«Gspüürt han i nüüt, aber sauschöön isch s gsii.» So und ähnlich klang jeweils das Fazit der Redaktionsmitglieder, die sich an verschiedenen «Kraftorten» in der Schweiz auf die Suche nach mehr Energie machten. Mag sein, dass unseren Testpersonen schlicht die nötige Empfindsamkeit abging. Anhänger esoterischer Lehren glauben nämlich, an solchen Orten spirituelle, kosmische Energien zu spüren: Sogenannte Kraftorte sollen dazu verhelfen, die eigenen Batterien wieder aufzuladen.

Die Geomantie beschreibt die Weltkugel als lebendes Wesen, das von einem Netz von Energielinien überzogen ist, ähnlich den Nervenbahnen und Meridianen des menschlichen Körpers. Wo die gitterförmig ausgelegten Kraftlinien aufeinandertreffen, sollen die Kräfte besonders stark strahlen.

Hier kommt die Radiästhesie, die Lehre vom Pendeln, ins Spiel. Pendler behaupten, diese Kräfte lokalisieren zu können. Die Einheit, mit der die Stärke von Kraftorten heute «gemessen» wird, heisst Bovis, benannt nach ihrem Erdenker, dem französischen Physiker und Rutengänger André Bovis (1871-1947). Um den Bovis-Wert festzustellen, erpendelt ein Radiästhet die Intensität eines Energiefelds - diese rein intuitiv ermittelten Werte sind allerdings nicht überprüfbar. Phänomene wie starker Moosbewuchs an Bäumen und eigenwillige Wuchsformen, geologische Verwerfungen, Quellen oder Grotten gelten als Indizien für Knotenpunkte, ebenso wie Kultstätten jeglicher Couleur.

Anhänger dieser Lehren gehen davon aus, dass neutrale Orte rund 7000 Bovis-Einheiten (BE) ausstrahlen. Werte ab 13'500 BE deuten auf sakrale Kräfte, ab 18'000 BE befinde man sich im kosmischen Strahlenbereich. Während der Besuch eines hochenergetischen Kraftorts dazu dienen soll, die eigenen Kraftreserven aufzutanken, soll der Aufenthalt in negativ geladenen Orten mit Werten unter 6000 BE Kraft kosten.

Sicher ist, dass es Orte auf dieser Welt gibt, deren Schönheit einem das Herz aufgehen lässt; die den Verstand an den Rand des Verstehens bringen; die das Auge besänftigen und den Puls beruhigen; die die Seele heilsam umfangen. Kurz, die einen etwas spüren lassen. Solche Orte kann man als Kraftorte bezeichnen, auch wenn man wie unsere Tester keine besonderen Energien wahrnimmt, sondern sich nur verzaubern lässt, ganz ohne Hokuspokus. Darum lohnt sich ein Besuch allemal.

Zehn Kraftorte, deren Besuch sich lohnt

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Kristallhöhle Kobelwald und Felsenburg Wichenstein SG

Vom Parkplatz Kobelwald geht es steil bergauf in den Wald bis zum Eingang der Kristallhöhle. Kleine Steintreppen führen ins Innere des Bergs. Die mit Kalzitkristallen übersäten Wände glitzern und funkeln um die Wette, leise plätschert das klare Wasser des Höhlenbachs. Längere Zeit in der Höhle zu verweilen soll das Selbstvertrauen stärken sowie das Immunsystem und den Stoffwechsel anregen, glauben Kraftortanhänger.

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Anschliessend gehts zur Felsenburg Wichenstein, um die sich verschiedene abenteuerliche Sagen ranken: Raubgesellen, die hier einst gewohnt hätten, sollen bis zum heutigen Tage als grosse schwarze Hunde umherwandeln, und auch von einer Schatzkiste, die von einer grässlichen Kröte bewacht wird, ist die Rede. Als gesicherte Erkenntnis darf hingegen gelten, dass die imposante Frontmauer mit Fenstern und Schiessscharten und der grandiose Blick aus dem Burginneren über die Rheinebene einen Besuch allemal lohnen. Gabriele Herfort


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Route:
Ab Parkplatz Kobelwald führt ein Fussweg zur Kristallhöhle, danach gehts weiter zur Burg Wichenstein und dann zurück nach Oberriet.
Dauer: 2 Stunden
Anreise: mit dem Auto oder dem Rheintalbus nach Oberriet fahren, danach den Schildern folgen
Restaurants: in Kobelwald, Oberriet und Montlingen, sonst ist Picknick angesagt
Öffnungszeiten der Kristallhöhle: zwischen Ostern und 31. Oktober sonntags von 11 bis 17 Uhr, in den Sommerferien täglich.
Höhlenwart: Telefon 071 761 19 77

