Der Blick in die (Bewegungs-)Geschichte des Menschen lässt nur den einen Schluss zu: Der moderne Mensch ist hoffnungslos veraltet. Die ältesten Fossilfunde des Homo sapiens sapiens, etwa 40000 Jahre alt, zeigen ihn als Jäger und Sammler; stundenlanges Gehen, gelegentlich ergänzt durch intensive bis maximale Anstrengung, war Alltag.

Der Übergang zu Landwirtschaft und Viehzucht vor zirka 10000 Jahren führte zur Sesshaftigkeit. Zudem begann sich die kulturelle Entwicklung in einem Tempo zu beschleunigen, dem das Erbgut respektive die laufende Anpassung an die äusseren Umstände nicht mehr gewachsen war.

Die Folge: Unser heutiges Erbmaterial ist auf körperliche Aktivität programmiert, unser Verstand auf Bequemlichkeit. Zwar strampeln und fuchteln wir als Baby noch wild herum, und als Kleinkind rasen wir bis zur Erschöpfung über die Spielwiese. Doch spätestens im Kindergarten kehrt (sitzende) Ruhe ein und dabei bleibt es für viele Erwachsene auch am Arbeitsplatz.

So schädlich wie das Rauchen

Bewegungsmangel gilt heute als ebenso schädlich für die Gesundheit wie das Rauchen und als deutlich schädlicher als Übergewicht. Inaktive Menschen nach Einschätzung von Fachleuten rund ein Drittel der über 15-Jährigen in der Schweiz fühlen sich weniger gesund, müssen mehr zum Arzt und haben mehr Arbeitsausfälle.

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Allerdings: «Inaktiv» bedeutet nicht, den ganzen Tag im Bett zu liegen, sondern nur, unter einem bestimmten Niveau zu bleiben. Denn, und das ist das Perfide an der Bewegung: Nicht jede Regung ist auch gesundheitswirksam. Dazu braucht es ein Mindestmass:

Frauen und Männer, gleich welchen Alters, sollten sich jeden oder wenigstens jeden zweiten Tag mindestens 30 Minuten (oder dreimal zehn Minuten) mit mittlerer Intensität (leicht beschleunigte Atmung) bewegen zum Beispiel in Form von Walking, Gartenarbeit oder Velofahren.

Das Befolgen dieser Basisempfehlung, die die Bundesämter für Sport und Gesundheit sowie das Netzwerk Gesundheit und Bewegung herausgegeben haben, bewirkt einen zusätzlichen Energieverbrauch von mindestens 150 Kilokalorien pro Tag oder 1000 Kilokalorien pro Woche.

Und was haben Sie davon?

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Wer sich regelmässig bewegt, verhält sich auch sonst gesundheitsbewusster (weniger Rauchen, weniger Übergewicht, bewusstere Ernährung).

Körperlich aktive Menschen leben länger und sind im Alter weniger pflegebedürftig und damit autonomer.

Bewegung und Sport hellen die Stimmung auf und schaffen die Möglichkeit, andere Menschen zu treffen. Stresstoleranz und Selbstwertgefühl nehmen zu.

Regelmässige Bewegung hat beträchtliche Schutzeffekte bei einer Reihe von Krankheiten zum Beispiel Herz-Kreislauf-Beschwerden, Dickdarmkrebs, Altersdiabetes, Osteoporose.

Zeitnot ist keine Entschuldigung

So weit, so gut wenn da nicht der chronische Zeitmangel wäre: In den meisten Studien, die nach den Barrieren für regelmässige körperliche Aktivität fragen, steht zu wenig Zeit an erster Stelle. Dahinter dürfte sich zum einen der hartnäckige Glauben verbergen, gesundheitswirksame Bewegung verlange nach einer klassischen Sportart. Zum anderen drückt das Ergebnis ganz nüchtern aus, dass es für viele Menschen Wichtigeres gibt.

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