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ArbeitsrechtSchwanger - darauf müssen Sie achten

Frauen, die nach dem Mutterschaftsurlaub zu veränderten Bedingungen weiterarbeiten wollen, sollten frühzeitig mit dem Arbeitgeber das Gespräch suchen. Bild: Thinkstock Kollektion

Kündigt sich ein Baby an, ist die Freude für gewöhnlich gross. Für Arbeitnehmerinnen stellen sich jedoch einige rechtliche Fragen. Der Beobachter liefert die Antworten.

von Irmtraud Bräunlichaktualisiert am 2016 M11 04

1. Ich bin auf Stellensuche und ­habe eben erst gemerkt, dass ich schwanger bin. Muss ich das bei einem Bewerbungsgespräch erwähnen?

Nein, es sei denn, Sie können die zur Diskussion stehende Arbeit als Schwangere nicht verrichten (beispielsweise bei körperlich sehr anstrengender Arbeit oder bei Strahlenbelastung). Der Arbeitgeber darf Sie auch nicht nach Ihren Familienplänen fragen, die sind Ihre Privatsache.

Übrigens: Wenn eine Frau nicht eingestellt wird, weil sie schwanger ist oder es werden möchte, stellt das eine Diskriminierung und damit einen Verstoss gegen das Gleichstellungsgesetz dar. In solchen Fällen kann man eine Entschädigung einklagen.

2. Ich bin fest angestellt. Wann muss ich den Arbeitgeber über meine Schwangerschaft informieren?

Das bleibt Ihnen überlassen. Solange Sie voll arbeitsfähig sind, müssen Sie nicht darüber reden. Informieren müssen Sie Ihren Chef jedoch, wenn Sie nicht mehr voll einsatzfähig sind oder wenn Ihr Baby durch die Arbeit geschädigt werden könnte – zum Beispiel durch Erschütterungen oder heikle Chemikalien. Nur wenn Ihr Arbeitgeber Bescheid weiss, kann er die notwendigen Massnahmen zum Schutz Ihrer Gesundheit treffen.

3. Meiner Chefin passt es gar nicht, dass ich schwanger bin. Sie drängt mich zur Kündigung. Ich könne mich ja dann nach dem Mutterschaftsurlaub wieder ­melden. Was soll ich tun?

Sie haben während der ganzen Schwangerschaft und bis 16 Wochen nach der Niederkunft einen Kündigungsschutz. Das heisst, Ihr Arbeitgeber kann Ihnen in dieser Zeit nicht kündigen und darf Sie auch nicht zwingen, selber zu kündigen. Ob und wann Sie den Arbeitsvertrag allenfalls auflösen wollen, ist allein Ihre Entscheidung – lassen Sie sich zu nichts drängen. Wenn Sie jetzt kündigen, haben Sie keine Garantie, dass man Sie später weiterbeschäftigen wird.

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4. In meinem Beruf muss ich fast ununterbrochen stehen. Das fällt mir mit dem wachsenden Bauch immer schwerer. Was sind meine Rechte?

Für schwangere Frauen sind im Gesetz spezielle Schutzbestimmungen vorgesehen. Müssen Sie Ihre Arbeit normalerweise stehend verrichten, dürfen Sie ab dem vierten Schwangerschaftsmonat zusätzliche Pausen beanspruchen. Ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat dürfen Sie nur noch vier Stunden täglich stehen und können für die restliche Zeit Ersatzarbeit im Sitzen verlangen. Ist dies nicht möglich, muss Sie der Arbeitgeber bei 80 Prozent des Lohns von der Arbeit freistellen.

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Darf der Arbeitgeber einer werdenden Mutter fristlos kündigen, wenn wegen einer Absenz kein Arztzeugnis vorgewiesen wird? Ist der Chef verpflichtet, nach dem Mutterschaftsurlaub den Wunsch auf Teilzeitarbeit zu erfüllen? Darf von Arbeitnehmern mit Familienpflichten Überzeitarbeit verlangt werden? Erhalten Sie als Guider-Mitglied Antworten rund ums Thema Mutterschaft im Arbeitsverhältnis.

5. Wie viele Wochen vor der ­Geburt kann ich aufhören zu ­arbeiten?

Vor der Geburt gibt es keinen gesetzlich verankerten Urlaub. Wann Sie mit dem Arbeiten aufhören, hängt von Ihrem Befinden ab. Sie entscheiden dies gemeinsam mit Ihrer Ärztin. Bezahlt werden Sie bei ärztlich bestätigter Arbeitsunfähigkeit während der Schwangerschaft, wie wenn Sie krank wären. Dabei spielt es keine ­Rolle, ob es sich um Schwangerschafts­beschwerden handelt oder beispielsweise eine Grippe. Die Dauer der Lohnfortzahlung ist abhängig von den Dienstjahren. Meist sind die Einzelheiten im Arbeits­vertrag geregelt. Viele Firmen schliessen Krankentaggeldversicherungen ab, die auch Arbeitsunfähigkeit während der Schwangerschaft abdecken.

Recht einfach erklärt: Schwangerschaft - Ihre Rechte

Am 3. Dezember 2014 war Beobachter-Rechtsexpertin Dana Martelli zu Gast im Schweizer Radio SRF 3 und erklärte, welche Rechte und Pflichten mit einer bevorstehenden Geburt verbunden sind.

6. Unser Betrieb wird Mitte ­Juli geschlossen, mein Chef hat allen Angestellten gekündigt. Ich bin jedoch schwanger und werde mein Kind Ende August bekommen. Wie sieht es hier mit dem Kündigungsschutz aus? Es gibt ja keine Arbeit mehr für mich.

