Vor 30 Jahren erschien ihm Jesus höchstpersönlich. Und gab Johann Grander den Plan zur Wasserbe­lebung weiter. So wenigstens berichtet es der «Wassermann von Tirol» und Erfinder des Grander-Wassers. Und: «Wasser hat ein Gedächtnis. Es ist eine kosmische Sache.» Ein Schelm, wer dabei an Esoterik-Hokuspokus denkt.

Funktionieren soll es so: Das Wasser wird von der Firma Grander nach einem geheimen Verfahren mit Informationen angereichert. Diese könne es dann ohne Berührung an andere Wässer weitergeben. So soll das Wasser aufgewertet werden, in Schwimmbädern weniger Chlor brauchen und Algen vorbeugen. Anderen Pflanzen jedoch soll es zu schnellerem Wachstum und Gemüse zu längerer Haltbarkeit verhelfen. So heisst es – wohl unfreiwillig ehrlich – auf der Grander-Homepage: «Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!»

Sigi Taormina, Betriebsleiterin des ­Winterthurer Schwimmbads Wolfensberg, stellt eine Wirkung fest: «Nach dem Einbau der Grander-Technik konnte der Aufwand für die Reinigung um etwa 30 Prozent gesenkt werden, und es wurden rund 40 Prozent weniger Putzmittel benötigt, um beispielsweise die Duschen sauber zu halten.»

«Quacksalberei und Pseudowissenschaft»

Wissenschaftlich ist die Wirkung des belebten Wassers aber nicht erwiesen. «Es ist Scharlatanerie. Die propagierte Wirkung lässt sich nicht belegen», sagt Rolf Kipfer von der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz. «Wenn Menschen hier einen Unterschied spüren, liegt das am Placebo­effekt.»

Zahlreiche Versuche ergaben keinerlei Unterschied zwischen Grander-Wasser und normalem Wasser. Die Neuseeländer Vertriebsfirma der Grander-Produkte ­wurde 2005 gar zur Zahlung von mehr als 100'000 Franken verdonnert, da ihr Werbematerial «Widersprüche, Quacksalberei und Pseudowissenschaft» enthalte.

Granders Firma spricht denn auch kaum von den positiven Eigenschaften des Wunderwassers. Lieber lässt sie Pro­minente wie den Schlagersänger Hansi Hinterseer von den Vor­zügen schwärmen. Hierzulande lobhudelte Chris von Rohr in der «Schweizer Illustrierten» und propagierte für einmal «weniger Dräck»: Er beschrieb, wie er seit dem Einbau einer Wasserbelebungsbox beim Wäschewaschen weniger Chemie verwendet.

Anzeige

Hotels, Bäckereien, Restaurants und rund 240 Schwimmbäder in der Schweiz kauften bisher einen Grander-Apparat und glauben eine Wirkung zu spüren.

Viel Geld löst sich so in Wasser auf: Bis zu 3300 Franken bezahlt ein Privathaushalt, der sein Trinkwasser mit Informatio­nen anreichern will, mehrere 10'000 Franken ein Schwimmbad.