Um das Preis-Leistungs-Verhältnis von neun Skateboards nach Kriterien wie Geräusch oder Schleuderverhalten zu bewerten, brauchts ungefähr so viel Insiderwissen wie für die Unterscheidung von neun Bleistiften am Geschmack: für Hobbyskater ein Ding der Unmöglichkeit.

Für den Beobachter-Skateboard-Test kamen daher nur Cracks in Frage. Engagiert wurde das «SigSagSug»-Team, fünf Skater aus Winterthur und Umgebung – alles Männer, denn Frauen gibt es in dieser Branche kaum. «Sie sind noch nicht so weit», lautet der O-Ton aus der Szene.

Also traten Mono, Müller, Severin, Sevi und Sörfi an. Die Jungs im Alter zwischen 15 und 28 sind quasi mit einem Skateboard an den Füssen geboren worden. Die Liste der Spitzenplätze und gewonnenen Wettbewerbe ist beachtlich.

Das «SigSagSug»-Team hatte die Aufgabe, eine Auswahl so genannter Completdecks – konzipiert für den Einsatz auf der Strasse und im Skaterpark – zu testen. Completdecks werden von den Herstellern fertig montiert geliefert – also mit Achsen, Kugellagern und Rädern. Zu kaufen gibt es sie sowohl bei Grossverteilern als auch im Fachhandel. Bei Preisen ab knapp 40 bis 249 Franken richtet sich das Angebot an Anfänger und Fortgeschrittene.

«Was für eine grauenhafte Gurke!»
Unter die Massenware wurden auch zwei erstklassige Bretter gemischt: Anhand dieser «Referenz» sollten die Tester herausfinden, ob die Skateboards sich nur preislich oder auch qualitativ unterscheiden. Mit 380 Franken kosten die mit optimalen Achsen, Rädern und Kugellagern ausgerüsteten Supergeräte rund zehnmal mehr als das billigste Warenhausprodukt.

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Der Test fand an einem der letzten heissen Sommerabende statt. Die Hitze beeindruckte die Jungs allerdings nicht: Ungerührt fetzten sie durch den Winterthurer Skaterpark «Block», jagten die Bretter über Rampen, sprangen über Hindernisse, fuhren die überhöhten Steilwände hoch und legten auf der Ebene enge Kurven hin. Und immer wieder machten sie Halt, um ihre Testblätter auszufüllen: Aufgabe war, die Decks mit Noten von 1 (Minimum) bis 10 (Maximum) zu bewerten. Dabei sollten sie sich nicht gegenseitig beeinflussen, weshalb es die Aufgabe kommentarlos zu erledigen galt. Sie schwiegen zumindest so lange, als die Stille auszuhalten war. Kochten die Emotionen über, kamen entsprechend deutliche Worte – zum Beispiel: «Was für eine grauenhafte Gurke!»

Bei allen Boards waren Schriftzüge und Logos, die Rückschlüsse auf den Hersteller zulassen, abgedeckt worden. Die Tester sollten die insgesamt vier Kriterien möglichst unvoreingenommen prüfen.

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  • «Pop» (deutsch: «Knall»): Das Pop eines Skateboards gibt Auskunft über die Qualität und die Verarbeitung des Holzes. Getestet wird das Pop, indem der Skater kräftig auf ein Ende des Boards tritt, so dass das andere Ende auf den Boden knallt. Dabei entsteht jenes charakteristische Geräusch, das es zu analysieren gilt. Je klarer und reiner der Ton, desto besser die Verarbeitung des Holzes und desto höher die Spannung des Bretts. Dadurch reagiert es schneller, ist beweglicher und ermöglicht höhere Sprünge. Das Profibrett «District» hat hier die Maximalpunktezahl erreicht.

  • «Shape» (deutsch: «Form»): Die Decks sind nicht flach, sondern werden in eine leicht wannenartige Form gepresst: Nase und Ende ragen in die Luft, die Seitenränder wölben sich. Je nach Design und Verarbeitung entstehen dabei Unterschiede, die sich massgebend auf Fahrbarkeit und Beherrschbarkeit des Boards auswirken.