In Ihrem Fall ist die Kündigung ungültig. Der Kündigungsschutz bei Schwangerschaft gilt nämlich auch bei einer Betriebsschliessung oder wenn die Firma verkauft wird. Kann Sie der Arbeitgeber nicht mehr beschäftigen, haben Sie trotzdem Anspruch auf den entsprechenden Lohn beziehungsweise auf die gesetzliche Mutterschaftsentschädigung nach der Geburt. Sie sind jedoch verpflichtet, eine zumutbare Ersatzarbeit anzunehmen, solange Sie arbeitsfähig sind. Grundsätzlich muss Ihr Arbeitgeber 16 Wochen nach der Geburt neu kündigen. Unter den gegebenen Umständen können Sie jedoch auch eine Vertragsauflösung im gegenseitigen Einvernehmen vornehmen, beispielsweise auf das Ende des Mutterschaftsurlaubs.

7. Ich bin schon vier Wochen vor der Geburt meines Kindes ­arbeitsunfähig geworden. Nun behauptet mein Arbeitgeber, ich hätte dafür weniger Mutterschaftsurlaub zugut.

Das Gesetz sieht vor, dass Sie nach der Geburt während 16 Wochen zu Hause bleiben können. Während 14 Wochen erhalten Sie eine Mutterschaftsentschädigung der Erwerbsersatzordnung (EO) in Höhe von 80 Prozent Ihres Lohns. Diese Ansprüche dürfen nicht gekürzt werden – auch dann nicht, wenn Sie bereits vor der Geburt arbeits­unfähig werden.

8. Ich befinde mich derzeit im Mutterschaftsurlaub und bin noch bis November angestellt. Erhalte ich auf die Mutterschaftsentschädigung auch einen 13. Monatslohn?

In der Mutterschaftsentschädigung ist der Anteil für den 13. Monatslohn bereits enthalten. Sie erhalten vom Arbeitgeber beim Austritt also keinen 13. Monatslohn mehr für den entsprechenden Zeitraum – es sei denn, der Arbeitgeber zahlt Ihnen 100 Prozent des Lohns anstelle der obligatorisch versicherten 80 Prozent. Dann wäre dieser Lohnanteil auch für die Berechnung des späteren 13. Monatslohns massgebend.

9. Ich bin arbeitslos und seit ­kurzem schwanger. Wie wirkt sich das finanziell für mich aus?

Bei einer Schwangerschaft während der Arbeitslosigkeit gelten Sie als vermittlungsfähig, solange Sie arbeitsfähig sind. Das heisst, solange Sie arbeiten können, haben Sie auch Taggelder zugut, selbst wenn Ihre Chancen auf eine neue Stelle gering sind. Falls Sie während der Schwangerschaft arbeitsunfähig werden, zahlt die Arbeitslosenversicherung das Taggeld weiter, allerdings nur bis zum 30. Tag nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Nach der Niederkunft haben Sie auch als Arbeitslose Anspruch auf die Mutterschaftsentschädigung.

10. Ich habe meinem Arbeitgeber von Anfang an gesagt, dass ich nach dem Mutterschaftsurlaub nur noch Teilzeit arbeiten möchte. Nun will er nichts mehr davon wissen. Entweder solle ich weiter Vollzeit arbeiten, oder ich müsse kündigen.

Wenn Sie nur noch ein Teilzeitpensum haben wollen, bedeutet dies eine Vertragsänderung. Dem muss ein Arbeitgeber nicht zustimmen. Falls er Ihnen nicht entgegenkommt, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als entweder den geltenden Vertrag weiterhin einzuhalten oder zu kündigen. Frauen, die nach dem Mutterschaftsurlaub zu veränderten Bedingungen weiterarbeiten wollen, sollten deshalb frühzeitig mit dem Arbeitgeber das Gespräch suchen und eine schriftliche Vereinbarung treffen: Dauer und Modalitäten des Urlaubs, Wiederaufnahme der Arbeit, neues Pensum, Lohn und Aufgabenbereich.

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Mutterschaftsentschädigung: Die Regeln

  • Die Entschädigung wird in Form eines Taggelds während 14 Wochen ausbezahlt (98 Tage nach der Geburt). Nimmt die Frau die Arbeit vorher wieder auf, erlischt der Anspruch.
     
  • Die Entschädigung beträgt 80 Prozent des durchschnittlichen Erwerbseinkommens, welches vor Beginn des Anspruchs erzielt wurde (maximal 196 Franken pro Tag). Nicht berücksichtigt werden Einkommensverminderungen wegen ­Arbeitsunfähigkeit oder eine Reduktion des Beschäftigungsgrades während der Schwangerschaft.
     
  • Anspruch haben Frauen, die zum Zeitpunkt der Niederkunft als erwerbstätig gelten (auch als Selbständigerwerbende), in den neun Monaten zuvor in der AHV obligatorisch versichert und in dieser Zeit mindestens fünf Monate erwerbstätig ­waren.
     
  • Der Anspruch auf Entschädigung entsteht am Tag der Niederkunft. Bei längerem Spitalaufenthalt des Kindes kann die Mutter beantragen, dass der bezahlte ­Urlaub erst beginnt, wenn das Kind nach Hause kommt.
     
  • Bei Totgeburten gibt es die Mutterschaftsentschädigung nur, wenn die Schwangerschaft mindestens 23 Wochen gedauert hat.
     
  • Vom Taggeld werden Beiträge für AHV/IV, EO und ALV abgezogen, aber keine Unfallversicherungsprämien. Mütter sind während ihres bezahlten Urlaubs gratis gegen Unfall versichert.

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