Das Basler Claraspital ist ein vornehmes Spital. Es schmückt sich mit einer Präambel, wie das sonst nur noch Verfassungen tun. «Das St. Claraspital ist ein Werk des Instituts der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz, Ingenbohl, deren christliche Grundhaltung für uns wegleitend ist. Im Zentrum unserer Tätigkeit steht die Nächstenliebe und der Dienst am kranken Menschen.» Das ist trefflich formuliert. Allerdings hört die christliche Nächstenliebe spätestens dann auf, wenn es ums Geld geht.

Wegen einer Leberkrankheit wird Hanspeter Stöckli aus Allschwil BL als Notfall ins Claraspital eingeliefert. Drei Tage später eröffnen Ärzte dem verdutzten Patienten, er müsse sofort in ein anderes Spital verlegt werden. «Sie haben ihm an diesem letzten Tag nicht mal etwas zu essen gegeben», sagt die Frau des inzwischen verstorbenen Patienten, Denise Stöckli. «Wie Dreck haben sie meinen todkranken Mann behandelt.» Als eigentlichen Rausschmiss empfindet sie die ganze Aktion.

Stellt das Claraspital einfach so todkranke Patienten vor die Tür? «Wir haben Herrn Stöckli nicht rausgeschmissen, sondern verlegen lassen, weil seine Krankenkasse wegen Suchtmittelmissbrauchs die Kosten für die halbprivate Abteilung nicht übernehmen wollte», verteidigt sich Claraspital-Chefarzt Christian Ludwig.

Tatsächlich lehnte die Krankenkasse Concordia anfänglich die Übernahme der Kosten ab: Wenn eine Krankheit auf «Alkoholmissbrauch» zurückzuführen ist, zahlt die Zusatzversicherung der Concordia nicht. In Stöcklis Fall stützte sich der Versicherer auf die Diagnose des Claraspitals, die lautete: «alkoholische Leberkrankheit». Eine fatale Diagnose, die sich erst noch als falsch herausstellen sollte.

Kein Wort des Bedauerns
Denise Stöckli beteuert, ihr Mann sei kein Alkoholiker gewesen: «Wir hatten nur abends unsere ein, zwei Glas Wein getrunken. Und mein Mann ab und zu einen Schnaps.» Das sei doch kein Alkoholmissbrauch. Stöcklis Hausarzt bestätigt diese Mengen. Die Witwe kann es nicht fassen: «Mein Mann war 40 Jahre lang bei der Concordia versichert, und dann wird er so schäbig behandelt.»

Hanspeter Stöckli verschied am 19. November im Baselbieter Kantonsspital Bruderholz. Die Autopsie ergab keine Anhaltspunkte für einen Alkoholmissbrauch. Bruderholz-Chefarzt Reto Krapf: «Es gibt keine beweisenden Anhaltspunkte, dass die Erkrankung von Herrn Stöckli durch einen übermässigen Alkoholkonsum verursacht worden ist.» Auch Markus Glutz von der Concordia bestätigt diesen Befund. Deshalb hat die Kasse nachträglich sämtliche Spitalkosten übernommen.

Nur Christian Ludwig scheint das nicht zu beeindrucken. Konfrontiert mit dem Autopsiebericht, beharrt der Chefarzt am Claraspital auf seiner Aussage: «Der Verdacht auf alkoholbedingte Lebererkrankung bleibt, nachdem andere Formen chronischer Lebererkrankungen ausgeschlossen worden waren.» Kein Wort des Bedauerns, geschweige denn eine Entschuldigung vernimmt man aus seinem Mund. Seine Klinik aber rühmt sich weiterhin der christlichen Nächstenliebe.

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