Die St. Galler Grossalp bietet bis zu 180 Milchkühen einen Sommeraufenthalt und hat eine moderne Käserei. Was der Käsefreund aber nicht weiss: Nicht jeder Käse, der hier hergestellt und feilgeboten wird, ist aus Alpmilch gemacht.

Aufschluss gibt der Herkunftsstempel: «Alp Siez, 16. 5. 07, CH 6317» steht etwa auf einem Mutschli. Blöd ist bloss, dass die Kühe erst am 31. Mai auf die Alp kamen, die Milch also gar keine Alpmilch sein kann. «Es stimmt, wir haben vorgängig Milch aus dem Tal hochgefahren, damit wir schon Anfang Saison etwas anzubieten haben», sagt Käsermeister Andreas Züger. «Etwas anzubieten» heisst konkret: rund zwei Tonnen Käse aus 23'000 Litern Milch. Die Laiber würden jedoch nicht als Alpkäse verkauft, sondern als Siezer Käse, sagt Züger - eine feine Unterscheidung, die der Kunde wohl kaum wahrnimmt.

Auf Hinweis des Beobachters schickte das Kantonale Laboratorium einen Inspektor auf die Alp. Sein Befund: «Ein eindeutiger Verstoss gegen die Lebensmittelverordnung.» Gegen die findigen Sennen wurden Sofortmassnahmen verhängt: Sie müssen mit gut sichtbaren Schildern darauf hinweisen, dass der Käse aus Talmilch hergestellt wurde. Laut Kantonschemiker Hans Rudolf Hunziker werden weitere Massnahmen geprüft.

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