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Moorlandschaft Loowald OW

Nebelschwaden ziehen den Hang herauf. Tapfer leuchten königsblauer Gauchheil, rosa Alpennelken, Schlüsselblumen und sonnengelbe Trollblumen aus der taufeuchten Wiese dem Wanderer entgegen. Vorbei an Kalkvorkommen, die sich als weisse Bänder durch die Wiesenhänge ziehen, über ein Stück Naturstrasse, vorbei an zwei Alpsitzen, folgt man im moorigen Hang einem Prügel- und Bohlenpfad hinauf zum Loowald. Schliesslich taucht aus dem Nebel eine verwunschene Landschaft auf: Uralte, knorrige, von Moos überwucherte Bergföhren stehen auf den sanften, feuchten Matten wie beseelte Wesen. Viele der Koniferen zeigen Verwachsungen, die Geomanten auf energetische Kraftfelder zurückführen.

Fast erwartet man, hinter den urigen Tännlein, den moosigen Baumstämmen Trolle, Zwerge oder Elfen zu erspähen - immerhin gelten Moore in einschlägigen Kreisen als naturwesenaffin -, und auch ein Einhorn käme gelegen. Doch nein, der Zauber der Landschaft muss genügen. Und tut es auch. Andrea Haefely

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Route: vom Parkplatz Glaubenbielenpass (1565 Meter über Meer) via Rübihütte/Unterwengen Richtung Sattelpass zum magischen Loowald (rund 1600 Meter über Meer)
Dauer: 2,5 Stunden (reine Wanderzeit)
Anreise: mit dem Postauto ab Giswil zum Glaubenbielenpass oder mit dem Auto nach Giswil, dann auf der Panoramastrasse Richtung Sörenberg fahren; Parkplätze auf dem Pass
Restaurants: Auf dem Glaubenbielenpass gibt es einen Automaten mit Bergkäse, Salsiz und anderen einheimischen Spezialitäten.

Creux du Van NE

Der hufeisenförmige Felszirkus Creux du Van an der Grenze zwischen den Kantonen Waadt und Neuenburg strahlt gemäss Kraftortanhängern eine energetische Kraft von 26'000 Bovis-Einheiten aus. Ob da auch wirklich was strahlt oder nicht, kümmert weder Steinböcke noch Gämsen: Als befänden sie sich im Hochgebirge, hüpfen die Tiere in den 160 Meter hohen, steil abfallenden Felswänden herum - dabei liegt das Gebiet lediglich auf 1200 bis 1450 Metern über Meer.

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Trittsichere wandern von Noiraigue im Val-de-Travers mitten durch den Felsenkessel zur Ferme du Soliat hinauf. Wer die Wanderschuhe nicht anziehen mag, fährt von der anderen Seite mit dem Auto bis zum oberen Rand dieser einzigartigen Felsformation, die an den Grand Canyon erinnert.

Weil man aber nicht in den USA, sondern im Jura ist, wäre danach ein Bärlauchfondue in der Beiz der Ferme du Soliat angezeigt. Falls nicht alle Plätze schon besetzt sind, ist drinnen wie draussen auch Picknick erlaubt. Wer von der Schönheit so fasziniert ist, dass er gleich bleiben will, übernachtet im Massenlager oder in einem der Gästezimmer. Walter Noser

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Route: ab der Ferme du Soliat oder ab Noiraigue und zurück
Dauer: für Wanderer 2 Stunden Aufstieg, für Autofahrer 5 Minuten Spaziergang
Anreise: mit dem Zug nach Noiraigue oder mit dem Auto via Couvet oder St-Aubin zur Ferme du Soliat gleich neben dem Abgrund der Felsformation
Restaurants: urgemütlich in der Ferme du Soliat, dort gibt es auch Übernachtungsmöglichkeiten

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Taminaschlucht SG

Das Alte Bad Pfäfers wartet mit einem sehenswerten Museum auf. Alte Stiche zeigen, wie Badegäste an Körben in die Taminaschlucht abgeseilt wurden; Paracelsus, Nietzsche, Rilke und weitere Geistesgrössen rühmen den wild-romantischen Ort und die Heilkraft des Wassers. Restaurierte Gästezimmer, die ursprüngliche Hotelküche und Plakate zeugen von der Badekultur im 19. Jahrhundert, bevor das Heilwasser nach Bad Ragaz geleitet und das Alte Bad stillgelegt wurde. Der Besuch der Quelle ist ein absolutes Muss. Der in den Fels gehauene Weg ist mit einer Glasscheibe geschützt.

