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Privater ZivilschutzraumWer braucht einen Bunker?

Muss jedes neue Haus einen Schutzraum haben? Darf man ihn auch als Gästezimmer nutzen? Fragen und Antworten.

Der Bau von sogenannten Schutzbunkern ist bis heute Pflicht.
Von aktualisiert am 17. Januar 2019

Kalter Krieg, atomares Wettrüsten, Kubakrise – in den frühen sechziger Jahren standen die Zeichen international auf Sturm. Die Schweiz reagierte mit einem beispiellosen Infrastrukturprojekt – dem flächendeckenden Bau von Zivilschutzräumen. Der Grundsatz: Jeder Einwohnerin und jedem Einwohner soll ein Platz in einem Schutzraum in der Nähe des Wohnorts zur Verfügung stehen, falls es zu einem bewaffneten Konflikt oder einer Naturkatastrophe kommt Alertswiss Jetzt kommt der Sirenenalarm aus dem Handy . Landesweit sind heute rund 360'000 Personenschutzräume erfasst.

Die Pflicht zum Bau eines Schutzraums wäre vor einigen Jahren fast politisch beerdigt worden. Doch dann kam 2011 die Atomkatastrophe von Fukushima und sorgte im letzten Augenblick für eine Rückbesinnung: Die Baupflicht wurde doch beibehalten.

Was gilt als Schutzraum?

Als Schutzraum definiert ist ein Keller mit einer verstärkten Stahlbetonhülle, die beim Einsturz des Gebäudes intakt bleibt. Der Raum verfügt über ein spezielles Belüftungssystem, um frische Atemluft zu gewährleisten.

Wer muss Luftschutzräume bauen?

Die privaten Hauseigentümer Hausbau Am Anfang stehen Checkliste, Rechner und Adressdateien und die Gemeinden. Es gibt allerdings bereits viele Schutzräume, deshalb müssen sie grundsätzlich nur noch für neue Wohnbauten mit mehr als 38 Zimmern erstellt werden. Es gibt aber Ausnahmen: In Dörfern mit weniger als 1000 Einwohnern kann die Pflicht auch bei kleineren Bauvorhaben bestehen. Wo es zu wenige Schutzräume hat, baut die Gemeinde öffentliche.

Wer muss den Schutzraum in einem Haus ausrüsten?

Der Eigentümer. Wenn der Raum vor dem 1. Januar 1987 gebaut wurde, muss man ihn grundsätzlich erst auf behördliche Anordnung hin ausrüsten. Sonst ist man verpflichtet, ihn «mit dem für einen längeren Schutzraumaufenthalt erforderlichen Material» auszustatten, also insbesondere mit Liegestellen und einem Trockenklosett.

Die Gemeinde will meinen Schutzraum kontrollieren. Darf Sie das?

Ja. Schutzräume müssen mindestens alle zehn Jahre kontrolliert werden. So wird festgestellt, ob sie weiterhin betriebsbereit sind und den Anforderungen entsprechen. Die Kantone können jedoch auch kürzere Kontrollabstände festlegen. 

Wir bauen ein Haus und erhalten nun eine Rechnung für einen Ersatzbeitrag. Was soll das?

Wenn Sie keinen privaten Schutzraum bauen müssen, wird ein Ersatzbeitrag fällig – zwischen 400 und 800 Franken pro nicht erstellten Schutzplatz.

Wozu werden die Ersatzbeiträge verwendet?

In erster Linie zur Finanzierung öffentlicher Schutzräume. Wenn es genügend solche gibt, können mit dem Geld private Luftschutzkeller unterhalten, periodisch kontrolliert oder Materialien beschafft werden.

Der Kontrolleur setzt mir eine Frist, um die Fluchtröhre zu reinigen. Muss das sein?

Ja. Als Eigentümer müssen Sie den Schutzraum grundsätzlich selber unterhalten. Nur für grössere technische Reparaturen – etwa ein neues Ventilationsaggregat – muss man in der Regel nicht selbst aufkommen. Das kann durch Ersatzbeiträge finanziert werden.

Ich habe ein Haus ohne eigene Schutzplätze gekauft. Der Verkäufer hat die Ersatzbeiträge nicht bezahlt, und jetzt soll ich dafür geradestehen. Ist das korrekt?

Ja. Denn die offene Schuld geht auf den Käufer über. Sie müssen daher zahlen – es sei denn, die Forderung ist verjährt. Das ist sie spätestens 15 Jahre nach Baubeginn.

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Darf ich meinen Luftschutzraum anders nutzen?

Ja, sofern Sie ihn jederzeit wieder im Sinne seiner Bestimmung Haus ausbauen Den Wohnraum clever erweitern betriebsbereit machen können. Nicht verändern dürfen Sie allerdings die Schutzraumhülle, die Panzertüren und das Belüftungssystem.

Ich möchte meinen Schutzraum dauerhaft in ein Gästezimmer umfunktionieren. Geht das?

Um einen Schutzraum aufzuheben, ist eine Bewilligung des Kantons nötig. Er kann sie gewähren, wenn zum Beispiel ein Überangebot besteht. Falls Sie den Raum ohne Bewilligung ausser Betrieb setzen, kann man Sie verpflichten, ihn auf eigene Kosten wiederherzustellen.

Muss ich Notvorräte anlegen?

Nein. Doch der Bund empfiehlt einen Notvorrat für rund eine Woche. Dazu gehören lagerfähige Lebensmittel – etwa Zwieback, Trockenfrüchte oder Schokolade – und neun Liter Wasser pro Person. Es kann auch nicht schaden, wenn ein batteriebetriebenes Radio, Taschenlampe, Kerzen, Feuerzeug und WC-Papier griffbereit sind.

Weitere Infos

Auskünfte erteilt das Amt für Bevölkerungsschutz der Gemeinde oder des Kantons.

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