  • «Trucks» (deutsch: «Untergestell»): Da Skateboards über Gewichtsverlagerung gesteuert werden, entscheiden die Achsen über die Lenkbarkeit. Während gute Achsen auf jeden Druck reagieren und das Board in die gewünschte Richtung drehen, lassen andere kaum mehr als einen sturen Geradeauskurs zu. Wurden zudem die Befestigungslöcher des Untergestells falsch gebohrt wie beispielsweise beim Epa-Brett «PointBreak», sinkt der Fahrspass auf null.

  • «Wheels» (deutsch: «Räder»): Sind die Räder des Boards zu weich, saugen sie sich am Boden fest – es kommt zu grosser Reibung und damit zu Geschwindigkeitsverlust. Erst ab einer gewissen Härte beginnen die Räder in den Kurven zu rutschen, womit sich die gewünschten Schleudereffekte erzielen lassen. Manor hat hierbei eine gute Wahl getroffen: Das vergleichsweise günstige Skateboard «Empire» kommt in diesem Bereich erstaunlich nahe an die Profiprodukte heran.

  • Wertschätzung: Als letzte Aufgabe sollten die «SigSagSug»-Tester für jedes Skateboard einen Preis definieren, den sie dafür zu zahlen bereit wären. In der Schätzung sollte sich ihr persönlicher Gesamteindruck, ausgedrückt in Franken, spiegeln. Um die Angaben in einem realistischen Rahmen zu halten, kannten die Skater die Bandbreite der effektiven Preise. Am auffälligsten schnitt das «Pumpkin»-Board ab: Es war den Testern 113 Franken weniger wert, als es effektiv kostet. Hauptkritik: zu weiche Achsen.

Tester erlitt «eine Art Kulturschock»
Der Test brachte als Resultat fünf nass geschwitzte T-Shirts und einen Stapel ordentlich ausgefüllter Blätter. Eine erste Durchsicht ergab folgenden Gesamteindruck: Wer ein Skateboard kauft, erhält auf jeden Fall einen Gegenstand, auf den man draufstehen und mit dem man der Nase langfahren kann – unabhängig vom Preis. Doch das ist die einzige Gemeinsamkeit. Zwischen den einzelnen Boards zeigen sich so deutliche Unterschiede, dass selbst die Testcrew erstaunt war.

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Schwangen die Profiboards und die obere Preisklasse der Completdecks mit Noten bis 9,0 obenaus, landeten die preislich günstigen Warenhausprodukte mit deutlichem Abstand auf den hinteren Plätzen: Keines der Boards aus Epa, Manor, Coop und Migros schaffte ein «genügend», was der Note 5 entsprochen hätte.

Am wenigsten gefielen den Skatern das Epa-Produkt «PointBreak» (viel zu dickes und schweres Deck) sowie das Coop-Brett «BlueMoon»: Auf diesem Gerät stehend, erleide er «eine Art Kulturschock», meinte ein Tester. Allerdings vermochte auch ein weit teureres Board, das «K2» für 249 Franken, die Hürde zu einer genügenden Note nur knapp zu nehmen: Mit der Bewertung 5,4 schnitt es wenig besser ab als das beste – und um zwei Drittel billigere – Warenhausprodukt «Empire» von Manor.

Bestnoten erzielten die beiden Profigeräte: das in der Schweiz designte, aber in Amerika hergestellte Board «District» sowie «Word» – ein hundertprozentiges Schweizer Produkt, das im bündnerischen Mastrils geschreinert wird.

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Punkto Preis-Leistungs-Verhältnis am besten abgeschnitten hat das US-Board «Birdhouse». Als bestes Completdeck besticht es mit der Gesamtnote 7,6. Die Skater erwiesen dem Brett ihren Respekt, indem sie bei der Schätzung des Preises weit danebengriffen: Bei einem Ladenpreis von 239 Franken massen sie dem Board einen Wert von stolzen 300 Franken zu.

