ElektrosmogSchutz für Gesetzeshüter

Für 400'000 Franken schirmt der Kanton Luzern Büros von Staatsanwälten gegen Elektrosmog ab. Erstaunlich, denn bisher wurde die Gefahr verharmlost.

von Otto Hostettleraktualisiert am 2010 M08 24

Der Anwohner, der in Emmenbrücke kurzerhand in die künftigen Büros der Luzerner Staatsanwaltschaft marschierte, traute seinen Augen nicht: Bauarbeiter waren dabei, die Büros vollständig mit Aluminium* auszukleiden. Zweck der Massnahme: Schutz vor Elektrosmog. Die neuen Büros sind nur wenige Meter neben der Bahnlinie Luzern–Olten, im Gersag-Areal. An Bahnlinien treten wegen der starken Stromflüsse in den Fahrleitungen oft hohe niederfrequente Magnetfelder auf.

Die Metallverkleidung dürfte den Kanton Luzern rund 400'000 Franken kosten. Die zuständige Dienststelle Immobilien betont gegenüber dem Beobachter, diese Kosten würden vom Vermieter getragen. Doch bezahlen muss sie der Kanton trotzdem. Er wird dem Vermieter den Umbau der Büros während zehn Jahren mit 181 Franken pro Quadratmeter verzinsen und sogar amortisieren – zusätzlich zur Miete.

Sanierung auf freiwilliger Basis

In den Büros überschritten die gemessenen Magnetfelder den Grenzwert von einem Mikrotesla um satte 90 Prozent. Trotz diesen hohen Werten müsste der Kanton nichts dagegen tun, denn das Gebäude wurde vor 2000 erstellt und fällt damit nicht unter die Sanierungspflicht. Die teure Abschirmung leistet sich Luzern «auf freiwilliger Basis», wie die Immobilienabteilung des Kantons bestätigt.

Dass die Büros der Staatsanwälte abgeschirmt werden, verschwieg die Luzerner Regierung dem Parlament. Das bewilligte diskussionslos 540'000 Franken für «einmalige Investitionen». Der Kanton Luzern hängte die Elektrosmog-Aktion womöglich aus gutem Grund nicht an die grosse Glocke: Schweizer Behörden relativieren seit Jahren mögliche Folgen von Elektrosmog, insbesondere was die hochfrequente Strahlung (Handyantennen) betrifft.

Bei niederfrequenten Magnetfeldern teilt das Bundesamt für Umwelt immerhin die internationalen Befunde, wonach diese «möglicherweise kanzerogen für den Menschen» sein könnten. In Studien wurde nämlich bei Kindern häufiger Blutkrebs (Leukämie) beobachtet, wenn sie während längerer Zeit Belastungen von über 0,4 Mikrotesla ausgesetzt waren.

Dass nun der Staat Angestellte freiwillig vor Elektrosmog schützt, zeigt, wie wenig wirksam Grenzwerte sind. Nur: All jenen, die anderswo direkt an Bahnlinien wohnen oder arbeiten, hilft das nicht. Auch sie sind oft zu starken Magnetfeldern ausgesetzt – nur misst sie niemand.

* Korrigendum

Im Artikel ist die Rede von Aluminiumplatten, die in den Büroräumen der Luzerner Staatsanwaltschaft zur Abschirmung der niederfrequenten Magnetfelder montiert wurden. Aufmerksame Leser haben den Beobachter darauf hingewiesen, dass Aluminium als leitendes Metall Magnetfelder nicht abschirmen kann. Tatsächlich wurden für die Abschirmung ein Verbundsystem aus magnetisch leitenden sogenannten MU-Metallplatten (Nickel-Eisenlegierung) und Aluminium als elektrisch leitendes Metall verwendet. Der Hersteller schreibt zu diesem Verbundsystem aus magnetisch und elektrisch leitenden Metallen: «Diese spezielle Technik garantiert eine grösstmögliche Abschirmwirkung.»