Afrikanische Bauarbeiter, die man abends bezahlt, erscheinen am nächsten Morgen nicht unbedingt wieder zur Arbeit - wenn das Geld ein paar Tage lang reicht. Dies lernte Anton Wagner, Verwaltungsratspräsident der Cat Medien AG, die unter anderem die Zeitschriften «Leben & Glauben» und «Sonntag» herausgibt, beim Besuch eines Hilfsprojekts, das der christliche Verlag unterstützt. Für freischaffende Autoren dürfte dasselbe gelten, schien er sich zu sagen. Das würde erklären, warum der Journalist Jannis Zinniker 2007 ausstehende Honorare von über 20'000 Franken bei der Firma einfordern musste. Vor kurzem waren erneut 8000 Franken offen. «Das geht schon seit Jahren so», sagt Zinniker. Erst als er eine Lohnforderungsklage androhte, wurde das Geld überwiesen. Zinniker ist kein Einzelfall; das zeigt ein Brief an die Geschäftsleitung, den 23 freie Autoren unterzeichneten. Dass sie dennoch weiter Aufträge annahmen, lag vor allem an der langjährigen Chefredaktorin Käthi Koenig. Sie setzte sich immer wieder dafür ein, dass Honorare endlich bezahlt wurden. «Heute schäme ich mich, dass ich das so lange mitgemacht habe», sagt sie.

Fabian Egger, Geschäftsleiter der Cat Medien AG, spricht von Liquiditätsproblemen: «Im Lauf des nächsten Jahres wird das dank einem neuen Konzept besser.» In diesem ist Chefredaktorin Koenig nicht vorgesehen; sie wurde im April entlassen. Die Autoren verlieren so ihre Lohngarantin. Und die Geschäftsleitung lernt vielleicht bald etwas Neues: Wenns kein Geld gibt, kommen die Arbeiter überhaupt nicht mehr. Das ist wahrscheinlich auch in Afrika so.

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