District
ElastizitätNote 10,0
Form des BoardsNote 9,4
LenkbarkeitNote 9,2
RäderNote 9,4
Kugellager1Note 7,0
Gesamtnote9,0
VerkaufsstelleFachgeschäft
HerstellungslandCH/USA
Holzschichten7
Holzartkanadisches Ahorn
Ladenpreis380 CHF
Preis, geschätzt380 CHF
Differenz20
1Die Bewertung der Kugellager entspricht den Herstellerangaben, gemessen in ABEC (Einheit für Laufgenauigkeit).
2Die Differenz spiegelt den qualitativen Mehr- oder Minderwert, den die Tester den Boards beimessen.
 
Word
ElastizitätNote 9,0
Form des BoardsNote 8,2
LenkbarkeitNote 8,2
RäderNote 9,4
Kugellager1Note 7,0
Gesamtnote8,4
VerkaufsstelleFachgeschäft
HerstellungslandCH
Holzschichten7
Holzartkanadisches Ahorn
Ladenpreis380 CHF
Preis, geschätzt330 CHF
Differenz2-50
1Die Bewertung der Kugellager entspricht den Herstellerangaben, gemessen in ABEC (Einheit für Laufgenauigkeit).
2Die Differenz spiegelt den qualitativen Mehr- oder Minderwert, den die Tester den Boards beimessen.
 
Birdhouse
ElastizitätNote 8,6
Form des BoardsNote 8,2
LenkbarkeitNote 7,2
RäderNote 8,8
Kugellager1Note 5,0
Gesamtnote7,6
VerkaufsstelleFachgeschäft
HerstellungslandChina
Holzschichten7
Holzartkanadisches Ahorn
Ladenpreis239 CHF
Preis, geschätzt300 CHF
Differenz2+61
1Die Bewertung der Kugellager entspricht den Herstellerangaben, gemessen in ABEC (Einheit für Laufgenauigkeit).
2Die Differenz spiegelt den qualitativen Mehr- oder Minderwert, den die Tester den Boards beimessen.
 
Pumpkin
ElastizitätNote 7,8
Form des BoardsNote 6,8
LenkbarkeitNote 5,6
RäderNote 7,2
Kugellager1Note 5,0
Gesamtnote6,5
VerkaufsstelleFachgeschäft
HerstellungslandCH/USA
Holzschichten7
Holzartkanadisches Ahorn
Ladenpreis299 CHF
Preis, geschätzt186 CHF
Differenz2-113
1Die Bewertung der Kugellager entspricht den Herstellerangaben, gemessen in ABEC (Einheit für Laufgenauigkeit).
2Die Differenz spiegelt den qualitativen Mehr- oder Minderwert, den die Tester den Boards beimessen.
 
K2
ElastizitätNote 6,8
Form des BoardsNote 5,2
LenkbarkeitNote 4,6
RäderNote 5,4
Kugellager1Note 5,0
Gesamtnote5,4
VerkaufsstelleFachgeschäft3
HerstellungslandN/D
Holzschichten7
Holzartfinnische Birke
Ladenpreis249 CHF
Preis, geschätzt162 CHF
Differenz2-87
1Die Bewertung der Kugellager entspricht den Herstellerangaben, gemessen in ABEC (Einheit für Laufgenauigkeit).
2Die Differenz spiegelt den qualitativen Mehr- oder Minderwert, den die Tester den Boards beimessen.
3Das «K2»-Skateboard ist ab Frühjahr 2004 im Handel.
 
Empire
ElastizitätNote 3,8
Form des BoardsNote 3,2
LenkbarkeitNote 3,4
RäderNote 8,6
Kugellager1Note 3,0
Gesamtnote4,4
VerkaufsstelleManor
HerstellungslandChina
Holzschichten9
Holzartkanadisches Ahorn
Ladenpreis79.904 CHF
Preis, geschätzt68 CHF
Differenz2-11.90
1Die Bewertung der Kugellager entspricht den Herstellerangaben, gemessen in ABEC (Einheit für Laufgenauigkeit).
2Die Differenz spiegelt den qualitativen Mehr- oder Minderwert, den die Tester den Boards beimessen.
4Aktionspreis. Der normale Verkaufspreis beträgt 99 Franken.
 
