«Er war ein tüchtiger Lehrling, der Daniel», sagt Hans Spörri, Kaminfegermeister in Mönchaltorf und Präsident des Kaminfegermeister-Verbandes Zürcher Oberland, «aber nun tut er etwas, das nie rentieren kann. Als ‹Wilder› arbeiten, das bringt nichts.» Dabei, sagt der Kaminfegermeister, hätte er «nur warten müssen. 2002 hätte er Dürnten bekommen.»

Aber Daniel Klopfenstein aus Dürnten konnte nicht warten, bis er Dürnten «bekam». Als Kaminfegergeselle – so heissen alle angestellten Glücksbringer – investierte er fast seine ganze Freizeit und eine Menge Geld, um die Meisterprüfung zu bestehen. Doch danach fand er keine passende Stelle. Früher als geplant musste sich Klopfenstein selbstständig machen.

Einfacher gesagt als getan: Als Selbstständiger braucht ein Kaminfegermeister eine Bewilligung der Gemeinde. Also klopfte Klopfenstein an diversen Orten an. Die Antwort der Gemeinde Hombrechtikon war exemplarisch: Da man mit dem bisherigen Kaminfegermeister «gute Erfahrungen gesammelt» habe, bestehe «keine Veranlassung, in Hombrechtikon einem weiteren Kaminfegermeister eine Bewilligung zu erteilen.»

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Damit gab sich Daniel Klopfenstein jedoch nicht zufrieden. Er schrieb einen Rekurs an den Bezirksrat – und erzielte einen Erfolg. Wer das Meisterdiplom besitze, habe Anspruch auf eine Bewilligung, belehrte der Bezirksrat die Gemeinde Hombrechtikon. Das beeindruckte andere Gemeinden jedoch nicht; Klopfenstein musste weitere Rekurse schreiben – und restlos alle wurden gutgeheissen.

Gemeinden setzen auf «Wilde»
Nur: Klopfenstein will eigentlich nicht Rekurse verfassen, sondern primär Schornsteine fegen. «Wenn eine Gemeinde auf mein Schreiben einfach nicht reagiert, was soll ich dann tun? So gibt es ja nicht einmal eine Verfügung, die ich anfechten könnte.» Und wie soll er reagieren, wenn ihm eine Gemeinde die Auflage macht, seine Arbeit vom ortsansässigen Meister überprüfen zu lassen – was ihm wieder Mehrkosten verursacht? Soll er dann erneut einen Abend für eine Rekursschrift opfern?

Doch nun scheint sich ein Wandel anzubahnen: Mittlerweile ist auch dem Kaminfegermeister-Verband klar geworden, dass seine zünftische Politik nicht mehr so recht ins Deregulierungszeitalter passt – zumal im Kanton Zürich noch andere junge «Wilde» am Werk sind. Deren Durststrecke neigt sich jetzt dem Ende zu.

Jürg Neeracher, Chef der kantonalen Feuerpolizei: «Ab Herbst wird die Feuerpolizei die Bewilligungen erteilen, und zwar für den ganzen Kanton. Das Kriterium ist, ob der Bewerber über die Meisterprüfung verfügt. Auch die Preisbindung hört auf – das müssen Hauseigentümer und Kaminfeger direkt miteinander ausmachen. Immer vorausgesetzt, die Zürcher Regierung stimmt zu.»

Mit dieser neuen Regelung ist auch der Zürcher Kaminfegermeister-Verband einverstanden. Dabei dürfte mitspielen, dass selbst seine bisher zuverlässigsten Partner, die Gemeinden, nicht mehr sind, was sie mal waren. Die engagieren nämlich für ihre gemeindeeigenen Liegenschaften neuerdings selbst «wilde» Kaminfeger – weils billiger kommt.