«Am meisten schätze ich den Kontakt zu den Menschen»

Predrag Ristic, Fachmann Betreuung

Am grossen Tisch faltet Predrag Ristic zusammen mit vier Frauen Wäsche und achtet darauf, dass jede im eigenen Arbeitstempo mithelfen kann. In der Wohngruppe Böschenmatte in Opfikon ZH leben acht Betagte. Der 18-Jährige steht im ersten Lehrjahr als Fachmann Betreuung - ein Beruf, zu dem er auf Umwegen kam. «Ich schnupperte zuerst in der Maschinenindustrie», erzählt er. Dort merkte er, dass ihm das Handwerkliche nicht liegt. Im Rahmen eines Sozialjahrs arbeitete er dann im Altersheim und hörte dort von der neuen Ausbildung.

Die Aufgabe des Fachmanns Betreuung ist «begleiten, unterstützen und fördern», wie im Berufsbild steht. «Ich werde für alle Arbeiten eingesetzt», sagt Predrag Ristic. Die dreijährige Lehre ist anspruchsvoll: Führen eines Grosshaushalts, Gesundheitspflege, Erkennen von Krankheiten, Aktivierung der Betagten sind nur einige der Schwerpunkte im 40-seitigen Bildungsplan. «Die Ausbildnerin schaut mir regelmässig zu, und wir besprechen dann, wie ich die Arbeit anpacke und mich der betreuten Person gegenüber verhalte.» Selbständigkeit ist gefragt, zum Beispiel beim vorösterlichen Eiermalen. «Ich organisiere alles und frage die Betreuten nach Wünschen, denn jeder soll sich als Person einbringen, etwa indem er von früheren Bräuchen erzählt», schildert er seinen Plan für diese Aufgabe. Als Einstieg werde er für alle ein Ostertörtchen aus seiner Heimat backen - Predrag Ristic kam vor sieben Jahren als Flüchtling aus dem Kosovo in die Schweiz.

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Wenn er seinen Beruf nenne, müsse er oft zuerst Vorurteile korrigieren, sagt der Lehrling. Und fügt an: «Ich bin jetzt am richtigen Ort. Am meisten schätze ich den Kontakt zu den Menschen.» Das wird in der Tischrunde spürbar: Sein Ton ist gleich­zeitig herzlich und respektvoll - und er fragt nach, als eine Frau etwas erzählt und nicht alle sie verstehen. «Wichtig ist mir die soziale Ausrichtung meines Berufs», betont er. Später wolle er weiter in die Schule gehen. Auf das erste Zeugnis, in dem er die Durchschnittsnote 5 erreicht hat, ist er sichtlich stolz.

«Das Einzige, was mich manchmal nervt, ist der Name meines Berufs»

Tobias Stauffacher, Seilbahner

An seinen Arbeitsplatz fährt Tobias Stauffacher mit der Gondel. Er macht die Lehre als Seilbahner bei den Sportbahnen Elm. An diesem Morgen hat er die Gondeln «ausgaragiert» und dann am Skilift ausgeholfen, bevor er an die Drehbank ging. Im ersten Lehrjahr lernt Tobias mit Reparaturarbeiten Drehen und Schweissen. Doch er ist auch bei Revisionen dabei und muss die Abläufe dokumentieren. Regelmässig werden die Rollenbatterien auf den Masten kontrolliert und die Zugseile geprüft und gereinigt. «Wetterfest und schwindelfrei muss man für diesen Job schon sein», erklärt der 16-Jährige.

«Wir lernen nicht nur Technik, Hydraulik und Elektronik der verschiedenen Seilbahntypen, sondern befassen uns auch mit den Auswirkungen der ökologischen Veränderungen.» An seinem Beruf gefalle ihm, dass er vielfältig sei «und dass es immer etwas zu improvisieren gibt». Das Einzige, was ihn manchmal nerve: «Der Name des Berufs. Wenn ich sage, dass ich Seilbahner lerne, glauben alle, ich bediene die Gondeln.»

«Wir sind schon ein wenig Versuchskaninchen»

Stefanie Brändle, Gestalterin Werbetechnik

SBB-Werkstätten Yverdon: Stefanie Brändle steht auf dem Gerüst vor einer Lokomotive, die vollständig mit Werbung «eingekleidet» wird. Sie passt die Foliengrafik an die Querlinien der Lokomotive an. Neben ihr hängt eine zweite meterhohe Folie, die noch aufgezogen werden muss. Die 16-Jährige lernt Gestalterin bei der Firma Rutschi in Zürich. Dort wurde die Werbung für die Lokomotive nach Vorlage hergestellt.

Als es um die Berufswahl ging, wusste Stefanie Brändle nur, dass es etwas Gestalterisches sein soll. «Ich habe mir zuerst im Berufsinformationszentrum einen Überblick verschafft», sagt sie. «Persönlich gekannt habe ich niemanden mit dieser Ausbildung.» Dass ihr Beruf nicht mehr Schriften- und Reklamegestalter, sondern neu Gestalter/in Werbetechnik heisst, erfuhr sie erst am ersten Schultag im August 2006. «Wir sind schon ein wenig Versuchskaninchen», bemerkt sie. «Doch das Neue ist spannend.»

Vom alten Beruf des Schriftenmalers blieb als Handarbeit einzig die Montage übrig. Stefanie Brändle muss zwar auch noch die verschiedenen Schriften beherrschen, doch hergestellt wird die Werbetechnik am Computer und maschinell. Am Ende der vierjährigen Lehre kennt die Stiftin alle Abläufe - von der Kundenberatung über Gestaltung und fachgerechte Ausführung bis zur Montage. «Ich musste schon selbständig nach Kundenplan Tafeln herstellen», erzählt Stefanie und erklärt, sie habe die Tafeln maschinell zugesägt, mit bereits geplotteten Schriftzeichen den Text zusam­mengestellt und dann 60 einzelne Folienteile aufgeklebt.

Bei der Einkleidung der Lokomotive in Yverdon lernt sie mit der Montage das praktische Herzstück ihres Berufs kennen. Diesen müsse sie meistens erklären, sagt sie - sie mache ja nicht einfach Werbung am Computer. Auf die Frage, was ihr an ihrem Job gefalle, sagt die 16-Jährige: «Dass man am Ende ein Resultat sieht.» Nun will sie die Aufnahmeprüfung für die Berufsmittelschule machen. «So kann ich später das Gestalterische vielleicht mit einem Studium vertiefen.»