20_99_biobrot.jpgImmer mehr Bäcker haben heute Biobrote im Sortiment. Grösster Schweizer Biobäcker ist allerdings Coop. Jedes achte verkaufte Brot trägt das Naturaplan-Signet, bei den Spezialbroten sogar jedes fünfte. Die «Coop-Zeitung» hat dem Thema kürzlich eine Broschüre gewidmet. Dort ist allerlei Interessantes zu lesen nur nicht woher das Biogetreide stammt.

Mehr verrät das Kleingedruckte auf jeder Biobrotverpackung. Unter Herkunft steht bei fast allen «Amerika», dann folgt Europa und erst dann die Schweiz. Im Klartext: Ein Grossteil des Bioweizens stammt aus Ubersee. «Das ist zwar unbefriedigend», sagt Coop-Sprecher Felix Wehrle, «aber es gibt in der Schweiz viel zu wenig Biogetreide. Deshalb sind wir gezwungen, einen beträchtlichen Anteil zu importieren.»

Das gilt auch für die Migros, wo der Bioanteil beim Brot mit zwei bis fünf Prozent kleiner ist. Beim Migros-Brot kommt das ausländische Getreide vorwiegend aus Betrieben der Europäischen Union. Damit ist der Weg zwar weniger weit, doch sind die EU-Bestimmungen weniger streng als in der Schweiz oder in den von Bio Suisse akzeptierten Betrieben in Ubersee.

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Generell aber gilt: Die Importe von Biogetreide haben sich innert fünf Jahren von 5075 auf 13677 Tonnen mehr als verdoppelt. Zwar ist auch die einheimische Ernte im gleichen Zeitraum deutlich gewachsen. Doch nach wie vor stammen rund 60 Prozent des Biogetreides aus dem Ausland. Denn gemessen an der gesamten Inlandgetreideproduktion von 1,2 Millionen Tonnen beträgt der Bioanteil nur etwa sieben Prozent.

Die Bauern warten immer noch ab

Warum steigen nicht mehr Bauern auf Biogetreide um? Am Preis kanns nicht liegen. Immerhin bekommen die Biobauern pro Zentner derzeit 30 Franken oder 40 Prozent mehr als für normales Getreide. Dazu kommt eine flächenabhängige Bioanbauprämie. «Das müsste als finanzieller Anreiz eigentlich reichen, um auf Bio umzustellen», sagt Hans Ulrich Schmutz von der Produzentenvereinigung Biofarm. «Weil aber der ganze Betrieb den strengen Biorichtlinien genügen muss und weil beim Biofleisch die Preise ungenügend sind, warten viele Bauern noch ab.»

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Der Umstellungsdruck fehlt

Coop-Sprecher Felix Wehrle sieht aber auch mentale Gründe für die mangelnde Umstellungsbereitschaft: «Grosse Getreidebetriebe hat es vor allem in der Westschweiz, und dort hat man generell etwas Mühe mit Bio. Ausserdem ist die Abnahme von normalem Getreide vom Staat faktisch garantiert, und die Preise sind derzeit noch so hoch, dass der nötige Druck fehlt.»

Tatsächlich lösen Schweizer Bauern Getreidepreise, von denen ihre ausländischen Kollegen nur träumen können. 82 Franken pro Zentner Weizen waren es bisher, seit Oktober sind es 11 Franken weniger. Zum Vergleich: Der Weltmarktpreis liegt bei 20 bis 30 Franken pro Zentner. Es ist also nicht erstaunlich, dass Bauern im Ausland eher bereit sind, auf biologischen Anbau umzustellen, denn für Biogetreide bekommen sie mindestens das Doppelte.

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So freuen sich jetzt US-Farmer über den Schweizer Bioboom. Für sie ist es eine interessante Chance, ihre Produkte zu einem guten Preis ins Ausland zu verkaufen.

Hierzulande produzieren die Bauern lieber konventionelles Getreide, das keiner braucht. In den letzten Jahren mussten regelmässig über 200000 Tonnen Brotgetreide zu Futtermitteln verarbeitet werden. Einen Teil der Kosten übernehmen die Produzenten, einen Teil übernimmt der Bund. Fazit 1998: ein Fehlbetrag von 54 Millionen Franken. Mittelfristig sollen Schweizer Getreidebauern nur noch produzieren, was der Markt verlangt. Für Biobrot-Liebhaber ein schwacher Trost. Sie müssen vorderhand weiter Brot essen, bei dem der wichtigste Bestandteil «made in USA» ist.


Bioproduktion im Vergleich

Bio-Inland-

produktion

Bioimporte

CH-Produktion total

1993

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3356

5075

1292000

1996

6500

9207

1351000

1997

7928

10917

1226000

1998

8660

13677

1262000

Getreide in Tonnen


Gute Noten für importiertes Biogetreide

Bioweizen aus den USA wird besonders streng kontrolliert.

Mit Gentech-Ware verunreinigte Soja-Importe aus den USA sorgten in den letzten Jahren für Schlagzeilen. Eine vollständige Trennung von konventionellem und Gentech-Soja sei nicht möglich, behaupten Handel und Nahrungsmittelindustrie.

Wie steht es damit beim importierten Biogetreide?

«Konventionelles Getreide wird als lose Massenware oft mehrmals umgeladen. Das Biogetreide kommt aber normalerweise direkt beim Produzenten in einen Container, dann per Bahn in einen Hochseehafen und von dort per Schiff in die Schweiz», versichert Robert Portmann, Biogetreidespezialist bei der Handelsfirma Blattmann-Cerestar in Wädenswil ZH. «So ist keine Verunreinigung möglich, und die Herkunft kann genau verfolgt werden.»

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Jeder Betrieb, der Biogetreide in die Schweiz liefern will, braucht ein «Okay» der nationalen Kontrollorganisation. Danach werden die Angaben von der Bio Suisse geprüft. «Etliche Betriebe haben diese Hürde nicht genommen», sagt Karin Knauer von der Bio Suisse.

Bleibt die Frage: Was ist ökologisch sinnvoller ein Brot mit heimischem Getreide aus IP-Produktion oder Brot mit Bioweizen aus den USA oder Argentinien?

Der Berner Geograph Bernhard Probst ist dieser Frage in seiner Lizenziatsarbeit über ökologische Aspekte der Brotproduktion nachgegangen. Sein Fazit: «Die Transporte nehmen nicht die erwartet wichtige Rolle ein. Vielmehr entscheiden der Anbau und die Verarbeitung in der Bäckerei darüber, ob ein Produkt in der Ökobilanz besser oder schlechter dasteht und da gibt es riesige Unterschiede.»

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