«Eine Geburt im Spital wäre für uns nur im Notfall in Frage gekommen», sagen Saskia Lampert und Philip Moline. Ihr Sohn Mark wurde im Mai im Zürcher Geburtshaus Delphys geboren. Rund 1000 von 72’000 Babys kommen in der Schweiz jedes Jahr in einem der 18 Geburtshäuser zur Welt. Trotz professioneller Betreuung durch Hebammen sind die Geburtshäuser bis heute nicht im Krankenversicherungsgesetz (KVG) verankert. Das Thema wird auf dem politischen Parkett immer wieder verschleppt - mit der Folge, dass Eltern, die ihr Kind in einem Geburtshaus zur Welt bringen wollen, weiterhin selbst zur Kasse gebeten werden.

Von der Grundversicherung gedeckt ist nur die Arbeit der Hebamme. Die Betriebspauschale des Geburtshauses von 300 bis 580 Franken und die Wochenbettbeteiligung, die bis zu 400 Franken pro Tag beträgt, müssen aus dem eigenen Sack oder über eine Zusatzversicherung bezahlt werden. Zusammen macht das für eine Geburt schnell einmal 2000 Franken aus.

Der Krankenkassenverband Santésuisse stellt sich gegen eine Aufnahme in die Grundversicherung, weil «die Integration zusätzlicher Leistungserbringer immer auch eine Kostensteigerung nach sich zieht», so Direktionsmitglied Peter Marbet. Ein Argument, das für Hebamme und SP-Nationalrätin Liliane Maury Pasquier nicht zieht: «Für einmal werden die Kosten nicht steigen, sondern sogar abnehmen.»

Betrachtet man die Gesamtkostenrechnung, geben ihr die Zahlen Recht. Gemäss einer Studie, die im Auftrag der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich gemacht wurde, kostet der Aufenthalt im Wochenbett eines Spitals 1’500 Franken pro Tag. Davon bezahlen die Krankenkassen pauschal 336 Franken; die Differenz von 1’164 Franken übernimmt der Kanton - und somit der Steuerzahler. Im Zürcher Geburtshaus Delphys hingegen ist ein Tag im Wochenbett inklusive Hebammenleistungen für rund 500 Franken zu haben.

In der zweiten KVG-Revision 2003 wären die Leistungen der Geburtshäuser geregelt worden - doch die Revision scheiterte. 2004 reichte Liliane Maury Pasquier eine parlamentarische Initiative ein. Auch wenn sie nur grundversichert seien, sollten Frauen ohne Finanzdruck wählen können, «ob sie ihr Kind zu Hause, im Spital oder in einem Geburtshaus zur Welt bringen möchten», fordert sie. Eineinhalb Jahre dauerte es, bis sich die Mitglieder des Nationalrats auf ein Ja zu ihrer Initiative einigen konnten. Seit Frühling dieses Jahres liegt der Ball bei der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerats, aber diese vertagt das Anliegen immer wieder.

Schlechte Chancen im StänderatNun soll die Finanzierung der Geburtshäuser im Rahmen der - politisch höchst umstrittenen - Vorlage über die Spitalfinanzierung geregelt werden; weitere Verzögerungen sind damit programmiert. Und wenn das Geschäft im Ständerat dann endlich zur Abstimmung kommt, stehen die Chancen schlecht. Die bürgerlichen Politiker scheuen sich wie Santésuisse vor Mehrkosten durch ein Mehrangebot. Zudem glauben sie, dass mit Spital- oder Heimgeburt bereits genügend vollfinanzierte Geburtsmöglichkeiten angeboten würden. Mitspielen dürfte auch die Angst der Politiker, dass die Geburtshäuser die ohnehin schon unterbelegten Gebärabteilungen der Spitäler noch konkurrenzieren.

