Arbeitszeugnisse spielen bei der schriftlichen Bewerbung eine entscheidende Rolle: Wird man zum Vorstellungsgespräch eingeladen oder nicht? Ein klarer und lückenloser Inhalt ist ein Muss, damit der berufliche Leistungsausweis bei den Personalverantwortlichen einen guten Eindruck macht.

Darum macht es einen grossen Unterschied, ob am Ende eines Arbeitsverhältnisses ein richtiges Zeugnis oder bloss eine Arbeitsbestätigung vorliegt. Letztere enthält lediglich die Personalien, die Anstellungsdauer und die Berufsfunktion. In einem Arbeitszeugnis müssen hingegen auch das Verhalten und die Leistung beschrieben werden. Um das eigene Zeugnis beurteilen zu können, ist es gut zu wissen, worauf Verantwortliche bei einer Einstellung Wert legen.

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Was macht ein gutes Arbeitszeugnis aus?

Ein gutes Zeugnis soll wie beim Eiskunstlauf auf zwei Komponenten aufgebaut sein: Pflicht und Kür. Der Pflichtteil als technischer Part umfasst die wichtigsten Personalien wie Name, Geburtsdatum und Heimatort. Weiter enthält er den Tätigkeitsbereich sowie die Positionsbeschreibung. Danach soll auf die Arbeitsleistung und das Verhalten des Beurteilten gegenüber Mitarbeitern, Kunden und dem Vorgesetzten eingegangen werden.

Der Kür-Teil ist der künstlerische Aspekt des Arbeitszeugnisses: Wie kreativ und persönlich ist es geschrieben? Je individueller, desto mehr Wertschätzung wird dem Zeugnisempfänger entgegengebracht. Ist es hingegen eher wortkarg und mit Standardsätzen gestaltet, wertet das das Arbeitszeugnis stark ab.

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Checken Sie Ihr Arbeitszeugnis!

Wollen Sie wissen, ob Ihr Arbeitszeugnis korrekt und vollständig ist? Im «Arbeitszeugnis-Check» von Guider analysieren Experten aus dem Beobachter-Beratungszentrum Ihr Arbeitszeugnis und beraten Sie bei möglichen Ungereimtheiten.

Worauf achten Personalverantwortliche?

Es ist generell so, dass das Zeugnis von hinten nach vorne gelesen wird. Der Schlusssatz ist darum auch besonders wichtig, weil er darüber Auskunft gibt, wie das Arbeitsverhältnis geendet hat. Steht etwa «Heinz Muster verlässt uns in gegenseitigem Einverständnis», so ist klar, dass es zur Kündigung seitens des Arbeitgebers gekommen ist. Werden dagegen Dank und Bedauern beim Weggang geäussert, hinterlässt die Person offensichtlich eine Lücke im Betrieb.

Es ist allerdings auch sehr wichtig, sich das Zeugnis im Gesamtkontext anzuschauen. Es hängt stark davon ab, wer es geschrieben hat. Grosskonzerne haben da weitaus mehr Erfahrung als Kleinbetriebe.

Einige Personalverantwortliche achten zudem bei mehreren vorhandenen Zeugnissen auf die persönliche Entwicklung des Bewerbers. Sie beurteilen, in welchem Bereich er sich seit dem ersten Zeugnis gesteigert hat oder wo er stagniert.

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Mehr zum Arbeitszeugnis bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Verlassen Sie Ihren Arbeitgeber, haben Sie Anrecht auf ein Arbeitszeugnis sowie eine Schlussabrechnung. Doch nicht immer nimmt der Chef es mit diesen Dingen so genau. Auf Guider erhalten Mitglieder eine fundierte Checkliste, was ins Zeugnis gehört und wie Sie bei offenen Forderungen vorgehen.

Wie ist das mit den berüchtigten Codierungen?

Codierungen sind negative Wertungen, die aber positiv formuliert sind. Zum Beispiel kann der Satz «Er war ein äussert geselliger Mensch» bedeuten, dass der Angestellte dauernd weiblichen Mitarbeiterinnen nachstellte.

Da Codierungen dem Grundsatz der Wahrheit und Klarheit widersprechen, sind sie verpönt. Dennoch gibt es nach wie vor Arbeitgeber, die codiert beurteilen. Leider ist für den Leser nicht immer eindeutig klar, ob es sich bei gewissen Formulierungen tatsächlich um einen Code handelt: Denn viele Vorgesetzte kennen sich damit nicht aus und verwenden aus Versehen zweideutige Botschaften. So kann ein gut gemeintes Wort schnell zum Verhängnis für die berufliche Zukunft werden.

Lassen Sie sich im «Arbeitszeugnis-Check» durch unsere Experten beraten, wenn Sie sich über eine Codierung unsicher sind.

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Die häufigsten Zeugnissünden

Fragen zum Arbeitszeugnis erreichen das Beobachter-Beratungsteam oft – die Nachfrage nach nach einem Arbeitszeugnis-Check ist gross.

