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SubventionenDie Alpungsstrafe

Das Parlament hat zwar die Alpungsbeiträge erhöht, doch davon spüren die Bergbauern wenig. Im Gegenteil: Sie werden mit hohen Abzügen bestraft.

In Zukunft werden auf den Alpen rund 10 Prozent Vieh fehlen.
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Der Teufel steckt bekanntlich im Detail, auch bei der neuen Agrarpolitik. Mit ihr wollte das Parlament offiziell Bergbauern und Alpwirtschaft fördern. Nun stellt sich heraus, dass ausgerechnet die Bergbauern, die ihr Vieh schon ­immer auf die Alp getrieben haben, bei den Alpungsbei­trägen das Nachsehen haben.

Von dieser neuen Form der Subventionierung profitieren vor allem Tal­­be­triebe, die ihr Vieh zum ersten Mal zur Sommerfrische auf die Alp treiben – ob sie dies zwecks Alp­förderung oder Optimierung der Direktzahlungen tun, sei dahingestellt. Das Bundesamt ­für Landwirtschaft (BLW) findet das ­korrekt. «Diese Tal­betriebe ­erbringen neue Leistungen zugunsten der Alpwirtschaft, und diese werden nun abgegolten», sagt Sprecher Jürg Jordi.

Bisher hatten davon praktisch nur Bergbauern profitiert. Denn während der Alp­zeit erhielten sie Beiträge für die «Raufutterverzehrer» und «Tierhaltung unter erschwerten Bedingungen», so als würden ihre Tiere den ganzen Sommer über im Stall stehen.

Diese sogenannten Sömmerungszuschläge waren umso ­höher, je höher die Berg­zone des Betriebs. Nun wurden sie durch Alpungsbeiträge ersetzt. Diese fallen bei den Berg­bauern wesentlich tiefer aus als bisher, im schlimmsten Fall bekommen sie fast die Hälfte weniger.

Immer weitere Kürzungen

Dummerweise schlägt die Differenz zwischen Sömmerungszuschlag und Alpungsbeitrag auf die Berechnung des ­Übergangsbeitrags durch. Der Übergangsbeitrag soll den Einkommensausfall abfedern, der bei der Umstellung von der alten auf die neue Agrarpolitik entsteht. Er wird von Jahr zu Jahr gekürzt. Dieses Jahr werden vermutlich noch 60 Prozent ausbezahlt, in ein paar Jahren soll es null sein. Für die Bergbauern bedeutet das: Je grösser der Übergangsbeitrag heute ist, desto weniger Geld vom Staat werden sie auf lange Sicht erhalten.

Viele Bauern wissen noch nichts von ihrem Unglück. Denn erstens sind die Übergangsbeiträge noch nicht überall berechnet worden, und zweitens haben nicht wenige Bauern – und ihre Berater – Mühe, die kuriosen Zahlen zu verstehen. Nur die Forscher der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope haben den Durchblick.

Sie haben ausgerechnet, dass künftig zehn Prozent weniger Vieh auf den Alpen sömmern wird. Beim Bundesamt für Landwirtschaft will man aber nichts von einer «Alpungs­strafe» wissen. «Ob die Alpwirtschaft gestärkt wird, wird sich aufgrund einer späteren Evaluation zeigen», so BLW-Sprecher Jürg Jordi.

Veröffentlicht am 05. August 2014