Nach der Rückkehr zum Alten Bad beginnt der Aufstieg durch die Schlucht; der Abstand zwischen den bis zu 60 Meter hohen Felswänden beträgt an den engsten Stellen nur rund zehn Meter. Nach gut einer halben Stunde Fussmarsch führt die Naturbrücke über die Schlucht: Sie liegt direkt über der Quellspalte, die den Blick ins Innere von Mutter Erde freigibt. Ein Kraftort? Zumindest bewältigt, wer einige Minuten verweilt, die anschliessenden Holztreppen zweifelsohne besser und erreicht das Dorf Pfäfers entspannter. Urs von Tobel

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Route: vom Alten Bad Pfäfers (680 Meter über Meer) zur Heilquelle (Eintritt 4 Franken) über die Naturbrücke nach Pfäfers Dorf (820 Meter über Meer) und via Rhein nach Bad Ragaz (502 Meter über Meer)
Dauer: 3 Stunden
Anreise: vom Bahnhof Bad Ragaz per Postauto nach Pfäfers, Altes Bad; keine Autos auf der Strasse ins Alte Bad Pfäfers erlaubt
Restaurants: Altes Bad Pfäfers, bedient und Selfservice; weitere in Pfäfers Dorf

Megalithe in Mettmenstetten ZH

Sicher ist: Obelix war nie im Säuliamt, wie die Gegend zwischen Zürich und Zug im Volksmund heisst. Sonst hätte der Gallier aufgeräumt mit den Hinkelsteinen, die in den Wäldern um Mettmenstetten herumstehen. Das freut heute jene, die Steinreihen und Menhiren eine gewisse Mystik abgewinnen - und irgendwie rätselhaft ist die in der Jungsteinzeit entstandene Megalithkultur (von griechisch «mégas» = gross, «líthos» = Stein) selbst für nüchterne Zeitgenossen -, falls sie sie entdecken: So liegen die beiden 70 und 90 Meter langen Megalithreihen in den Buebenauen (nach 30 Minuten Fussweg, nahe dem Haselbach) versteckt hinter dichten Hecken. Grössere Reihen gibt es auch im Wildental (eine Stunde Wanderung, beim Schützenhaus Wissenbach) und auf dem Hügel Homberg, der unter Anhängern als Kraftort bekannt ist (nach gut zwei Stunden Wanderung, Wegweiser Herferswil folgen). Auf dem höchsten Punkt des Rundwegs folgt der Höhepunkt: ein knapp zwei Meter hoher Menhir, ein Hinkelstein obelixscher Prägung.

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Und die Mystik? Irgendwelche Schwingungen am Kraftort? Nicht wirklich. Immerhin: Auf dem Homberg macht der Kugelschreiber des Rapportierenden schlapp - Zufall? Bei der Rückreise im Zug fliesst die Tinte jedenfalls wieder. Daniel Benz

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Route: vom Bahnhof Mettmenstetten über die Weiler Wissenbach und Sternen hinauf zum Homberg (677 Meter über Meer) und wieder zurück zum Bahnhof
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten (reine Wanderzeit)
Anreise: S-Bahn-Linie 9 (32 Minuten ab Zürich HB) oder mit dem Auto von Zürich über Affoltern am Albis; Parkplätze beim Bahnhof Mettmenstetten
Restaurants: diverse im Dorf, Besenbeiz beim Hof Sternen

Eremitage bei Arlesheim BL

Balbina von Andlau, Gemahlin des bischöflichen Landvogtes, dachte wohl nicht an mystische Kräfte, als sie 1785 das Arlesheimer Schloss Birseck samt englischem Garten erbauen liess. Auch die noblen Damen und Herren, die hier ausgiebig lustwandelten, dürften von Schwingungen - die Eremitage gilt unter Anhängern als hochwertiger Kraftort mit stolzen 75'000 Bovis-Einheiten - kaum etwas gemerkt haben. Die Eremitage war Ende des 18. Jahrhunderts nicht wegen mystischer Kräfte bekannt, sondern als grösster englischer Landschaftsgarten der Schweiz.

