Der arme Tony. Das Zoom-Meeting  mit Danny, Mojoe, Jake und Jenn ist beendet, man winkt sich «Goodbye», und Tony steht auf. Blöd nur, dass er zwar den Ton, nicht aber die Kamera ausgeschaltet hat.

Und so steht er da, in Unterhosen, den Rücken zum Laptop gekehrt, und kratzt sich ausgiebig am Hintern. Seine Arbeitskollegen machen erst ganz grosse Augen und brechen dann in kollektives Gelächter aus. Jenn winkt wild in die Kamera, ruft laut «Tony! Tooony!». Doch dieser kann sie nicht hören. Das Video dieser Situation hat mittlerweile knapp drei Millionen Views auf Youtube.

In solchen Momenten wünschen sich Menschen wie Tony vermutlich nur eines: eine derart lausige Internetverbindung, dass die Übertragung von selbst abbricht. Normalerweise ist es selbstverständlich umgekehrt: Wer im Homeoffice arbeitet, ist auf eine verlässliche Internetverbindung mit genügend grosser Bandbreite angewiesen. Die meisten kennen das aus der letzten Zeit: Verzerrte Stimmen und stockende Bilder machen Video-Meetings zur Tortur.

Probleme zuerst vor Ort suchen

Als Erstes gilt es, für ein Internetabonnement mit genügend Speed zu sorgen. Und da braucht es weniger, als man denkt: «Ein Abo mit 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) Down- und Upload reicht oft schon», sagt Dominik Meile, Sachverständiger Informatik bei EIT.swiss, dem Verband der Schweizerischen Elektrobranche.

Je nachdem, wie viele Personen im Haushalt gleichzeitig aufs Internet zugreifen, ist eine grössere Bandbreite aber empfehlenswert – gerade wenn der Nachwuchs beispielsweise Online-Games spielt oder der Partner Filme streamt. Mit rund 100 Mbit/s sollte man aber bereits auf der sicheren Seite sein.

Wer sich trotz genügend Speed im Abo, für die anderen Teilnehmer eines Videomeetings manchmal wie die Star-Wars-Figur C-3PO bewegt oder wie R2-D2 tönt, muss das Problem also bei sich vor Ort suchen.

Meist liegt es an einer schlechten WLAN-Verbindung. Dabei ist wichtig zu wissen: Via WLAN erreichen heutige Geräte auf dem 2,4-GHz-Frequenzband maximal 289 und auf jenem mit 5 GHz maximal 1300 Mbit/s – gemäss der Schweizer IT-Firma Cnlab in der Realität typischerweise aber nur 145 beziehungsweise 650 Mbit/s.

Der Nachbar surft mit

Das tönt trotzdem nach genügend Bandbreite. Nur ist es so, dass die WLAN-Nutzer im gleichen Haushalt sich die Bandbreite teilen müssen. «Und wenn die WLANs in der Nachbarschaft auf demselben Funkkanal arbeiten und deren Signale ähnlich stark sind wie die eigenen, dann teilt man sich die Kanalkapazität gleich noch mit den Nachbarn», gibt Meile von EIT.swiss zu bedenken. Die Belegung der Funkkanäle kann via Apps eruiert und am Router allenfalls verändert werden.

Wichtig für eine gute WLAN-Verbindung ist ausserdem der Aufstellungs-ort des Routers: möglichst nahe zum Homeoffice mit wenigen Barrieren wie Wänden oder Decken dazwischen. Und auch die Platzierung des Routers in einem Möbel kann die Bandbreite arg schmälern. Ist das WLAN-Signal dennoch zu schwach, hilft die Installation eines Signalverstärkers oder Repeaters – diese sind bereits ab rund 30 Franken zu haben.

Weitere Möglichkeiten sind die Einrichtung eines Access Points (Anschluss an Ethernet-Kabel und Aufbau eines WLAN-Signals; ab 50 Franken) oder eines Mesh-Netzwerks. Letzteres ist ein meist schnelles, eigens aufgebautes WLAN-Netzwerk, das aus mindestens zwei Geräten besteht (beispielsweise EG und 1. OG). Die Preise für ein Mesh-Starterkit gehen von nur 80 bis zu über 1000 Franken.

Geräte und Kabel müssen passen

«Eine Garantie, die volle Leistung zu erhalten, hat man aber eigentlich nur mit einem Ethernet-Netzwerk», sagt IT-Experte Meile. Also mit der Verkabelung des Eigenheims. Wobei auch hier zu beachten ist: Ältere Ethernet-Kabel (CAT5, CAT5e; siehe Aufdruck auf Kabel) können je nach Abo-Bandbreite und Nutzung langsamer sein als moderne Kabel (CAT6, CAT6a, CAT7).

Und auch wer einen Switch zur Verteilung des Internetsignals per Kabel an mehrere Computer benutzt, sollte dessen Geschwindigkeit überprüfen – einige können nur 100 Mbit/s verarbeiten. Gut zu wissen: Auch ein modernes Ethernet-Kabel aus der CAT6 hat einen limitierten Durchsatz, der bei rund 1000 Mbit/s (= 1 Gbit/s) liegt.

Was bringt denn da ein Glasfaser-Anschluss mit 10 Gbit/s?, fragt man sich unweigerlich. «Einiges: Bei gleichzeitiger Nutzung des Internets können damit mehrere Personen trotzdem von der Geschwindigkeit von 1 Gbit/s profitieren», sagt Dominik Meile von EIT.swiss. Schliesslich gibt es noch Probleme, die mit der Internetgeschwindigkeit gar nichts zu tun haben.

Laut Meile hätten gerade während Corona viele ihr älteres Notebook mit einem modernen, hochauflösenden 4K-Bildschirm ergänzt. «Weniger leistungsfähige Grafikkarten verursachen dabei aber oft Probleme, wie etwa Bildruckler.»

Virenscan-Programme bremsen

Und was man sich beim Thema Bandbreite und Homeoffice auch bewusst sein muss: Virenscan-Programme sind zwar für die Sicherheit unabdingbar, reduzieren je nachdem die Geschwindigkeit aber massgeblich. Auch vor peinlichen Unterhosen-Situationen wie im eingangs geschilderten Video schützen sie nicht.

«Oh my god … Jenn, call him!», ruft Mojoe. Tony nimmt Jenns Anruf entgegen. Sie kreischt: «Tony, I can see you, we can all see you!» Ein entsetzter Blick über die Schulter zum Laptop, dann stürzt Tony panisch aus dem Zimmer. Eine gute Internetverbindung ist eben nur das eine – die richtige Handhabung der Soft- und Hardware das andere.

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