AusbildungDie Eltern müssen zahlen – aber nicht für alles

Wenn das Kind nach der Matur ein Studium an der Uni wählt, müssen die Eltern von Rechts wegen in der Regel bis zum Masterabschluss Ausbildungsalimente leisten. Bild: Thinkstock Kollektion

Laut Gesetz müssen Eltern die Erstausbildung ihres Kindes finanzieren, auch wenn dieses bereits erwachsen ist. Was als Erstausbildung gilt, ist aber nicht definiert.

von Alexandra Gavriilidisaktualisiert am 2017 M07 03

Die Eltern müssen für eine «angemessene Erstausbildung» ­ihrer volljährigen Kinder aufkommen – der Artikel 277 des Zivil­gesetzbuchs lässt da keine Zweifel. Im Alltag ist die Sache aber diffuser. Denn längst nicht immer ist klar, was genau als «angemessene Erstausbildung» gilt – das Gesetz schweigt sich aus. Die Rechtslage muss im Einzelfall je nach Neigungen, Fähigkeiten und Berufsziel des Kindes beurteilt werden.

Klar ist: Die gymnasiale Matura ist keine Erstausbildung, die zur Berufsausübung befähigt. Wenn das Kind danach ein Studium an der Uni wählt, müssen die Eltern von Rechts wegen in der Regel bis zum Masterabschluss Ausbildungsalimente leisten. Ein gewisses Mass an Prüfungsversagen und auch einzelne Wechsel der Studienrichtung liegen drin, solange das Kind die Ausbildung an der Hochschule gewissenhaft betreibt.

Ebenso unbestritten ist, dass ein Studium, das jemand nach mehrjähriger Berufstätigkeit aufnimmt, unterhaltsrechtlich nicht mehr als Erstausbildung gilt. Das ist eine Zweitausbildung, und dafür müssen die Eltern nicht bezahlen.

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Wie wird die Höhe des Unterhalts berechnet?

Komplizierter ist die Rechtslage, wenn ein volljähriges Kind nach der Lehre eine Berufsmatur absolviert und ein Studium an der Fachhochschule anhängt. Hier ist die Unterhaltspflicht im Einzelfall zu beurteilen. Als Faustregel kann gesagt werden: Zentral ist das ursprüngliche Berufs- respektive Ausbildungsziel des Kindes.

Die Höhe der Beiträge errechnet sich anhand des konkreten Lebensbedarfs des Kindes und der finan­ziellen Leistungsfähigkeit der Eltern. Grundsätzlich belässt man den Eltern ein um 20 Prozent erweitertes Fami­lien-Existenzminimum. Dieses wird individuell berechnet – mit dem monatlichen pauschalen Grundbedarf zuzüglich bestimmter Auslagen.

Dazu ein Beispiel: Für eine alleinstehende Person beträgt der Grundbedarf 1200 Franken. Dazu kommen nachgewiesene Auslagen in effektiver Höhe, unter anderem für die Wohnkosten, die obligatorischen Versicherungen, die Krankenkasse, laufende Steuern und für Unterstützungs- und Unterhaltsbeiträge.

Wenn sich so etwa bei einem alleinstehenden Vater ein Lebensbedarf von 4000 Franken ergibt, kommt auf diesen Betrag der erwähnte Zuschlag von rund 20 Prozent; der zugestandene Lebensbedarf liegt somit bei 4800 Franken. Bei einem Nettoeinkommen von monatlich 6000 Franken wäre dieser Vater demnach in der Lage, maximal 1200 Franken an Ausbildungsalimenten zu bezahlen.

Was gilt für das Kind?

  • Das Kind muss, sofern das zeitlich möglich ist, zum eigenen Lebensunterhalt beitragen – etwa mit Neben- oder Ferienjobs.
  • Wenn ein erwachsenes Kind den Kontakt zu den Eltern verweigert, kann es den Anspruch auf Unterhalt verlieren. Je älter das Kind ist und je länger seine Ausbildung schon dauert, desto eher wird Unzumutbarkeit für die betroffenen Eltern angenommen. Es sei denn, der unterstützungspflichtige Elternteil trägt das Hauptverschulden an der gestörten Eltern-Kind-Beziehung.
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