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DiebstahlWie man Velodieben das Handwerk legt

Velo auf dem Dach
Über einen solch sicheren Abstellplatz fürs Velo dürfte kaum jemand verfügen. Bild: Your Photo Today

In der Schweiz werden jährlich Zehntausende Velos geklaut. Was man unternehmen kann, damit der Drahtesel nicht plötzlich weg ist.

von Mario Stauber

Allein der Gedanke, das Velo könnte plötzlich nicht mehr am Bahnhof stehen, lässt Schweizer Radlern die Waden beben. Denn nur etwa jedes fünfzigste Diebstahl­opfer sieht sein heissgeliebtes Gefährt je wieder. Für die Polizei ist es schwieriger geworden, die Diebstähle aufzuklären, seit die Velovignette abgeschafft worden ist. Velodiebstahl und -schäden sind zwar durch die Hausratversicherung gedeckt – für die Polizei war die Vignettennummer aber meist der einzige Anhaltspunkt, um das Rad dem rechtmässigen Eigentümer zuzuordnen. Ein gestohlenes Velo wiederzufinden, ist ein Wunschtraum. Das Zauberwort heisst Prävention.

Velodiebstähle in der Schweiz

Das Trugschloss

Wer sein Velo liebt, schliesst es ab. Doch viele Schlösser gaukeln dem Radbesitzer eine falsche Sicherheit vor. Letztes Jahr testete der «Kassensturz» Produkte verschiedener Preisklassen. Nur ein Schloss erhielt das Gesamturteil «sehr gut». Vor allem sogenannte Kabelschlösser liessen sich mit entsprechendem Werkzeug innert Kürze aufbrechen. Einzig die massiven und schweren Falt- und Bügelschlösser konnten überzeugen. Daran trägt man schwer: Ein solches Schloss wiegt nicht selten zwei Kilo.

Ein QR-Code für den Drahtesel

Als Ergänzung zum Schloss bieten diverse Firmen Fahrradregistrierungen an. Die Online-Plattform Velofinder.ch etwa pflegt eine Datenbank, in der man sein Fahrrad registrieren kann. Ein Kleber mit ­QR-Code macht das Velo eindeutig iden­tifizierbar. Dominique Merz von ­Velofinder.ch: «Durch das Registrieren hat man alle Infos wie Rahmennummer, Bild und Ausrüstung zusammen. Die Daten können dann heruntergeladen und der Polizei und der Versicherung mitgeteilt werden.» Zudem lässt sich der Code mit jedem Smartphone scannen. So ist die Chance ein wenig grösser, dass das Velo wiedergefunden wird. Wirklich aufhalten lässt sich der Dieb damit leider nicht: Mit ein bisschen Aufwand lasse sich der Code abkratzen, sagt Dominique Merz. «Wenn ein Profi am Werk ist und das Velo aus­ser Landes schafft, hilft nur ein GPS-Tracker.»

Das Velo per Satellit orten

Nicht nur das Auto, die Katze oder der Hund ist mittlerweile mit einem Satellitenempfänger ausgestattet, auch der ­Velofahrer kann sich einen GPS-­Tracker auf den Drahtesel schnallen. Firmen wie gps-online.ch bieten Rückleuchten mit integrierten Satellitenempfängern an. Damit lässt sich das Zweirad jederzeit orten. Klingt toll, funktioniert aber nur begrenzt: Die Akkulaufzeit ist viel zu kurz, um sich auf die Ortung verlassen zu können. Und wer will sein Satellitenvelo alle zwei Tage aufladen?

Hinzu kommen die natürlichen Einschränkungen der GPS-Technik. Ohne Sichtkontakt zum Satelliten ist das Velo nicht ortbar – wenn ein Dieb es in einen Lastwagen oder in seine Wohnung stellt: bye-bye Bike.

Velodiebstahl: Was können die Städte tun?