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Dann aber schleiften die Franzosen Schloss und Anlage, später liess sich ein Eremit in den Höhlen und Grotten am Hang nieder, und heute ist es zum Teil nur noch Ruine. Doch auf den gewundenen Weglein am Schlosshang lassen sich noch so manche Spuren früherer Zeiten ausmachen: ein (restaurierter) «temple rustique» etwa, die Dianagrotte und alte Steinbänke und Inschriften. Im Naturschutzgebiet unten im Tal kann man zudem seltene Lilien bestaunen. Ein Kraftort? Vielleicht gedeihen deshalb die fetten Karpfen so gut in den schilfumkränzten Weihern. Dominique Hinden

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Route: von der Tramstation Arlesheim Dorf in die Eremitage, dort ein Rundspaziergang und wieder zurück
Dauer: 1,5 Stunden
Anreise: vom Bahnhof Basel Tram 10 Richtung Dornach bis Arlesheim Dorf, von da an ist die Eremitage ausgeschildert; per Auto: bis Arlesheim, wenige Parkplätze im Dorf
Restaurants: in der Eremitage keine (Naturschutzgebiet, keine Feuerstelle!); im alten Dorfkern von Arlesheim jedoch einige Beizen

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Unterirdischer See St-Léonard VS

Der Zugang zum grössten unterirdischen See Europas liegt mitten in den Weinbergen des Wallis, am Rand von St-Léonard bei Sitten. Eine Stahltreppe führt steil hinab. Weisse Barken schaukeln auf dem Wasser, das dank geschickt eingesetztem Scheinwerferlicht türkis schimmert. Ein Ort voller Zauber und Romantik.

Der Bootsmann, ein knorriger Walliser, treibt die Barke mit einem leichten Fusstritt in den See hinaus. Wer denkt da nicht an die griechische Mythologie, an Charon, den düsteren, greisen Fährmann, der die Toten über den Fluss Styx in die Unterwelt Hades bringt? Die fünf munteren Rentnerinnen an Bord jedenfalls nicht. Sie unterhalten sich über Pouletrezepte und dann über etwas, bei dem Unterhosen und Badezimmer eine Rolle spielen.

Erst als die Barke die Seemitte erreicht hat, vermag die Schönheit des Ortes auch die Damen zum Schweigen und Staunen zu bringen. Rund 300 Meter lang ist der See, sechs Grad kalt und bis zu zehn Meter tief - das Auge erkennt im kristallklaren Wasser noch kleinste Details am Grund. Am Ende des Sees, 300 Meter tief im Berg, haben die Betreiber eine Marienstatue aufgestellt. «Ein knackiger Boy wäre die viel bessere Idee gewesen», platzt es aus einer der Damen heraus. Sofort und ausgiebig prustet die Gruppe los. Die letzten Zweifel sind damit ausgeräumt: Beim «lac souterrain» muss es sich - auch ohne die angeblichen 14'000 Bovis-Einheiten - um einen Kraftort handeln. Sogar um einen mit enormen Kraftreserven. Gian Signorell

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Route: eine Rundfahrt auf dem unterirdischen See
Dauer: knapp 30 Minuten
Anreise: per Zug bis St-Léonard, 1 Kilometer Fussweg bis zum See; oder mit dem Auto, Parkplätze vorhanden
Restaurants: beim Eingang ein Café mit Snacks

Einsiedelei in der Verenaschlucht SO

Keine zehn Schritte hinter dem Parkplatz der Kirche St. Niklaus bei Solothurn beginnt ein Stück vergessene Welt. Anstelle von Motorenlärm hört man Vogelgezwitscher, anstelle des dröhnenden Verkehrsflusses rauscht ein Bächlein durch die Schlucht. Alles ist organisch. Selbst die Brücken mit ihren Geländern aus Ästen wirken, als ob sie gewachsen wären. Hätte Dornröschen sich aussuchen können, wo sie sich mit der Spindel sticht, sie hätte vermutlich die Verenaschlucht gewählt.

