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EntsorgungIllegaler Quecksilberhandel?

Soll illegal aus Deutschland exportiertes Quecksilber gekauft haben: Batrec in Wimmis BE

Die Berner Recyclingfirma Batrec soll falsch deklariertes Quecksilber angenommen haben. Nun laufen Ermittlungen.

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So hatte er sich die Ferien nicht vor­gestellt: Batrec-Geschäftsführer Dieter Offenthaler war am Ausspannen, als ihn Fragen des Beobachters zur Rolle seiner Firma bei Quecksilbergeschäften ­erreichten. Hörbar nervös versprach Offenthaler eine baldige Stellungnahme. Ein paar Tage darauf sandte er dem Beobachter eine beschwichtigende E-Mail. Tenor: Bei der Batrec sei alles sauber.

Ist dem so? Immerhin ist die Staats­anwaltschaft Bochum hinter der Dela her, einem Geschäftspartner der Batrec in Deutschland. Die Dela, eine Recycling­firma aus Dorsten in Nordrhein-Westfalen, soll ab 2011 illegal rund 500 Tonnen reines Quecksilber exportiert haben Empfänger der Ware soll laut einer sicheren Quelle Batrec in Wimmis im Berner Oberland gewesen sein.

Es geht um Millionen von Franken

Die Batrec ist auf das Recycling von Batterien und quecksilberhaltigen Abfällen spezialisiert. Die Firma schreibt auf ­ihrer Homepage selbstbewusst, bei der Wiederverwertung von Quecksilber sei «keine der Batrec-Technologie ebenbürtige Technologie bekannt». Batrec und Dela sind gleichzeitig Konkurrenten und Geschäftspartner. So übernahmen die Berner von den Deutschen jährlich 100 bis 200 Tonnen quecksilberhaltige Abfälle zum Recycling.

Die Dela wandelt Quecksilber aus der chemischen Industrie in Quecksilbersulfid um und entsorgt es per Gesetzesauftrag unter Tage. Doch im vorliegenden Fall verdächtigt die Staatsanwaltschaft Bochum die Firma, aus den Abfällen reines Quecksilber gewonnen zu haben, das «schwarz» zu Geld gemacht wurde. In Deutschland ist der Export von Quecksilber in reiner Form seit 2011 verboten, weil man die hochgif­tige Substanz aus dem Verkehr ziehen will. Sie kann schon in kleinsten Mengen zu ­gesundheitlichen Schäden führen.

Bei 60'000 Franken pro Tonne hat das in die Schweiz ausgeführte Material einen Wert von bis zu 30 Millionen Franken. Zwei Dela-Geschäftsführer wurden wegen Verdachts auf Betrug und Verstoss gegen das Abfallgesetz in Untersuchungshaft ge­nommen. Zudem wurde gegen die Dela in Dorsten ein Insolvenzverfahren eröffnet, so deutsche Medien.

Das Material soll mit Lastwagen ins Berner Oberland transportiert worden sein. Die Giftfracht wurde in Sicherheits­behälter gefüllt und soll mit Erde überdeckt gewesen sein. Offiziell war das reine Quecksilber als «quecksilberhaltiger Abfall» deklariert – solche Importe wurden laut dem Schweizer Bundesamt für Umwelt (Bafu) entsprechend den inter­nationalen und nationalen gesetzlichen Grundlagen geprüft und bewilligt. «Der auf den Pa­pieren ausgewiesene Abfallcode stimmte mit dem angelieferten Abfall überein», so ­Batrec-Chef Offenthaler. Der Quecksilber­gehalt der von der Dela angelieferten Abfälle sei für seine Firma «hoch, aber nicht ungewöhnlich». Der Bochumer Staats­anwalt Bernd Bieniossek hingegen fragt: «Hat beim Abnehmer dieser Transporte niemand bemerkt, dass etwas ganz anderes geliefert wurde, als deklariert war?»

Die Schweiz als Drehscheibe?

Ob der Batrec juristische Konsequenzen drohen, ist ungewiss. Sicher ist: Der Quecksilberhandel ist hierzulande, im Gegensatz zur EU, legal. Laut dem Bafu verbietet das Schweizer Recht den Import und Export von Quecksilber auch in reiner Form nicht. Die Batrec kann das Queck­silber also legal ausführen – aus welchen Quellen auch immer es stammt.

Die Schweiz als Drehscheibe für krumme Quecksilbergeschäfte? Die Ermittlungen laufen. Laut Geschäftsführer Offen­thaler hat die Batrec den Untersuchungsbehörden Daten und Unterlagen aus­gehändigt. In den Fall soll eine weitere Schweizer Firma verwickelt sein.

Veröffentlicht am 06. Juni 2014