Killerloop
ElastizitätNote 5,4
Form des BoardsNote 4,2
LenkbarkeitNote 4,0
RäderNote 4,0
Kugellager1Note 1,0
Gesamtnote3,7
VerkaufsstelleMigros
HerstellungslandChina
Holzschichten9
HolzartAhorn
Ladenpreis79 CHF
Preis, geschätzt83 CHF
Differenz2+4
1Die Bewertung der Kugellager entspricht den Herstellerangaben, gemessen in ABEC (Einheit für Laufgenauigkeit).
2Die Differenz spiegelt den qualitativen Mehr- oder Minderwert, den die Tester den Boards beimessen.
 
BlueMoon
ElastizitätNote 3,8
Form des BoardsNote 3,4
LenkbarkeitNote 2,2
RäderNote 2,2
Kugellager1Note 5,0
Gesamtnote3,3
VerkaufsstelleCoop
HerstellungslandChina
Holzschichten9
/Holzartkanadisches Ahorn
Ladenpreis79 CHF
Preis, geschätzt90
Differenz2+11
1Die Bewertung der Kugellager entspricht den Herstellerangaben, gemessen in ABEC (Einheit für Laufgenauigkeit).

2Die Differenz spiegelt den qualitativen Mehr- oder Minderwert, den die Tester den Boards beimessen.

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  PointBreakElastizitätNote 3,4Form des BoardsNote 2,4LenkbarkeitNote 3,0RäderNote 3,2Kugellager1Note 1,0Gesamtnote2,6VerkaufsstelleEpaHerstellungslandChinaHolzschichten7Holzartkanadisches AhornLadenpreis39 CHFPreis, geschätzt68 CHFDifferenz2+291Die Bewertung der Kugellager entspricht den Herstellerangaben, gemessen in ABEC (Einheit für Laufgenauigkeit).2Die Differenz spiegelt den qualitativen Mehr- oder Minderwert, den die Tester den Boards beimessen.Der Beobachter dankt www.sigsagsug.ch für Support.

Skateboardtypen: Bretter für jeden Gusto

Skateboards:
Mitte der sechziger Jahre kamen Skateboards als simple Holzbretter mit Rädern auf. Erst die Weiterentwicklung zum Brett mit überhöhten Rändern und ansteigenden Enden machte aus ihnen geeignete Geräte für Sprünge und Akrobatiktricks.

In der aktuellen Form sind die Skateboards 80 Zentimeter lang und haben ein Gewicht von rund 2,3 Kilogramm – inklusive Achsen und Räder. Der Preis für Profiboards ohne Achsen und Räder bewegt sich zwischen 119 und 129 Franken. Skateboards werden in den Versionen «street» (Strasse) und «vert» (vertikal, für den Einsatz in der Halfpipe) angeboten. Die Unterschiede sind aber gering: Die Halfpipe-Boards sind zwei Zentimeter breiter.

Slalomboards:
Die schmalen und eleganten Slalomboards dienten ursprünglich dazu, sich zwischen aufgestellten Joghurtbechern hindurchzuschlängeln; seit einigen Jahren sind sie ein beliebtes urbanes Fortbewegungsmittel. Die Fahrer und Fahrerinnen können das äusserst elastische Brett aus Fiberglas in Schwingung versetzen und sich auf diese Weise fortbewegen. Slalomboards sind eine schweizerische Erfindung und ausserhalb des Landes nur wenig bekannt. Sie sind mit 150 bis 170 Franken rund einen Viertel teurer als Skateboards.

Longboards:
Ebenfalls eine Weiterentwicklung der Skateboards sind die Longboards. Sie sind zum Teil bis 1,5 Meter lang. Mit ihnen lässt es sich gemütlich und in langen Kurven fahren, sie sind so etwas wie Snowboards für die Strasse. Longboards sind im Vergleich zu Skate- und Slalomboards starr, ihre Form zeigt keine Erhebungen. Der Preis bemisst sich nach der Länge. Erhältlich sind sie ab 149 Franken.

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