Für Velofahrer werde viel zu wenig getan, sagt der Luzerner Juso-Stadtparlamentarier Mario Stübi: «Veloförderung geht weiter, als nur sichere Fahrradwege zu bauen. Angesichts der miserablen Quoten aufgeklärter Velodieb­stähle ist es ein Witz, dass die Politik so wenig dagegen tut.» Deshalb forderte Stübi vom Luzerner Stadtrat Präventionsmassnahmen, etwa benutzerfreundliche GPS-Systeme. Diebstahlsicherheit sei Privatsache, liess der Stadtrat verlauten.

Lausanne dagegen investierte bereits 70'000 Franken in eine alternative Ortungstechnologie. Seit dem letzten Jahr läuft ein Pilotprojekt mit Funksensoren – die damit ausgestatteten Velos «kommunizieren» miteinander und bauen so ein Ortungsnetzwerk auf. Das Problem dabei ist: Je weniger Velos mit dabei sind, desto ungenauer ist die Ortung.

Nur noch ein rostiges Velo fahren?

Zum Schluss bleiben Pragmatismus und Bauernschläue. Je weniger attraktiv das Velo, desto geringer der Anreiz, es zu stehlen. Ist ein alter Drahtesel also der perfekte Diebstahlschutz? Das helfe sicher mit, sagt Dominique Merz von Velofinder.ch, «doch dann ist die Freude beim Fahren leider auch nicht besonders gross. Es wäre ja schade, wenn die Radler nur noch Schrott­göppel fahren».  

Besser ein Bügel- oder Faltschloss

Das Velo wenn immer möglich in ­einem abschliessbaren oder überwachten Raum einstellen (Keller, Garage, Abstellraum, Velostation et cetera). Und nicht nur abschliessen, sondern anschliessen. Lieber etwas mehr Geld in ein gutes Bügel- oder Faltschloss stecken, als sich mit einem labilen Drähtchen zufriedengeben. Und sich unbedingt Rahmennummer, Marke und Farbe des Velos notieren. Einen Diebstahl bei der Polizei anzeigen und der persönlichen Diebstahlversicherung melden.

Wo die Velodiebe lauern
Karte: Beobachter/AS; Quelle: Velofinder.ch, Veloregister.ch
Quelle: Your Photo Today

Weitere Informationen

  • www.velofinder.ch, www.veloregister.ch
    Diese Online-Plattformen bieten Datenbanken, in die man sein Velo eintragen kann. Zudem bieten sie QR-Codes für das Velo, die jeder Smartphone-Besitzer scannen kann. Damit steigt die Chance, dass gestohlene Velos wiedergefunden werden.

  • www.pro-velo.ch 
    Pro Velo Schweiz ist der Dachverband der lokalen und regionalen Verbände für die Interessen der Velofahrer (Pro Velo) in der Schweiz. Hier findet man alle wichtigen Informationen rund ums Fahrrad, von Tourenvorschlägen bis zu Testberichten.
Veröffentlicht am 2016 M03 15

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3 Kommentare

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E. Huber
Die Abschaffung der Velovignette war eine Riesen Dummheit. Nicht nur wegen Diebstahl sondern man weiss auch nicht mehr ob ein Velo im Veloständer überhaupt noch benutzt wird oder ob es nur noch dort vor sich hin rostet, ebenso in den Veloräumen in Mehrfamilienhäusern.
Meienhofer Michael
All diese Probleme haben wir nur, weil ein übergescheiter Ständerat aus dem Thurgau scheinbar mit der Abschaffung der Velovignette das Gelbe vom Ei gefunden haben sollte. Schuster bleib bei deinen Leisten - die Velovigbette war nie ein Politikum....der betreffende Politiker hat ein Eigengoal geschossen !
Hanspeter
Besonders hilfreich empfinde ich diesen Text nun auch nicht. Alles ist bereits bekannt, echte Hilfe bringt der Artikel nicht. Der Titel zielt völlig am Text vorbei. Ich hätte vom Beobachter mehr erwartet. Schade!