Alexandra Kost, 30, Hundephysiotherapeutin: «Die Menschen saugten mich aus»

Die Liebe der jungen Frau aus Wil SG galt schon immer den Tieren. Der Traumberuf Tierärztin lag auf der Hand. Doch beim Gedanken daran, Tiere einschläfern zu müssen, schaudert es Kost auch heute. Tierpflegerin? Der Vater winkte ab: nicht angemessen für die kluge Tochter. Gut war die Schülerin in allen Fächern, das machte die Berufswahl nicht leicht. Bis kurz vor Abschluss der Sekundarschule schob sie den Entscheid hinaus, um dann eine Lehrstelle als Hochbauzeichnerin anzunehmen. Lange sagte sie den Eltern nicht, dass sie darin unglücklich war. Nach einem Jahr ging es aber nicht mehr. Aus Verzweiflung darüber, die Eltern enttäuscht zu haben, nahm Kost an der Aufnahmeprüfung eines Lehrateliers für Damenschneiderinnen teil – und wurde genommen. Ein erneuter Abbruch wäre undenkbar gewesen. «Die Arbeit war schön, aber die Oberflächlichkeit der Modewelt machte mich krank.»

Nach dem Abschluss mit Bestnote folgte der Totalzusammenbruch. Mit 21 Jahren kam Alexandra in eine Kur, besann sich auf ihre Bedürfnisse und legte sich eine Katze und einen Schäferhund zu. Sie liess sich als Humantherapeutin ausbilden, machte sich als medizinische Masseurin selbstständig und leitete eine Massagefachschule. «Der Beruf ist wunderbar, aber die Menschen saugten mich aus. Meine Sehnsucht nach der Arbeit mit Tieren wurde immer grösser.» Zufällig stiess Kost auf die Ausbildung als Hundephysiotherapeutin. «Ich spürte: Das ist es!» Sie begann erneut zu lernen und setzte den Wunsch in die Tat um. «Ich habe diese Reifezeit gebraucht, um die Mischung zu finden, die mich glücklich macht.»


Christian Flierl, 31, Fotograf: «Die Laborarbeit gab mir den Gong»

Schon mal versucht, aus Distanz ohne Zoom einen Hirsch zu fotografieren? Heraus kommt ein Pünktchen auf grüner Flur. «Hirsch», schrieb der 12-jährige Christian Flierl damals an den Rand seiner misslungenen Tierfotografien. «Ich hab geheult, weil das nicht klappte.» Die Mutter hatte ein Einsehen und schenkte ihm eine Kamera mit Tele. Bis der Basler jedoch Fotograf wurde, dauerte es lange. Sein Weg schien ein anderer zu sein. Ökologe wollte er werden, nach dem Gymnasium Biologie studieren. Während des Studiums kam aber der Frust: Stellen für Ökologen? Fehlanzeige. Die Hoffnung auf einen «sicheren» Job war dahin. Das Studium selbst: eine Quälerei. Licht ins Dunkel brachte die Fotografie. Einmal pro Woche besuchte Flierl neben der Uni Kurse an der Kunstgewerbeschule und gestaltete auch eigene Ausstellungen. Für die Diplomarbeit in Biologie verschlug es ihn nach Ghana. Christian forschte – und fotografierte. Zurück in der Schweiz fiel dann der definitive Entscheid gegen eine Karriere als Naturwissenschaftler: «Die monotone Laborarbeit gab mir einfach den Gong.»

Irgendwann, nachts in Kleinbasel, fiel der Groschen: Warum nicht ans Medienausbildungszentrum und Pressefotograf werden? Christian nahm Geld auf, belegte den einjährigen Kurs, machte das Hobby zum Beruf. Forscher sei er geblieben, nur eben hinter der Kamera. «Selbstständiger Fotograf ist genau das, was ich will, auch wenn mir immer etwas zu fehlen scheint – vielleicht das frühere Hobby.»


