Der Boden um Wimmis bei Thun ist eine militärhistorische Fundgrube: Die römische Armee war als erste da. 1917 setzte die neutrale Eidgenossenschaft eine Pulverfabrik in die Landschaft. Die Réduitplaner unter General Guisan liessen im Zweiten Weltkrieg die Festung Burgfluh errichten. Eine der dazugehörenden Panzersperren, im Volksmund Toblerone genannt, durchschneidet eine Kuhweide von Landwirt Rudolf Ast. 220 grosse und 120 kleinere Beton-Tetraeder in fünf Reihen. Die Sperre ist ein Paradies für Disteln und Dornengestrüpp. Kühe fressen das Gras rund um die Betonblöcke längst nicht mehr. Trotzdem birgt die Sperre Gefahren. Neulich blieb ein Muni mit seinem Nasenring am Metallhaken eines Tetraeders hängen. Immer wieder verletzen sich Kühe ihr Euter an den klobigen Betonblöcken.

«Zeugnis des Réduitgedankens»
Seit Jahrzehnten kämpfen Asts deshalb um den Abbruch dieser Panzersperre. «Unser Talbetrieb stützt sich auf diese Weide. Von Anfang Mai bis Anfang November ist der ganze Viehstand dort», begründet der 89-jährige Rudolf Ast senior.

2001 schienen Asts am Ziel. Der Kalte Krieg war auch im Berner Oberland zu Ende. Das Verteidigungsdepartement (VBS) von Bundesrat Schmid schrieb, die Anlage sei nicht mehr von militärischer Bedeutung, und gab sie zur Liquidation frei.

Inzwischen war aber eine zweite Front entstanden. Die kantonale Denkmalpflege hatte die Beton-Toblerone als schützenswertes Objekt deklariert. Die Panzersperre mit Geschützstellungen von 1942 sei ein «typologisch interessantes und vollständig erhaltenes Zeugnis des Réduitgedankens», heisst es im Baudenkmal-Führer des Kantons Bern.

«Wie soll etwas schützenswert sein, was andernorts längst abgebrochen wurde?», fragt sich Bauer Ast. Er mutmasst sogar, der Bund habe gar nicht räumen wollen, um Abbruchkosten zu sparen.

Dies kann man dem VBS kaum vorwerfen. Jährlich gibt es 3,5 Millionen Franken für den Abbruch militärischer Sperren und Objekte aus. Im Parlament wurde Bundesrat Schmid deshalb schon gefragt, ob es sich hierbei um reine Arbeitsbeschaffung handle. Und im Fall der Familie Ast erklärte sich das VBS im Jahr 2003 bereit, wenigstens einen Teil der Sperre abzubrechen.

Doch die Denkmalpflege hatte längst Nägel mit Köpfen gemacht. Sowohl die Gemeinde Wimmis als auch der Kanton Bern hätten ihre Zustimmung zum Abbruch verweigern müssen, weil die Sperre inzwischen als schützenswert eingestuft worden war. «Für uns ist diese Angelegenheit eigentlich erledigt», liess man beim für die Entsorgung zuständigen Bereich des VBS deshalb verlauten.

Lediglich «schützenswert»
Erledigt? Die Anfrage des Beobachters bei der zuständigen Berner Denkmalpflegerin Anne-Marie Biland brachte eine überraschende Wende: «Die Panzersperre Wimmis ist nicht unter Schutz gestellt worden. Wir haben sie lediglich als schützenswert eingestuft», sagt sie. Wie soll man das nun verstehen? Steht die historisch bedeutsame Toblerone jetzt unter Schutz oder nicht? Dazu Biland: «Die Eigentümerin der Sperre kann jederzeit ein Abbruchgesuch einreichen.» Über die Zukunft der Sperre werde die Baubewilligungsbehörde entscheiden – und nicht die Denkmalpflege. Asts dürfen also wieder hoffen.

Die Denkmalpfleger schützen im Übrigen eine Sperre, die ihren eigentlichen Zweck, Panzern den Weg zu versperren, nie erfüllt hätte. Bauer Ast: «1948 hat die Schweizer Armee mit einem Panzer die Sperre getestet. Ich habe das fotografisch dokumentiert. Der Panzer hat die Toblerone mühelos überwunden, einmal von dieser Seite, dann von der andern. Beinahe ein Kinderspiel.»

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