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VorstellungsgesprächSo punkten Sie beim ersten Eindruck

Für die meisten Stellensuchenden wird das Bewerbungsgespräch zum psychologischen Stress. Das muss nicht sein. Bild: Jupiterimages Stock-Kollektion

Die Kunst der erfolgreichen Bewerbung beginnt mit der Vorbereitung zum Gespräch. Der Beobachter zeigt, was Sie darüber wissen müssen und wie Sie die Klippen meistern.

von Norbert Winistörferaktualisiert am 2017 M07 20

Die Hand wird langsam feucht, der Mund trockener, der Puls schneller. Gleich wird die Tür aufgehen, der Personalchef einen freundlich hereinbitten. Dann folgen bohrende Fragen, prüfende Blicke, psychologische Tricks. Einfach ruhig bleiben. Dem Gegenüber in die Augen schauen und lächeln. Ja nicht die Beine kreuzen, stand im Handbuch, sich nie verhaspeln, nichts Schlechtes über den ehemaligen Chef erzählen. Also los!

Für die meisten Stellensuchenden wird das Bewerbungsgespräch zum psychologischen Stress. Eigentlich völlig unbegründet: Wer sich bei der heutigen Zahl von Stellensuchenden bei einem möglichen Arbeitgeber vorstellen darf, ist privilegiert. Dies sollte eigentlich das Selbstvertrauen stärken. Wichtig ist, das Vorstellungsgespräch nicht als Verhör zu betrachten. Der Vorgesetzte hat nicht die Absicht, die Bewerberin auf gemeine Art auszufragen oder blosszustellen. Er sucht lediglich die richtige Person für die offene Stelle. Je nach Erfahrung und Funktion steht dabei auch der Interviewer unter Stress.

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Ein Vorstellungsgespräch zielt darauf ab, Persönlichkeit, Charakter, äussere Erscheinung, Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie berufliche Ziele und Motivation einer Bewerberin abzuklären. Entscheidend ist deshalb, sich darauf eingehend vorzubereiten. Stellenbewerber, die beispielsweise nichts über ihren möglichen künftigen Arbeitgeber wissen, disqualifizieren sich schnell. Wer dagegen über Branche, Produkte und Dienstleistungen informiert ist, holt wertvolle Pluspunkte.

Detaillierte Angaben zur Firma stehen im Geschäftsbericht. Idealerweise fordert man Geschäftsberichte und Verkaufskataloge vor dem Bewerbungsgespräch bei der Firma an. Nützliche Informationen zu den meisten Unternehmen finden sich auch im «Kompass», einem umfangreichen Firmenverzeichnis, das in grösseren Bibliotheken, in einzelnen Berufsinformationszentren (BIZ) und auch online zum grössten Teil kostenpflichtig einsehbar ist. Am wertvollsten sind natürlich Auskünfte von Bekannten, die in der entsprechenden Firma arbeiten. Sie können zum aktuellen Geschäftsgang, dem Betriebsklima und zum Management Hinweise geben.

Sich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten heisst auch, sich Antworten auf mögliche Fragen zu überlegen. Mit Sicherheit wird der Interviewer Hintergründe zu Stellenwechseln, Lücken im Lebenslauf oder abgebrochenen Ausbildungen wissen wollen. Häufig gestellt werden aber auch Fragen zu persönlichen Stärken und Schwächen, zum Umgang mit Vorgesetzten oder zu Lösungsstrategien bei Problemen am Arbeitsplatz.

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Kaum einen überzeugenden Eindruck macht, wer sich erst während des Bewerbungsgesprächs überlegt, wieso er gerade für diese Firma arbeiten möchte, was er von der Stelle erwartet und welche privaten und beruflichen Ziele er verfolgt. Schliesslich vergeben auch alle jene ihren Kredit, die präzise Fragen des Interviewers nicht mit eigenen Worten klar und verständlich beantworten können, sondern einstudierte Redewendungen oder Floskeln aus dem Lehrbuch verwenden.

Das Vorstellungsgespräch ist eigentlich ein Verkaufsgespräch und in keinem Fall eine Einwegkommunikation. Stellenbewerber sollten sich deshalb nicht damit begnügen, dem künftigen Arbeitgeber Red und Antwort zu stehen. Sie sollten die Chance ergreifen, all ihre brennenden Fragen rund um den Arbeitsplatz, zu den Aufgaben und der Firma zu stellen. Nur so lässt sich ein Job wirklich beurteilen.

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Stellenbewerber fürchten sich vielfach vor Fragen beim Vorstellungsgespräch. Guider-Mitglieder haben jedoch einen Vorteil: In der Checkliste erfahren sie nicht nur, welche Fragen häufig gestellt werden und ob diese rechtlich wahrheitsgemäss beantwortet werden müssen, sondern auch, worauf sie bei der Lohnverhandlung achten sollten.

Ein Notizblock als Gedankenstütze

Eine intensive Vorbereitung macht sich in jedem Fall bezahlt. Das gibt einem nicht nur mehr Sicherheit und Selbstvertrauen. Präzise Antworten, intelligente und kritische Fragen machen auf den Gesprächspartner auch einen positiven Eindruck. Damit während des Gesprächs nichts vergessen geht, empfiehlt es sich, vorgängig die zentralen Fragen zu notieren. Auf einem Notizblock lassen sich auch die wichtigsten besprochenen Punkte festhalten.

