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KündigungWas gilt bei Freistellung?

Gekündigt und per sofort freigestellt: Welche Rechte hat man in dieser Situation? Was geschieht mit offenen Ferien- und Überstundenguthaben? Darf man sofort eine neue Stelle antreten? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mit der Freistellung verzichtet der Arbeitgeber in seinem eigenen Interesse freiwillig auf die Leistung des Arbeitnehmers. Das Anstellungsverhältnis ist damit aber noch nicht beendet.

Von aktualisiert am 29. März 2018

Gekündigt, freigestellt, Arbeitsplatz geräumt: Innerhalb weniger Stunden verlor Paul Frey (Name geändert) seine Stelle. Was wie ein ganz normaler Arbeitstag begonnen hatte, entwickelte sich zum Alptraum: «Nachdem der Geschäftsführer mir eröffnet hatte, dass die Firma in Zukunft auf mich verzichten wolle, musste ich in Gegenwart eines Security-Mannes mein Büro räumen», schildert der 44-jährige Kadermann, der sich nichts hatte zuschulden kommen lassen, die demütigende Erfahrung. «Ich kam mir vor, als hätte man mich mit der Betriebskasse unter dem Arm erwischt.»

Weiterhin Anspruch auf vollen Lohn

Was Frey erlebte, passiert heutzutage vielen Arbeitnehmern. Vor allem leitende Angestellte und Personen mit Zugang zu geheimen internen Daten werden häufig von der Arbeit freigestellt, sobald die Kündigung ausgesprochen wurde. Dagegen wehren kann man sich nicht – es gibt kein Recht darauf, bis zum letzten Tag der Kündigungsfrist beschäftigt zu werden.

Mit der Freistellung verzichtet der Arbeitgeber in seinem eigenen Interesse freiwillig auf die Leistung des Arbeitnehmers. Das Anstellungsverhältnis ist damit aber noch nicht beendet; es läuft grundsätzlich bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist weiter. Der freigestellte Arbeitnehmer hat bis zu diesem Zeitpunkt Anspruch auf den vollen Lohn, und zwar inklusive sämtlicher normalerweise geschuldeter Zulagen (zum Beispiel Anteil 13. Monatslohn, Durchschnittsprovision, privater Gebrauch eines Geschäftswagens et cetera). Die Freistellung ist somit nicht zu verwechseln mit der fristlosen Entlassung, die ein Arbeitsverhältnis per sofort beendet.

Freistellung: Diese Punkte sollten geregelt sein

Beharren Sie darauf, dass die folgenden Einzelheiten bei einer Freistellung schriftlich vereinbart werden:

  • Dauer der Freistellung und Lohnanspruch des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin.
     
  • Handelt es sich um eine bedingungslose Freistellung, oder hat der Gekündigte noch gewisse Pflichten? Falls Pflichten bestehen, müssen diese klar definiert werden.
     
  • Sind restliche Ferienguthaben mit der Freistellung abgegolten? Diese Frage hat die Gerichte wiederholt beschäftigt. Es gelten folgende Regeln: Ferien sind grundsätzlich während der Freistellungszeit zu beziehen, vor allem wenn die Freistellungsdauer das vorhandene Ferienguthaben deutlich übersteigt. Muss der Freigestellte jedoch eine neue Stelle suchen, ist ein voller Ferienbezug unter Umständen nicht zumutbar. Die Ferien können dann bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses finanziell abgegolten werden.
     
  • Wie stehts mit allfälligen Überstundenguthaben? Von Gesetzes wegen ist eine Kompensation von Überstunden durch Freizeit nur im Einverständnis mit dem Arbeitnehmer möglich. Sie kann daher laut Bundesgericht auch bei einer Freistellung nicht einseitig vom Arbeitgeber aufgezwungen werden. Besteht also keine vertragliche Abmachung, wonach Überstunden durch Freizeit abgegolten werden, kann der Arbeitnehmer auf einer Auszahlung beharren. Dabei ist – andere schriftliche Abmachungen vorbehalten – ein Zuschlag von 25 Prozent geschuldet.
     
  • Jobantritt während Kündigungsfrist: Grundsätzlich dürfen Angestellte, die vorbehaltlos freigestellt wurden, noch während der laufenden Kündigungsfrist einen anderen Job annehmen, sofern die neue Tätigkeit den alten Arbeitgeber nicht konkurrenziert. Ein Anspruch auf doppelte Lohnzahlung besteht jedoch nicht.

Fristlose Entlassung: Wichtige Unterschiede

Fristen: Bei einer Freistellung handelt es sich grundsätzlich um eine ordentliche Kündigung unter Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfrist. Im Gegensatz dazu beendet die fristlose Entlassung das Arbeitsverhältnis per sofort. Eine weitere Lohnzahlung ist nicht mehr geschuldet.

Begründung: Im Gegensatz zur Freistellung braucht es für eine fristlose Entlassung wichtige Gründe. Darunter versteht das Gesetz «jeden Umstand, bei dessen Vorhandensein dem Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zugemutet werden kann». Im Streitfall ist es Sache des Kündigenden, einen wichtigen Grund nachzuweisen. Einen «Fristlosen» rechtfertigen etwa: Betrug, Diebstahl, Tätlichkeiten, Konkurrenzierung des Arbeitgebers, Annahme von Schmiergeldern, wiederholte Arbeitsverweigerung et cetera. Bei geringeren Verfehlungen muss der oder die Fehlbare vor der Entlassung verwarnt werden.

Einsprache: Gegen eine ungerechtfertigte fristlose Entlassung sollte man schriftlich protestieren, zum Beispiel mit dem Musterbrief von Guider «Protest gegen fristlose Kündigung» (exklusiv für Guider-Mitglieder). Ein zu Unrecht gefeuerter Angestellter hat während der Kündigungsfrist Anspruch auf Lohn. Zusätzlich kann er eine Entschädigung von maximal sechs Monatslöhnen einklagen.
 

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Mehr zu den Rechten während der Kündigungsfrist bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Wenn Sie während der Kündigungsfrist freigestellt werden, gelten weiterhin die gleichen Rechte und Pflichten für beide Parteien, jedoch mit ein paar Besonderheiten. Erfahren Sie als Mitglied auf Guider anhand von Fallbeispielen, welche Kündigungssperrfristen bei einer Arbeitsunfähigkeit gelten.

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