Andi Barth will Bilder. Immer wieder, immer mehr. «Das Schlimmste ist, wenn du am Ende merkst, dass du zu wenig Bilder hast», sagt er. Der 43-jährige Deutsche mit Schirmmütze ist der Realisator auf dem Dreh von Beobachter TV. Laien würden ihn als Regisseur bezeichnen: Er bestimmt, wer wann wo steht und wer was sagt. Immer wieder gibt er Darko Jankulovski und Moris Marchionna die Anweisung: «Redet einfach etwas. Wir brauchen Bilder, Bilder, Bilder.»

Beobachter TV begleitet Jankulovski und Marchionna bei ihrem Schritt in die berufliche Selbständigkeit – mit der Kamera und vor allem mit Beratung. Mit der Firma Glasstic wollen die beiden Partybrillen verkaufen, die von Kunden selbst entworfen werden. Dazu haben sie bereits einen Onlineshop eingerichtet und Kontakt zu einem Produzenten in China hergestellt. Produktionsbedingungen und Nachhaltigkeit waren bei der Auswahl kein grosses Thema. Es gebe viele grössere Firmen, die Brillen am selben Ort produzieren lassen. «Die müssten Druck machen, wenn etwas nicht stimmt. Wir sind ein sehr kleiner Fisch», sagt Marchionna. Dennoch wollen sie bald nach China reisen, um sich die Bedingungen vor Ort anzuschauen.

Echte Menschen, echtes Leben

Seit 20 Minuten sitzen Jankulovski und Marchionna im Glasstic-Büro in Lachen SZ. Mit Beobachter-TV-Moderator Roland Luder reden sie über ihre Firmenpläne. Vier Kameras und fast doppelt so viele Scheinwerfer sind auf sie gerichtet. Weil aber nicht nur die Bilder zählen, interveniert Barth: «Ihr habt noch nichts gesagt, was wir für die Sendung verwenden können. Kommt langsam auf eure Stärken, Schwächen und den Beratungsbedarf zu sprechen.» Nun dauert das Gespräch noch fünf Minuten. Barth weiss, was er will und was er braucht. Trotzdem möchte er so ­wenig wie möglich in Szenen eingreifen. «Eine Sendung ist sexy, wenn sie echt ist. Echte Menschen, echte Dialoge, echtes Leben.» Das reize ihn bei der Produktion von Beobachter TV am meisten, sagt er.

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Mitten im Bild hält das Tram. Pech gehabt

In einem Zürcher Club sollen die beiden Jungunternehmer ihre Geschäftsidee an einer Party unter die Leute bringen. Weil Jankulovski und Marchionna die Veranstalter gut kennen, dürfen sie an diesem Abend ihre Brillen verteilen – sie haben eigens solche mit dem Logo der Party entworfen. Die beiden kommen aus dem Nachtleben: Der 32-jährige Jankulovski begann nach der Handelsschule in Clubs zu arbeiten. Mal als Türsteher, mal als Tischanweiser. Der 33-jährige Marchionna war als Musikproduzent tätig und kennt sich deshalb in der Szene aus.

Der Dreh im Club ist eine Herausforderung, niemand von den TV-Leuten weiss, was sie erwartet. Wie viele Gäste sind anwesend? Wie reagieren sie auf die Kamera? Wie sind die Platzverhältnisse? Sicher ist nur: Feiernde Menschen, Discolicht und die Jungs, die ihre Brillen verteilen, das gibt besonders gute Bilder fürs Fernsehen. Mit den Umständen kann man sich schon irgendwie arrangieren. Oder wie Barth es ausdrückt: «Wir müssen nehmen, was kommt. Das ist unser Job.»

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Dass bei der Jagd nach guten Bildern nicht alles nach Wunsch läuft, ist schnell klar. Zum vierten Mal gehen Jankulovski und Marchionna auf den Club zu. Diesmal steht der Kameramann auf der anderen Seite der Strasse, sein Assistent neben ihm. Barth beobachtet die Szene aus 30 Metern Entfernung. Ein Tram fährt auf Darko und Moris zu. Die ideale Szene; die Zuschauer wüssten sofort, wo sie sind. «Verortung» nennen das die TV-Leute. «Einfach normal weitergehen», ruft Barth. Mitten im Bild hält das Tram. Pech gehabt. «Wir haben eh genug Bilder», sagt Barth. Danach betritt das Team den Club. Dreimal. Drinnen begrüssen Marchionna und Jankulovski ihre Kollegen und «quatschen etwas», wie es Barth verlangt – ebenfalls dreimal. Einmal zoomt der Kameramann nur auf die Hände der Jungs.

