Haustier grundsätzlich erlaubt Mietwohnung Darf ich den Hund behalten? . Aber nur, falls es nicht zu laut ist und die Nachbarn nicht stört. Ewig kläffende Fifis gehören also nicht dazu, auch wenn sie noch so klein und herzig sind.

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Gefährliche Tiere halten

Alligatoren, Giftschlangen oder Vogelspinnen fallen nicht mehr unter die normale Heimtierhaltung Mietwohnung Was ist bei Haustierhaltung zu beachten? . In solchen Fällen ist die ausdrück­liche Bewilligung des Vermieters immer nötig, auch wenn das nirgends ausdrücklich steht.

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Kampfhund statt Pudel, drei Katzen statt nur eine

Wenn der Mieter die Bewilligung für einen Pudel eingeholt hat, heisst das nicht, dass er sich einfach einen bissigen Kampfhund zulegen darf. Und wenn der Vermieter eine Katze gewährt, darf der Mieter nicht einfach zwei weitere anschaffen. Hier muss man ­jedes Mal aufs Neue die Zustimmung des Vermieters einholen, sonst verletzt man seine vertraglichen Pflichten.

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Hamster oder Meerschweinchen halten

Solche Kleintiere kann der Vermieter nicht verbieten, denn sie sind unproblematisch in der Haltung. Wenn trotzdem die Kündigung kommt, kann man sie mit guten Chancen als missbräuchlich anfechten.

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Trotz Verbot einen Hund halten

Mietverträge können das Halten grösserer Tiere verbieten. Wenn der Mieter ohne Bewilligung trotzdem einen Hund hält, ist das laut einem Bundesgerichtsentscheid von 1994 eine schwere Pflichtverletzung. Das Urteil ist allerdings umstritten. Der Mieter riskiert aber eine ausserordentliche Kündigung.

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Mehr zu Konflikten wegen Nachbars Tieren bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Verrichtet Nachbars Katze ihr Geschäft auf Ihrem Grundstück? Oder stören Kuhglocken Ihren Schlaf? Ob Sie diese und andere tierische Immissionen erdulden müssen und wie Sie sich dagegen wehren können, erfahren Sie hier als Mitglied von Guider oder als Beobachter-Abonnent.

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Musiker

Schlagzeug oder Saxofon spielen

Künstlerisches Genie und kultureller Wert hin oder her: Derart laute Instrumente gehen den Nachbarn durch Mark und Bein. Sie sind daher in einer normalen Mietwohnung nie ­zumutbar und dürfen nicht gespielt werden, auch ausserhalb der Ruhezeiten nicht. Dazu muss man sich einen Übungsraum suchen.

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Gitarre spielen, obwohl man im Anmeldeformular «kein Instrument» angekreuzt hat

Hier kommt es darauf an: Wenn sich eine Jimi-Hendrix-Reinkarnation täglich zwölf Stunden lang auslebt, genügt das wohl für eine ausserordentliche Kündigung. Ab und zu kurz zu schrummen sollte bei toleranten Nachbarn aber kein Problem sein. Doch wenn der Vermieter davon erfährt, riskiert auch ein begabter Hobbymusiker eine ordentliche Kündigung. Und falls er beim Ausfüllen des Anmeldeformulars bewusst verschwiegen hat, dass er ein Instrument spielt, kann er die Kündigung wohl nicht erfolgreich anfechten.

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E-Piano mit Kopfhörer spielen, trotz Verbot

Ein E-Piano, dessen Klänge nur über Kopfhörer zu hören sind, kann die Nachbarn nicht stören. Daher fallen solche Instrumente auch nicht unter ein ausdrückliches vertragliches Verbot.

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Mehr zu Lärmbelastung in der Nachbarschaft bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Lärm in der Nachbarschaft, verursacht durch Kindergeschrei, feiernde Partygäste oder Baumaschinen, führt sehr häufig zu Konflikten. Auf Guider erfahren Mitglieder, was ihre Rechte sind und wie sie sich wehren können.

Raucher

Kettenrauchen auf dem Balkon

Wenn ein Mieter so viel raucht, dass seine Nachbarn zu keiner Tages- oder Nachtzeit ihre Wohnung lüften können, ist das aus deren Sicht ein Mangel an der Mietsache – ganz besonders im Sommer. Das gilt umso mehr für ausgiebiges Kiffen. Der Vermieter ist verpflichtet, das Problem zu beheben, notfalls indem er dem Raucher kündigt (siehe «Kündigung: Diese Rechte haben Vermieter und Mieter»).