Dass eine Geburt nicht zwingend im Spital stattfinden muss, zeigen die Beispiele Holland und England, wo mehr als die Hälfte aller Kinder in einem Geburtshaus oder zu Hause auf die Welt kommen. In der Schweiz hingegen ist die Geburt im Spital der Normalfall. Gemäss einer Studie des Nationalfonds werden dort bei vergleichbarer Vorgeschichte der Gebärenden markant mehr medizinische Eingriffe - und damit teure Massnahmen wie etwa Kaiserschnitte - vorgenommen.

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Immer mehr Kaiserschnittgeburten Im Kanton Basel-Stadt kostet eine Kaiserschnittgeburt mehr als 9’000 Franken und damit rund 3’000 Franken mehr als eine Spontangeburt. Der Anteil an Kaiserschnittgeburten hat in der Schweiz innert fünf Jahren von 23 auf 30 Prozent zugenommen - normal wären gemäss der Weltgesundheitsorganisation 10 bis 15 Prozent. «Diese Entwicklung wird von den Krankenkassen und von den Politikern zu wenig beachtet», sagt Christina Roth, Hebamme im Geburtshaus Delphys in Zürich. Die Nationalfondsstudie zeigt nicht nur, dass mehr Geburten ausserhalb des Spitals die Gesundheitskosten senken könnten, sondern auch, dass die Sicherheit an beiden Orten gleich hoch ist. Dafür sorgen auch die restriktiven Regeln der Geburtshäuser: Rund zehn Prozent der interessierten Schwangeren werden bereits vor der Geburt ans Spital weiterverwiesen, weitere zehn Prozent während der Geburt. «Die Sicherheit von Mutter und Kind geht immer vor», sagt Hebamme Christina Roth.

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Quelle: Christine Bärlocher

«Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt»


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Saskia Lampert, 32, und Philip Moline, 32, mit Mark (geboren am 21. Mai 2006), Zürich, Geburt im Geburtshaus Delphys in Zürich. Nicht durch die Grundversicherung gedeckte Kosten für Geburt: 580 Franken und Wochenbett: 2000 Franken.

«Die Idee, in ein Geburtshaus zu gehen, stand für uns schon lange im Raum. Die guten Erfahrungen von Freunden haben uns darin bestärkt. Trotzdem besichtigten wir auch noch die Gebärabteilung eines Spitals, dort gefiel es uns aber nicht. Im Geburtshaus Delphys fühlten wir uns hingegen sofort wohl und wir konnten die Geburt entspannt und in unserem Tempo erleben. Wir würden es deshalb begrüssen, wenn jede Frau die freie Wahl hätte, ihr Kind in einem Geburtshaus oder einem Spital auf die Welt zu bringen. Sonst haben wir eine Zweiklassenmedizin, die einen Teil der Frauen zwingt, nur aus finanziellen Gründen im Spital zu gebären.

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«Am Schluss waren auch unsere Eltern begeistert»


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Mirjam, 23, und André Heel, 27, mit Maïra (geboren am 20. Juli 2006), Wangen bei Olten, Geburt im Geburtshaus Ambra in Wittinsburg BL. Nicht durch die Grundversicherung gedeckte Kosten für Geburt: 300 Franken und Wochenbett: 720 Franken.

«Eine Geburt ist für uns eine ganz natürliche Sache. Deshalb wäre eine Hausgeburt für uns sehr gut vorstellbar gewesen. Da Maïra unser erstes Kind ist, fühlten wir uns dazu aber noch nicht ganz bereit. Darum haben wir uns für das Geburtshaus Ambra in Wittinsburg entschieden. Der Draht zur dortigen Hebamme stimmte sofort, die Atmosphäre der Räume und die Lage mitten im Grünen gefielen uns. Die Geburt war denn für uns auch ein tiefes Erlebnis, und dieses Wunder in einem so stimmigen Ambiente erleben zu dürfen war sehr schön. Auch unsere Freunde und Verwandten konnten sich so ein eigenes Bild eines Geburtshauses machen und waren alle positiv überrascht.»

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