In der angenehmen Kühle geht der Puls langsamer. Man grüsst andächtig leise und ist der Französischen Revolution still dankbar: Wegen dieser hat es nämlich den Baron Louis Auguste de Breteuil hierherverschlagen, der 1791 den leicht ansteigenden Weg durch die Schlucht anlegte. Am nördlichen Ende öffnet sich die Schlucht und gibt den Blick frei auf die Einsiedelei mit Kapelle, Häuschen und Grotte, an deren Nordwand 27000 Bovis-Einheiten gemessen worden sein sollen. Dahinter endet das Stückchen vergessene Welt leider schon wieder. Matieu Klee

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Route: rund 2 Kilometer nordöstlich des Bahnhofs Solothurn von der Kirche St. Niklaus zur Einsiedelei St. Verena
Dauer: 15 Minuten
Anreise: mit dem Zug nach Solothurn, von dort mit Bus Nummer 4 Richtung Rüttenen bis Station St. Niklaus fahren; mit dem Auto: Autobahnausfahrt Solothurn Ost, dann weiter Richtung Biel/Grenchen; beim braunen Wegweiser «Einsiedelei» rechts abbiegen; Parkplätze bei der Kirche St. Niklaus
Restaurants: Restaurant Einsiedelei, Restaurant Kreuzen mit lauschigem Garten oder Restaurant Pintli bei der Kirche St. Niklaus

Märchenwald Friberg GR

Von Zwergen, die mit goldenen Sägen Kristalle schneiden, erzählt man sich hier, von andächtig Betenden, die nächtens umherziehen. Und vor allem von einer schönen jungen Dame, der Jungfrau der Burgruine Friberg, die einen Jüngling erst den Verstand und schliesslich das Leben kostete.

Auf der sogenannten megalithischen Sonnenkultlinie Bündens, der Senda Sursilvana (eine Etappe des Höhenwegs zwischen Chur und Oberalppass), ist mehr zu entdecken als das faszinierende Panorama: so die Sonnen-, Mond- und Planetenkultstätte in Falera, zu Beginn der Wanderung. Oder bei Ruschein der Frundsberghügel mit seinen Schalensteinen. Man erfährt vom Quellheiligtum des Orts oder eben von der Geschichte der Jungfrau von Siat. Dort, am Ende der Wanderung, geht es zum Burghügel und auf der anderen Seite hinunter zum Märchenwald Friberg. Man glaubt zu schweben, so weich ist der Boden. Ort und Zeit vergessend, geht man staunend zwischen Bäumen, berührt die mit Moos bewachsenen Felsblöcke und - ja - spürt die Kraft. Andrea Elmer

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Route: von St. Remigius bei Falera über Ladir nach Ruschein und Siat
Dauer
: 6 Stunden
Anreise nach Siat
: Wer direkt nach Siat möchte, erreicht den Ort mit dem Postauto oder dem Auto von Ilanz aus via Rueun.
Restaurants und Übernachtung
: in Rueun, Ruschein, Ladir oder Falera

Fünf-Fluss-Ort Redòrta TI

Das Ende der Welt existiert tatsächlich - zumindest vermag Sonogno als hinterstes Dorf des Verzascatals diesen Eindruck zu vermitteln. Rund zehn Minuten taleinwärts stürzt der Froda-Wasserfall mit ungebremster Wucht in die Tiefe und ergiesst sich zuerst in ein kleines Becken, bevor er seinen Weg im Redòrta-Bach fortsetzt. Intime Kenner der feinstofflichen Welt meinen hier Anzeichen für den heimlichen Wohnort einer Nymphe oder einer lokalen Flussgottheit zu finden. Wirklich gesehen wurden diese allerdings noch nie. Es sei dahingestellt, ob von Schwingungen einer höheren Macht oder durch das blosse Zusammenwirken physikalischer Kräfte verursacht: An diesem aussergewöhnlichen Ort zu stehen hat eine herrlich berauschende Wirkung.

Der Fünf-Fluss-Ort Redòrta ist bloss ungefähr zehn Gehminuten vom Wasserfall entfernt - daher ist die Strecke auch für Wandermuffel ausgezeichnet geeignet. Aus mythologischer Perspektive stellen die fünf ineinanderfliessenden Bäche eine menschliche Hand dar, was als harmonisches Zusammenwirken der fünf Elemente verstanden werden kann. Davon war vor Ort zwar nicht viel zu spüren, dennoch lohnt es sich allein schon wegen des bezaubernden Anblicks hinaufzusteigen. Marina Omaljev

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Route: von Sonogno zum Froda-Wasserfall, von dort zum Fünf-Fluss-Ort Redòrta - Rückkehr nach Sonogno
Dauer: 2 Stunden (reine Wanderzeit)
Anreise: mit dem Zug oder dem Auto nach Locarno, dann mit dem Postauto nach Sonogno
Restaurants: Ristorante Alpino, Café Enoteca Redòrta (beide im Dorf)