Der Fund im Hitzesommer 2003 im Berner Oberland war eine kleine Sensation für Archäologen: Der Gletscher am Schnidejoch gab Ausrüstungsgegenstände aus der Jungsteinzeit frei, die einen Einblick in die Kunstfertigkeit unserer Vorfahren erlauben. Die ältesten Funde, einige Pfeilspitzen, stammen aus der Zeit um 4500 vor Christus und sind damit etwa 1500 Jahre älter als die Gletschermumie Ötzi.

Spannungsbogen durch die Jungsteinzeit

Im Bernischen Historischen Museum sind die Fundstücke nun erstmals zu sehen, im Rahmen der Ausstellung «Die Pfahlbauer – Am Wasser und über die Alpen».

Aus wasserdichtem Birkenkork hatte «Schnidi» – wie der Repräsentant des jungsteinzeitlichen Jägers in Fachkreisen genannt wird – ein Futteral für seinen Bogen gefertigt, der nur in trockenem Zustand seine Spannkraft behält. Noch sind Teile davon tiefgefroren zu besichtigen, weil die Wissenschaftler zunächst die geeignete Methode finden müssen, um den wertvollen Fund in die Gegenwart zu retten.

Die Ausstellung dokumentiert zudem, wie der Alltag der Menschen in der Schweiz zwischen 4300 und 800 vor Christus aussah: Als Pfahlbauer lebten sie nahe am Wasser. Weil ein Grossteil des Mittellands noch bewaldet war, kam den Gewässern ­eine grosse Bedeutung als Transportwege und Jagdgründe zu. Dennoch überquerten die Menschen wie «Schnidi» auch die Alpen, um zu jagen oder Handel zu treiben.

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Nebst den Funden aus der Bronze- und der Jungsteinzeit illustrieren Siedlungs­modelle und grossformatige Lichtbilder das Leben von damals.

Infos: Das Bernische Historische Museum ist ab Hauptbahnhof Bern in etwa 10 Minuten zu Fuss oder mit den Tramlinien 6, 7 und 8 (bis Station Helvetiaplatz) erreichbar. Die Ausstellung «Die Pfahlbauer – Am Wasser und über die Alpen» ist noch bis 26. Oktober geöffnet, jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Für Kinder im Schulalter wird ein spezieller Audioguide angeboten.
www.bhm.ch

Quelle: Christine Moor
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