«Fehler gibt es nicht», sagt Barth. Die Leute sollen sich so bewegen, wie sie es immer tun. So reden, wie sie immer reden. Auch Barth verstellt sich beim Dreh nicht. Dadurch erleichtert er seinen Protagonisten, sich selber zu sein.

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Tanzende Leute, die Bardame, der DJ

Später am Abend sollen sich Jankulovski und Marchionna unter das Partyvolk mischen, gute Laune haben, tanzen. «Tanzen?», fragt Marchionna. «Das geht nicht, ich bin nicht der Club-Typ. Ich fühle mich eher bei einem feinen Essen mit einem guten Rotwein wohl», sagt er. Zudem gehe er mit seiner Grösse von 1,69 Meter im Club doch unter – im Gegensatz zu seinem fast 30 Zentimeter grösseren Geschäftspartner, der sich auf der Party pudelwohl fühlt.

«Ich brauche diese Bilder», sagt Barth. Und Marchionna willigt ein. Später erklärt er: «Am Anfang ist es halt etwas komisch mit der Kamera. Aber man gewöhnt sich dran.» Zudem sei Beobachter TV eine gros­se Chance für die junge Firma. Marchionna ist vor allem fürs Marketing zuständig.

Pro Drehtag sind drei Leute unterwegs für Faro TV, die Produktionsfirma von Beobachter TV. Barth, ein Kameramann und der Kameraassistent, der vor allem für Licht und Ton verantwortlich ist. Insgesamt arbeiten knapp 20 Personen an der Produktion mit. Die acht Folgen der ersten Staffel, jede dauert 25 Minuten, werden parallel produziert. Von den gut vier Stunden Präsenzzeit im Club an diesem Abend sind drei bis vier Minuten für die Sendung verwertbar. Für eine einzige Folge werden an sechs Drehtagen insgesamt 10 bis 15 Stunden Material gedreht, wobei ein Drehtag bis zu 14 Stunden dauern kann. Dann folgen das Schneiden und das Vertonen.

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Der Kameramann schlängelt sich zwischen den Gästen durch und nimmt ein paar Stimmungsbilder auf. Die Bardame, tanzende Leute, den DJ. Der Rest des Teams lässt sich zusammen mit den zwei Jungunternehmern im Ruheraum nieder. Sie reden miteinander, man ist per du, scherzt. Der Club ist halb voll. Balkan-Beats zerhacken die Gespräche. Einige Gäste zünden sich eine Zigarette an, einer der Veranstalter der Party bringt Wasser, Cola und Energy-Drinks.

Feuerwerk? Ist ja super!

«Verteilt die Brillen erst, wenn der Club voll ist. Das sieht besser aus», sagt Barth. «Um Mitternacht gehts sicher ab», antwortet einer der Veranstalter. Nach dem Kalender der orthodoxen Serben beginnt dann das neue Jahr. Die Veranstalter verteilen dafür Indoor-Feuerwerk im Club. «Warum hat mir das niemand gesagt?», stockt Barth kurz. «Ist ja super, sieht sicher toll aus!»

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Es ist kurz vor Mitternacht. «Wollen wir? Es ist ziemlich voll», sagt der Kameramann plötzlich. Ein kurzes Nicken und letzte Instruktionen von Barth: «Verteilt die Brillen an die Gäste. Redet kurz mit ihnen. Und dreht der Kamera wenn möglich nicht den Rücken zu.» Von den Gesprächen wird Barth nichts verstehen. Hintereinander kämpft sich das Team durch den vollen Club. Alle schwitzen. Vorne Jankulovski und Marchionna, dann der Kameramann, dann der Kameraassistent. Dann Barth. «Der Ton ist nicht so wichtig. Ich sehe an der Mimik, ob ich habe, was ich brauche.» Bilder eben.

Beobachter TV - Darko und Morris suchen den Durchblick

Wie der Dreh von Beobachter TV ausgegangen ist und wie Darko und Morris geholfen wurde, sehen Sie hier in der kompletten Sendung.

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