Der Trick mit dem grossen Lohnversprechen ist zwar uralt, funktioniert aber immer wieder. Jüngstes Beispiel ist das in der Schweiz und in Deutschland operierende Partnervermittlungsinstitut Part-Line GmbH mit Sitz in Pratteln BL. «Bei mittlerem Arbeitseinsatz wurde mir ein Verdienst von 8000 bis 12'000 Franken pro Monat versprochen», sagt der arbeitslose Hans O. Nicht schlecht für einen Job, bei dem es gemäss Stelleninserat bloss «Freude am Umgang mit Menschen» braucht und die Arbeitszeit frei eingeteilt werden kann.

Maria M. gaukelte die Part-Line GmbH vor, dass ihre guten Umgangsformen und ihre Lebenserfahrung im Geschäft mit der Heiratsvermittlung wertvoll seien. Die 63-Jährige war auf der Suche nach einem Teilzeitjob. Sie sollte wie Hans O. ihr blaues Wunder erleben. Denn erst nachdem die beiden den «Kooperationsvertrag» unterschrieben und eine Kaution von 6000 Franken bezahlt hatten, bemerkten sie den Haken an der Sache: Nach einer eintägigen Schnellbleiche mussten sie auf eigene Kosten Werbezettel drucken und in Briefkästen stecken, auf denen die «gepflegte Diana» oder der «attraktive Unternehmer Stefan» nach der Liebe ihres Lebens suchen.

Horrende Preise für ein Date
Den interessierten einsamen Herzen sollten Hans O. und Maria M. dann einen Vertrag aufschwatzen – für einen Verdienst von 35 bis 45 Prozent der Vermittlungskosten. Ein harter Job, denn ein einziger Partnervorschlag kostet 537 Franken, drei bis sechs Angebote 1505 Franken – und die angeblich erfolgreichste Variante («Vorschläge, bis der gewünschte Erfolg eingetreten ist») schlägt mit bis zu 6850 Franken zu Buche. Kein Wunder, haben Part-Line-Mitarbeiter Mühe, genügend Kunden zu finden.

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Hans O. und Maria M. haben ihre Lehre daraus gezogen und sind ausgestiegen. Die 6000 Franken mussten sie sich allerdings ans Bein streichen, weil die Kaution laut Vertrag erst ab einem Umsatz von 60'000 Franken zurückerstattet wird.

Ganz klar: Kassieren kann bei der Part-Line GmbH nur, wer die Hierarchie anführt. Zuoberst sitzt Paul Buser – zusammen mit seinem Bruder Anton Inhaber und Geschäftsführer.

Buser ist kein Unbekannter. Schon vor zehn Jahren wurde der Beobachter auf den damals 31-jährigen Auto- und Kreditvermittler aufmerksam. Seine BCB Cars AG verleaste nach einem schneeballähnlichen Prinzip Luxusautos. Und seine ICR Leasing &Treuhand-Gesellschaft warb in Inseraten, dass bei ihr «auch bei Betreibungen» Autos geleast werden könnten.

Die BCB ging kurz nach Busers Auszug aus dem Verwaltungsrat Pleite, und auch die ICR wurde liquidiert. Auf der Strecke blieb eine Reihe Gutgläubiger.

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Konkurse und geprellte Kunden
Auch im Geschäft mit den einsamen Herzen ist Buser kein unbeschriebenes Blatt. Nach der BCB-Pleite stieg er als Geschäftsführer bei der Partnervermittlungsagentur JFP ein, wurde aber 1994 fristlos entlassen. Er kupferte das Konzept ab und nannte die neue Firma kurzerhand IFP Limited.

Dann folgte die Partnervermittlerin DLP Dienstleistungspool GmbH. Paul Buser war zur Hälfte beteiligt, als Geschäftsführer fungierte Christian Zülli. Nachdem einige Geprellte gegen die DLP klagten, verfügte der Arlesheimer Bezirksrichter Ende Januar den Konkurs. Aus der Asche entstand die DLC – ohne Buser, der sich mit seinem früheren Geschäftspartner zerstritt. Christian Zülli betreibt seither die DLC, Paul Buser die Part-Line GmbH.

Die Part-Line sei aus dem Zusammenschluss «führender Partnervermittlungen aus der Schweiz und Deutschland» hervorgegangen, behauptet die Firma auf ihrer Homepage. Wer da mit wem fusioniert haben soll, will Buser jedoch nicht verraten. Wenig Vertrauen erweckend ist auch der Blick in den Handelsregistereintrag der Part-Line: Das Stammkapital von 40'000 Franken wurde nie einbezahlt.

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Stattdessen hat der ehemalige Autovermittler bei der Firmengründung im letzten Herbst einen Mercedes 600 SE als Sacheinlage eingebracht. Womit sichergestellt ist, dass die Part-Line GmbH zumindest über ein imposantes Firmenauto verfügt.