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Als Nichtraucher ab und zu in der Wohnung rauchen

Militante Nichtraucher wählen meist nur Nichtraucher als Mieter. Wenn sich ein Gelegenheitsraucher auf dem Anmeldeformular als Nichtraucher ausgibt, muss er auf Zigis verzichten – oder er riskiert eine ­ordentliche Kündigung. Die könnte er aber wohl erfolgreich als missbräuchlich anfechten, denn das Gesetz schützt ­Militanz nicht, und Rauchen kann man nicht völlig verbieten. Zudem kann es vorkommen, dass der Mieter wirklich Nichtraucher ist, aber doch ab und zu Besuch von einem Raucher erhält – das kann der Vermieter nicht verbieten.

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Trotz Verbot im Mietvertrag täglich eine Zigarette auf dem Balkon rauchen

Rauchen ist ein Recht, das der Vermieter auch durch ein ausdrückliches Verbot im Mietvertrag nicht abschlagen kann. Wenn er trotzdem ordentlich kündigt, kann der Mieter das als missbräuchlich anfechten und damit begründen, dass er keine übermässigen Immissionen verursacht hat. Was darüber hinaus auf dem Balkon für Streitigkeiten sorgt, lesen Sie im Beobachter-Artikel «Wohnen: Kampfzone Balkon» Wohnen Kampfzone Balkon .

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SMS-Dialog: Wenn der Nachbar zu laut ist

Wenn der Nachbar zu laut ist

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Wie reagiert man, wenn der Nachbar zu viel Lärm macht?

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Mehr zu Wohnungskündigung bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Sowohl Mieter als auch Vermieter müssen sich bei der Wohnungskündigung an gewisse Spielregeln halten. Als Guider-Mitglied erfahren Sie, welche Kündigungsmöglichkeiten es gibt und wie Sie sich gegen eine ungerechtfertigte Kündigung zur Wehr setzen können.

Kündigung: Diese Rechte haben Vermieter und Mieter

Mieter müssen die Mietsache mit Sorgfalt behandeln und dürfen die Nachbarn nicht stören. Insbesondere auf deren Ruhebedürfnisse müssen sie Rücksicht nehmen. Falls sie diese Pflichten verletzen, hat der Vermieter verschiedene Möglichkeiten.
 

Ordentliche Kündigung
Der Vermieter darf immer ordentlich kündigen, wenn er die vertraglichen Fristen und Termine einhält. Aber der Mieter kann die Kündigung als missbräuchlich anfechten – ein Erfolg dabei hängt auch vom eigenen Verhalten ab:

 

  • Aussicht auf Erfolg mit der Anfechtung haben Mieter, die stets anständig waren und sich gar nichts zuschulden kommen liessen. Denn eine Kündigung ist missbräuchlich, wenn sie gegen Treu und Glauben verstösst, etwa wenn der Vermieter kein schützenswertes Interesse an der Auflösung des Vertrags hat oder wegen einer Bagatelle kündigt. Insbesondere Rachekündigungen sind missbräuchlich.
  • Wenig Chancen haben Mieter, die ihre Pflichten verletzt und so die Kündigung provoziert haben. Dann hat der Vermieter einen guten Grund, und die Kündigung wird selten für missbräuchlich befunden. Wenn die Anfechtung scheitert, kann der Mieter noch die Erstreckung des Mietvertrags verlangen.

     

Ausserordentliche Kündigung
Wenn ein Mieter die Sorgfaltspflichten stark verletzt, kann der Vermieter mit einer Frist von 30 Tagen auf das nächste Monatsende hin kündigen. Aber zuerst muss er den Mieter abmahnen und die ausserordentliche Kündigung androhen. Erst wenn der Mieter seine Pflichten erneut verletzt und die Weiterführung seines Mietvertrags für die anderen Hausbewohner nicht mehr zumutbar ist, darf der Vermieter ausserordentlich kündigen. Wenn alle diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist die ausserordentliche Kündigung gültig, und der Mieter kann keine Erstreckung verlangen.
 

Spezialfall fristlose Kündigung
Falls der Mieter die Mietsache vorsätzlich schwer beschädigt, kann der Vermieter fristlos kündigen. Eine Erstreckung ist ausgeschlossen.

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Wo sind Nachbarspflichten und Ruhezeiten geregelt?

 

  • Mietrecht: Mieter müssen die Mietsache sorgfältig und vertragsgemäss gebrauchen und auf Hausbewohner und Nachbarn Rücksicht nehmen (Artikel 257f, Obligationenrecht).
  • Hausordnungen: Sie bestimmen oft Ruhezeiten, sind für Mieter aber nur verbindlich, wenn die Hausordnung Teil des Mietvertrags ist.
  • Polizeiverordnungen der Gemeinden: Verbreitet sind Ruhezeiten werktags von 12 bis 13 Uhr und ab 20 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ganztags.

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Was Mieter in der Schweiz über ihre Rechte und Pflichten wissen müssen

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Quelle: Beobachter Edition
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