Hände desinfizieren, Abstand halten Covid-19 Wie schütze ich mich vor dem Coronavirus? : Auch für Wohnungsbesichtigungen gelten die Vorsichtsmassnahmen. Das ist für Interessenten unangenehm und für Anbieter aufwendig. Darum setzen Makler , Verkäuferinnen und Vermieter nun ernsthaft auf virtuelle Besichtigungen. Bisher waren sie eher ein PR-Gag.

Die digitalen Aufnahmen dafür machen Verkäufer und Makler meist selbst. Für höhere Ansprüche gibt es Spezialisten. Sie verwenden schon mal 360-Grad-Kameras und 3-D-Scans.

Man muss wissen: Digitale Bilder lassen sich nachbearbeiten, retuschieren und mit virtuell eingesetzten Möbeln 3-D Raumplaner Einrichten wie die Profis perfektionieren. Und: «Prospekte, Visualisierungen und eben auch virtuelle Besichtigungen sind nicht Bestandteil des Vertrags und insofern unverbindlich», sagt Thomas Oberle, Jurist beim Hauseigentümerverband Schweiz (HEV). «Käufer von Liegenschaften müssen sich im Klaren darüber sein.»

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Mit anderen Worten: Man hat keine Grundlage für eine Reklamation, falls die Wohnung dann doch nicht so gross oder nicht in so tadellosem Zustand ist, wie die Bilder suggerieren. Der Verkäufer sichert immer nur das verbindlich zu, was zum Bestandteil des beurkundeten Vertrags Urkunden Müssen wir damit zum Notar? erklärt wird.

Bilder bei virtueller Besichtigung können täuschen

Ein virtueller Rundgang zeigt zwar das Raumkonzept und die Oberflächen. «Es ist aber wie mit dem Hotel Urlaub Verstehen Sie Katalogisch? , das vermeintlich direkt am Meer liegt, wenn man die Bilder anschaut», so Thomas Oberle. Ob noch eine stark befahrene Strasse dazwischenliegt, kommt erst nachher ans Licht. Er empfiehlt deshalb in jedem Fall, das Objekt auch noch von aussen zu besichtigen.

Machen Sie eine Standortbewertung Ihrer Wohnung oder des Hauses

Wie wichtig ist Ihnen bei Ihrem Wunschobjekt die Anbindung zum öffentlichen Verkehr? Gibt es eine Kinderkrippe in der Nähe? Mit der Checkliste «Überprüfung des Standorts der Wohnung oder des Hauses» können Mitglieder von Guider sowie Beobachter-Abonnenten die Kriterien anschaulich auflisten und eine Wertung für sich durchführen.

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Wenn es um Miete geht, gilt der Grundsatz «Gemietet wie gesehen». Man übernimmt das Objekt so, wie es sich zum Zeitpunkt der Besichtigung präsentiert. Haben die Küchengeräte schon zwanzig Jahre auf dem Buckel? Sind die Wände fleckig? Im Nachhinein wird das niemand als Mangel beanstanden können, selbst wenn es bei der virtuellen Tour besser ausgesehen hat (siehe auch weiter unten «Die Grenzen der virtuellen Wohnungsbesichtigung»). Wer nigelnagelneue Geräte oder eine Renovation Renovationen Was Mieter dürfen - und was nicht wünscht, muss sich das schriftlich zusichern lassen.

In einer stärkeren Position sind Käufer einer neu gebauten Eigentumswohnung. Hier gilt: «Kauf ab Plan» – das heisst, der virtuelle Rundgang spielt keine Rolle. Die üblichen Neubaustandards, Baunormen oder die Rechte bei Baumängeln verleihen mehr Sicherheit. Sind aber die Mängelrechte bei einem Altbau abgelaufen, gilt «Wie gesehen, so gekauft».

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Verdeckte Mängel sind virtuell nicht erkennbar

«Auch die Haftung für verdeckte Mängel ist bei bestehenden und älteren Gebäuden im Vertrag in aller Regel wegbedungen», warnt Experte Thomas Oberle. Viele Käufer seien sich der Tragweite einer solchen «Freizeichnungsklausel» zu wenig bewusst. Wenn zum Beispiel sechs Monate nach dem Einzug das Flachdach zu rinnen beginnt, kann man den Verkäufer in der Regel nicht haftbar machen.

«Ich wäre wohl der Erste, der sogar Bauabnahmen virtuell durchführen würde», sagt der Rapperswiler Bauherrenberater Othmar Helbling. Doch selbst perfekt gemachte Videos und digitale Visualisierungen kämen an ihre Grenze. «Aufsteigende Feuchtigkeit in der Fassade oder nur schon die Qualität der Wärmedämmung sind so nicht erkennbar.» Ein Gebäude-Check sei schwierig, wenn man Mauern oder andere neuralgische Teile nicht vor Ort begutachten könne. «Eine Tour sollte nicht allzu werberisch daherkommen, sondern wesentliche Informationen mitliefern», meint der Experte.

Fazit: Glaubwürdig sind nur virtuelle Rundgänge, die nichts auslassen. Auch die Kellerräume, die Heizung Raumtemperatur Heizung funktioniert nicht - was tun? , die Fassade und die Sicht vom Balkon Wohnen Kampfzone Balkon sollten gezeigt werden. Im Idealfall sind nützliche Zusatzinformationen eingebettet, etwa Grundriss- und Umgebungspläne, technische Angaben oder der Grundbuchauszug. Je vollständiger und offener ein Interessent von Anfang an dokumentiert wird, umso mehr verdient das Angebot Vertrauen.

Die Grenzen der virtuellen Wohnungsbesichtigung

  • Riechen und Hören: Mit Bildern lässt sich nicht feststellen, ob es im Keller muffig riecht, was ein wichtiger Hinweis auf Feuchtigkeit ist. Oder ob es Strassen- oder Fluglärm gibt und ob das Haus vielleicht ringhörig ist. Besichtigen Sie das Grundstück von aussen und fragen Sie nach dem Schallschutz.
  • Verzerrtes Bild: Eine schlechte Tour erkennen Sie an verzerrten Abständen und Weiten. Nehmen Sie Mass am konventionellen Grundrissplan.
  • Aussicht und Sonne: Reicht die Sicht nur bis zur nächsten Hauswand? Scheint die Abendsonne auf die Terrasse? Ein ehrlicher virtueller Rundgang liefert dazu Informationen.
  • Bausubstanz: Vor allem bei Kaufobjekten sollte man nicht nur auf Küche, Wände und Bodenbeläge achten. Es lohnt sich eine Expertise durch eine Fachperson, die den Zustand von Fassade, Dach, Fenstern, Heizung, Mauerwerk, Isolation und sanitären Leitungen prüft.
  • Technik und Nebenräume: Zum Miet- oder Kaufobjekt gehören oft Balkon, Gartenanteil, Terrasse, Keller, Estrich und Waschküche. Lässt die Tour diese aus, sollten sie weitere Informationen anfordern.
  • Weitere Unterlagen: Zwingend sind Einsicht in detaillierte Pläne, Grundriss, Verzeichnis durchgeführter Renovationen, Grundbuchauszug und Ähnliches. Bei Stockwerkeigentum sollten Sie das Reglement und die Protokolle der Jahresversammlungen konsultieren. Fragen Sie, ob es einen Erneuerungsfonds gibt und wie hoch er dotiert ist.
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