Viele Ratsuchende betrachten ihr Zeugnis mit Misstrauen, weil das Arbeitsverhältnis möglicherweise unter prob­lematischen Umständen zu Ende ging. Anderen geht es um einzelne Formulierungen, die ihnen zwiespältig erscheinen; oft wurden sie auch von der Regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) oder einem potentiellen neuen Arbeitgeber auf negative Punkte aufmerksam gemacht. Und wieder andere wollen einfach auf Nummer sicher gehen, dass das hervorragend klingende Zeugnis nicht doch ein paar versteckte negative Botschaften enthält.

Die Beobachter-Rechtsexperten bekommen Zeugnisse aus allen denkbaren Berufen und Branchen zu sehen – Zeugnisse, die vom Patron eines KMU persönlich formuliert wurden, und solche, die aus der hochprofessionellen HR-Abteilung eines international tätigen Konzerns stammen. Das erlaubt zuverlässige Rückschlüsse auf die Art und Weise, wie hierzulande Zeugnisse erstellt werden.

Ein Überblick über die häufigsten Zeugnissünden finden Sie hier und detailliert in der digitalen Checkliste bei Guider.
 

Schlechte Gliederung
Zeugnisse sollten eine geordnete Struktur aufweisen. Werden die Aufgaben mit den Leistungen und dem Verhalten des Arbeitnehmers vermischt, ist das nicht nur für den neuen Arbeitgeber mühsam. Auch die Länge sollte gewissen Regeln folgen.
 

Orthographie- und Grammatikfehler
Ein Zeugnis ist immer auch eine Visitenkarte des Unternehmens, das es ausstellt. Tippfehler oder gar Korrekturen von Hand machen einen denkbar schlechten Eindruck. Arbeitnehmende haben Anspruch auf ein auch formal tadelloses Zeugnis.
 

Ellenlange Aufgabenlisten
Nur die wichtigsten Aufgaben des Angestellten sind im Arbeitszeugnis aufzuführen. Ist die Leistungsbeurteilung im Vergleich zur Liste mit den Tätigkeiten ungleich länger, wirft dies meist skeptische Fragen auf.
 

Fachchinesisch
Tätigkeitsbezeichnungen sollten auch für Branchenfremde verständlich sein. Wird eine Führungskraft in einer Industriebuchbinderei als «Verantwortlicher PPS» bezeichnet, mag das für Insider klar sein. Aussenstehende können darüber jedoch nur rätseln.
 

Verweis auf Zwischenzeugnisse
Arbeitnehmende haben beim Austritt aus einem Arbeitsverhältnis Anspruch auf ein einziges Schlusszeugnis, das sich zur gesamten Anstellungsdauer äussert. Der Verweis auf frühere Zwischenzeugnisse ist nicht zulässig. Ausnahmen kann es höchstens bei Personen geben, die sehr lange in einer Firma waren und dort sehr unterschiedliche Tätigkeiten ausgeübt haben.
 

Standardfloskeln
Am schlechtesten sind Arbeitszeugnisse, die beliebig austauschbar sind, weil sie nur so von Standardfloskeln strotzen. Intervenieren Sie, wenn das Zeugnis gar keinen Bezug zu Ihrer Tätigkeit nimmt.

3 Tipps zum Arbeitszeugnis

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Sie sind nicht zufrieden mit Ihrem Arbeitszeugnis? Wir haben Ihnen 3 Tipps, wie Sie sich wehren können.

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Mieses Arbeitszeugnis: So wehren Sie sich

Arbeitszeugnisse sind wichtig für Angestellte. Sie sind darauf angewiesen, dass ihre Chefs dieses Instrument korrekt handhaben. Es gibt Möglichkeiten, Einfluss auf den Inhalt des Zeugnisses zu nehmen:
 

Darauf haben Sie Anrecht

  • Arbeitnehmer können jederzeit ein Vollzeugnis verlangen, das über die Dauer der Anstellung, die Tätigkeit, die Leistungen und das Verhalten Auskunft gibt.
     
  • Eine blosse Arbeitsbestätigung darf nur dann ausgestellt werden, wenn sie der Arbeitnehmer ausdrücklich verlangt.
     
  • Das Schlusszeugnis ist fällig am letzten Tag des Arbeitsverhältnisses.
     
  • Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, das Zeugnis wohlwollend zu formulieren.
     
  • Zu beachten ist aber, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zwar Anspruch auf ein objektiv wahres, nicht aber auf ein gutes Arbeitszeugnis haben.


So können Sie korrigieren

  • Kopieren Sie das Arbeitszeugnis und markieren Sie auf der Kopie die Stellen, die Ihnen nicht richtig erscheinen. Schlagen Sie zugleich eine neue Formulierung vor.
     
  • Fügen Sie Passagen hinzu, die Ihrer Meinung nach im Zeugnis fehlen.
     
  • Wenn wegen der neuen Formulierungen Unsicherheit herrscht, lassen Sie das Zeugnis durch die Beobachter-Rechtsexperten checken.
     
  • Gehen Sie mit der überarbeiteten Zeugniskopie zum Arbeitgeber und handeln Sie mit ihm einen neuen Inhalt aus.
     
  • Wird man sich nicht einig, kann der Fall vor das Arbeitsgericht gezogen werden.

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Christian Gmür, Content Manager Ratgeber

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