Daniela Kunz, 27, Reiseberaterin: «Jetzt kann ich sein, wie ich bin»

Dass Daniela Kunz aus Lausen BL jemals eine graue Maus ohne Selbstvertrauen gewesen sein soll, mag man nicht glauben. Die 27-Jährige lacht und sagt charmant: «Manche Menschen entfalten sich eben erst später.» Später, damit meint sie die Zeit seit ihrem Realschulabschluss. «Ich war keine besonders gute Schülerin», gesteht sie. «Jeder mahnte, ich solle mehr lernen, aber bei mir hatte es noch nicht klick gemacht.» Die Stärken von Daniela Kunz lagen in Fächern, die für gewöhnlich wenig zählen: Handarbeit, Turnen. Was nach der Schule kommen würde? Sie hatte keine Ahnung. Nur eines stand fest: Etwas Spezielles sollte es sein. Nach einem Jahr als Au-pair im Welschland fand sie in Basel eine Lehrstelle als Floristin. Obwohl die Lehrmeisterin streng und die Arbeitszeiten lang waren, gab es für Daniela Kunz keinen Zweifel: «Floristin war ein Traumjob.» Ein Jahr arbeitete sie nach der Lehre, dann wurde sie unruhig. «Ich spürte, dass ich weitermusste.»

Sie stieg aus, verbrachte viereinhalb Monate in Neuseeland und Australien – und kam verändert zurück. Offen für Neues, wie sie sagt. Das Reisen liess Daniela nicht mehr los. «Ich musste viele Umwege nehmen, bis ich fand, was ich suchte», sagt sie lachend. Ein Jahr lang flog sie als Flight Attendant durch die Welt.

Spannend, doch das Privatleben litt. Also sattelte Daniela Kunz wieder um: Sie fand eine Stelle in einem Sprachschulvermittlungsbüro. Zwölf Monate später begann sie eine Ausbildung an einer Reisefachschule. Die Kosten bezahlte sie selbst. «Ich liebte es in allen meinen Jobs, Menschen behilflich zu sein.» Das Umfeld aber stimmte nie ganz.

Heute ist sie froh, die Suche nicht aufgegeben zu haben. «Als Reiseberaterin kann ich sein, wie ich bin, ohne Schminke und Uniform. Ich nutze Sprachen, kann gestalten, beraten und reisen. Jetzt fühlt sich das einfach richtig an.»


Daniel Hess, 29, Pilot: «Ich wollte einfach nur fliegen»

Daniel Hess aus Bülach ZH übt einen Traumberuf aus – einen, von dem fast jeder Bub und auch das eine oder andere Mädchen träumt. Er ist Berufspilot, obwohl er ein Diplom als Naturwissenschaftler in der Tasche hat. Und das kam so: Fliegen wollte Hess schon immer, die Faszination habe ihn als Bub gepackt. Wohl deshalb ergriff er schon als Kantonsschüler die Chance, den Weg ins künftige Fliegerleben zu pflastern. Trotz Schulstress nahm der damals 16-Jährige am langwierigen Selektionsverfahren für die fliegerische Vorschule teil. Endziel: Linienpilot. Nach der Matura führte sein Weg geradewegs in die Pilotenrekrutenschule. Nach acht Wochen aber war Schluss. «Militärpilot war eh nicht mein Traum. Ich wollte einfach nur fliegen», nahm es Daniel Hess damals einigermassen gelassen.

Er fasste einen neuen Plan und schrieb sich an der Zürcher ETH für Erdwissenschaften ein. «Das hörte sich spannend an. Zudem kann man Geografie und Klimatologie beim Fliegen gut brauchen.» Die Realität aber erwies sich als hart: «Es ist nicht immer einfach gewesen, sich zu motivieren, wenn man eigentlich etwas ganz anderes will.» Die Fliegerei liess Hess nie aus den Augen. Auch während des Studiums absolvierte er Kurse, die ihm später zugute kommen sollten.

Mitten im Diplomarbeitsstress bot sich Daniel Hess erneut eine Chance, Berufspilot zu werden. Er griff zu, schloss sein Studium ab und setzte die einst begonnene Pilotenausbildung fort. Ohne Frage: für ihn die beste Entscheidung von allen.

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