Die 67-jährige Schnürlischrift hat ausgedient. In Zukunft sollen die Deutschschweizer Schüler und Schülerinnen die Basisschrift lernen. Das empfiehlt die Erziehungsdirektorenkonferenz den Kantonen.

Die Schnürlischrift wurde und wird gehasst oder geschätzt. Mit ihren vielen Drehrichtungswechseln und Verbindungen ist sie schwer zu lernen. Vor allem für Buben – sie hinken den Mädchen bei Schuleintritt feinmotorisch meist hinterher.

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Weniger Schnörkel, weniger Richtungsänderungen: Die Schnürlischrift (oben) soll durch die Basisschrift (unten) abgelöst werden.

Quelle: Caro/ Keystone

«Ein Meilenstein»

Die Basisschrift stützt sich auf Buchstaben des kürzlich verstorbenen Glarner Grafikers Hans Eduard Meier. Im Kanton Luzern ist sie bereits seit drei Jahren obligatorisch. In der ersten und zweiten Klasse üben die Kinder die unverbundenen Buchstaben, in der dritten und vierten Klasse lernen sie, sie teilweise zu verbinden. So müssen sie sich nicht mehr wie früher zwei komplett unterschiedliche Schriften aneignen. Und: Die Basisschrift ist einfacher, da komplexe Buchstabenformen sowie schwierige Verbindungen weggelassen werden.

«Ein Meilenstein», sagt Sibylle Hurschler, Dozentin für Schriftdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Luzern. Eine von ihr mitverfasste Studie kommt zum Schluss: Mit der Basisschrift schreiben Kinder in der vierten Klasse deutlich leserlicher und geläufiger als Gleichaltrige mit Schnürlischrift. Und: Gerade für Buben, deren Schreibbewegungen oft noch nicht so fein gesteuert gelingen, ist die Basisschrift von grossem Vorteil. Sie ist feinmotorisch weniger komplex und dadurch einfacher zu lernen. «Unsere Studie zeigt, dass Buben mit der Basisschrift leserlicher schreiben. Und letztlich profitieren alle Kinder, weil sie nicht mehr so fest an den einzelnen Buchstaben herumpröbeln müssen und dadurch den Kopf frei für die Textplanung haben», so Expertin Hurschler.

«Das wird rasch gehen»

Wann die Basisschrift eingeführt wird, ist den jeweiligen Kantonen überlassen. «Ich denke, es wird relativ rasch gehen», sagt Schriftdidaktikerin Hurschler. «Das Bedürfnis ist bei den Lehrpersonen gross.»

Auch in Luzern sei der Impuls von unten gekommen: Schulteams hätten aus Überzeugung einfach angefangen, die Schrift in ihren Klassen zu unterrichten.n