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Das Thema Lohn wird in der Regel erst gegen Ende des Gesprächs angesprochen. Die Bewerberin sollte dann eine klare Lohnvorstellung haben. Idealerweise nimmt man das letzte Salär als Basis und passt es den Anforderungen der neuen Stelle an.

Liegt das Angebot deutlich unter den eigenen Vorstellungen, sollte in aller Ruhe überlegt werden, ob die Vorteile der neuen Stelle die Lohneinbusse wirklich rechtfertigen.

Während des Vorstellungsgesprächs sollten Bewerber nicht schauspielern. Das kommt meist schief heraus. Sich natürlich, offen und ehrlich geben, heisst das Erfolgsrezept.

Ähnliches gilt für die Kleidung: sauber, gepflegt sollte sie sein und zur Bewerberin sowie zum Job passen. Wer zum Interview ungeübt auf Bleistiftabsätzen daherwankt oder sich mit einem lausig gebundenen Krawattenknopf den Hals zuschnürt, dürfte zwar einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, mit Sicherheit aber den falschen. Um so mehr, wenn die Arbeitsstelle in keiner Weise ein solches Outfit erfordert.

Doch selbst ein gepflegtes Auftreten garantiert dem Bewerber nicht, dass er dem Gegenüber auch sympathisch ist. Hier spielen beispielsweise Aussehen, Grösse, Haarfarbe, Frisur, Stimme oder Gestik eine Rolle. Eine Absage kann auch auf diesen Faktoren beruhen - und nicht auf den fachlichen und menschlichen Qualifikationen der Bewerberin. In diesem Fall ist eine Absage wohl für beide Seiten das Beste.

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Tipps fürs Bewerbungsgespräch

  • Bereiten Sie sich eingehend aufs Interview vor: Sammeln Sie Infos zur Firma (Branche, Produkte, Umsatz), überlegen Sie Antworten auf mögliche Fragen, notieren Sie Fragen an den Interviewer.
     
  • Planen Sie die Anreise: Kalkulieren Sie genügend Zeit ein (Staus, Verspätungen). Erscheinen Sie weder zu früh noch zu spät.
     
  • Kleiden Sie sich sauber und gepflegt. Ihr äusseres Erscheinen muss zur Stelle passen. Nehmen Sie Notizblock, Schreibzeug und allenfalls besondere Dokumente mit (Qualifikationsblätter, eigene Arbeiten).
     
  • Begrüssen Sie den Gesprächspartner mit Namen und einem Dank für den Interviewtermin. Setzen Sie sich erst, wenn Sie dazu aufgefordert werden. Verzichten Sie aufs Rauchen, ausser man ermuntert Sie dazu.
     
  • Überlassen Sie die Gesprächsführung dem Interviewer. Sie sollten aber ein aktiver Gesprächspartner sein.
     
  • Antworten Sie präzise, ehrlich und offen. Sagen Sie, was Sie denken, zeigen Sie, was Sie fühlen. Antworten Sie auf indiskrete Fragen, die nicht im direkten Zusammenhang mit der Stelle stehen, dass diese für die Beurteilung Ihrer beruflichen Eignung kaum ausschlaggebend sein können.
     
  • Schimpfen Sie nicht über ehemalige Arbeitgeber und Vorgesetzte. Verheimlichen Sie aber nicht, wenn die Chemie nicht stimmte. Plaudern Sie keine Interna Ihrer jetzigen Firma aus.
     
  • Stellen Sie Fragen an den möglichen Arbeitgeber (warum Stelle frei wird, Kompetenzen, Arbeitsplatz, Firmenpolitik, Arbeitszeit, Sozialleistungen, Weiterbildung).
     
  • Verlangen Sie ein Gespräch mit Ihrem direkten Vorgesetzten und eine Besichtigung des Arbeitsplatzes.
     
  • Keine Angst vor Tests: Sie helfen aufzuzeigen, ob Sie die geforderten Eigenschaften für die Stelle besitzen.
     
  • Machen Sie sich vor dem Interview Gedanken zum Lohn. Erkundigen Sie sich bei Unsicherheit beim Berufsverband über branchenübliche Saläre. Geben Sie eine Verhandlungsbasis an.
     
  • Spielen Sie kein Theater. Bleiben Sie Sie selbst.

Verbotene und heikle Fragen

Fragen, die verboten sind:

In einem Job-Interview dürfen grundsätzlich nur Fragen gestellt werden, die einen klaren Bezug zur ausgeschriebenen Stelle haben. Fragen nach politischer, religiöser oder sexueller Orientierung sowie nach dem Gesundheitszustand, der Familienplanung oder nach Vermögensverhältnissen sind nicht zulässig, ebenso wenig wie solche nach den Gründen für den geplanten Stellenwechsel. In solchen Situationen darf ein Kandidat nach Meinung vieler Juristen schummeln und eine «Notlüge» auftischen.

Etwas anders verhält es sich bei sogenannten Tendenzbetrieben. Dort muss man – je nach Ausrichtung des Unternehmens – auch Fragen zu Gesundheit oder Privatleben ehrlich beantworten. Bewirbt sich etwa ein Journalist bei ­einer Redaktion, muss er über seine Parteizugehörigkeit Auskunft geben.

Heikle Fragen im Bewerbungsgespräch

Merkblatt Vorstellungsgespräch:
So antworten Sie geschickt (PDF, 520 kb)

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