Der Einsturz einer dreijährigen Turnhalle in St. Gal­len am 24. Februar wirft die Frage auf: Was wird getan, um Gefahren früh zu erkennen? Eine gesetzliche Vorschrift, die die Kantone verpflichtet, bei öffentlichen Gebäuden die Statik regelmässig zu überprüfen, gibt es nicht. Jeder Kanton und jede Stadt regelt das für sich.

Pro und kontra Nachrechnen

In Basel-Stadt etwa erfolgt vor Erteilung der Baubewilligung ­eine Kontrolle durch die Behörde. «Wir führen Stichproben durch und rechnen anhand der Pläne die Statik nach», erklärt Roland Bader, zuständig für die Baukontrolle. So konsequent wie in Deutschland, wo Prüfungs­ingenieure jeden Plan vor der Bau­freigabe durchrechnen, wird in der Schweiz nirgends vor­gegangen. Markus Weibel vom Hochbauamt des Kantons ­Zürich findet es nicht notwendig, jede Statik zweimal zu berechnen. «Ohne Prüfungsingenieure sind die Verantwortlichkeiten klarer. Sonst wird einfach die Haftung verschoben», sagt er.

Nach dem Einsturz einer Eishalle im deutschen Bad Reichenhall 2006 haben aber einige Kantone reagiert. «Nach diesem Vorfall hat St. Gallen seine Hallen überprüfen lassen», sagt Kan­tons­baumeister Werner Binotto.

Im Kanton Solothurn werden die Decken von Schwimm­bädern und Hallen alle fünf Jahre geprüft. Als einer von wenigen Kantonen hat Solothurn zur Erhöhung der Sicherheit auch die Baunormen des Ingenieur- und Architektenvereins SIA im kantonalen Baugesetz verankert.

Die Stadt Zürich hat 2008 ­eine Kontrolle von fast 1000 Dächern öffent­licher Gebäude gestartet. Zudem sind auf drei städtischen Gebäuden Schneewaagen installiert – bei Überbelastung gibt es einen SMS-Alarm.

Termindruck begünstigt Fehler

Auch der Kanton Bern tut aus ­eigenem Antrieb einiges: Die Decken neuer Gebäude werden mit einer Belastbarkeit von 750 Kilogramm pro Quadratmeter statt der vorgeschriebenen 300 Kilo gebaut. Der Kanton hat zudem eine Studie in Auftrag ge­geben, aufgrund deren nun 100 Hallen überprüft werden.

Anzeige

Der Berner Bauingenieur Kurt Iseli findet, der Kosten- und Termindruck im Schweizer Bauwesen begünstige Fehler. «Die Ingenieurarbeiten sollen möglichst wenig kosten, und trotzdem soll die Tragkonstruktion optimiert und ausgereizt werden», sagt er. «Das widerspricht sich.»