Hacker legten im letzten Herbst schweizweit das grösste Coiffeur-­Buchungssystem lahm. Betroffen waren 200 Geschäfte – alle Termine mussten neu abgemacht werden. Als es Hacker auf den Onlineshop des Elektronikhändlers Conrad abgesehen hatten, entstand dem Unternehmen ein Millionenschaden. Und was passiert, wenn ein Spital oder ein Elektri­zitätswerk attackiert wird?

Diese Horrorszenarien Angriffe durch Hacker «Jede Branche ist gefährdet» können – im Kleinen – auch Private treffen. Gegen digitale Risiken gibt es mittlerweile Versicherungen – als Zusatz in der Hausratversicherung oder als spezielle Rechtsschutzversicherung. Für eine Prämie von rund 60 Franken für Einzelpersonen oder rund 80 Franken für Familien erhält man einen soliden Schutz.

Die versicherten Leistungen und Deckungslimiten sind allerdings sehr unterschiedlich. Vor dem Abschluss lohnt es sich deshalb, die Angebote der verschiedenen Versicherer zu ­vergleichen (siehe Tabellen unten «Cyberversicherung: 6 Angebote im Vergleich»).

Cyberversicherung Beispiele: 4 Klicks in die digitale Falle

Die Leidensgeschichte der fiktiven Familie Arni illustriert, ob und in welchem Umfang ­Computerbenutzer auf eine Cyberversicherung zählen können.

Während Mutter Anneliese via Online­banking eine Rechnung bezahlt, postet Tochter Arielle ein Selfie auf einer Social-Media-Plattform, kauft Sohn Andi zwei Fussballtrikots in einem Onlineshop und wundert sich Vater Anton über die E-Mail eines Bekannten aus längst ­vergangenen Schulzeiten. Neugierig geworden, klickt er auf den Link, der in der E-Mail mit­geschickt worden ist.

1. Computervirus: Daten verloren

Als Vater Anton am nächsten Tag den Computer der Familie einschaltet, spielt dieser ­verrückt: Ferienfotos, Adressbücher, Steuer­unter­lagen – er findet seine Daten nicht mehr.

Am häufigsten werden Computerviren mittels E-Mails Phishing Immer raffiniertere Betrugsversuche verbreitet. Sie können beträchtliche Schäden anrichten. Datenverlust ist nur einer davon. Nicht alle Cyberversicherungen bieten in diesem Fall Hilfe. Ob und – falls ja – welche Leistungen versichert sind, steht in den allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB). Sie halten zudem fest, welche Pflichten Computernutzer haben, sie müssen zum Beispiel für einen angemessenen Virenschutz sorgen.

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Im Schadenfall beauftragen die Versicherer meist einen Spezialisten, der den Virus entfernt und die Daten zu retten versucht. Diese Kosten werden übernommen. Wie hoch der Maximalbetrag ist, ist von der Deckungslimite abhängig. Diese kann von 2000 bis 20'000 Franken reichen. Weitere Kosten (etwa dafür, das Betriebssystem neu aufzusetzen, ­Lizenzen neu zu kaufen Gratisprogramme Alternativen zu Word, Photoshop, Indesign & Co. , Daten neu zu erfassen) sind üblicherweise nicht gedeckt. Ebenso wenig ist garantiert, dass sich die verlorenen Daten auch tatsächlich wiederherstellen lassen.

Gut zu wissen: Misstrauen Sie unerwarteten E-Mails. Öffnen Sie keine Anhänge und Links – insbesondere keine von unbekannten Absendern und solchen, die zwei Endungen aufweisen (zum Beispiel picture.bmp.vbs). Löschen Sie die E-Mails und wenden Sie sich an eine Computerfachperson, wenn Sie vermuten, dass Ihr Com­puter infiziert wurde.

2. Identitätsdiebstahl: Passwörter gehackt

Als Mutter Anneliese ihre Kreditkartenabrechnung kontrolliert, stellt sie fest: Jemand hat mit ihrer Karte für ins­gesamt 3500 Franken in Onlineshops eingekauft. Es stellt sich heraus: Via ­Trojaner Trojaner Mein PC wurde gehackt – was kann ich tun? , eine heimlich installierte Software, haben sich ­Betrüger ­Zugriff auf ihre Log-in- und Kredit­karten-Daten verschafft.

Glück im Unglück: Bei Kreditkartenmissbrauch und Identitätsdiebstahl – wenn Bank- und Kreditkartendaten oder Zugangs- und Identifikationsdaten von Onlinekonten gestohlen werden – kann man meist auf die Hilfe der Cyberver­sicherer zählen. Diese werden zunächst versuchen, den Täter zu finden und den Schaden einzufordern. Die Versicherung deckt in einem Schadenfall auch Anwalts- und Gerichtskosten.

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Nicht selten verlaufen solche Vor­haben aber erfolglos oder lohnen sich nicht. Sei es, weil man den Täter nicht ermitteln kann, sei es, weil man seiner nicht habhaft wird.

Es ist ratsam, eine Cyberversicherung abzuschliessen, die den Ver­mögensschaden deckt, der durch den Kreditkartenmissbrauch Hackerangriffe Wie sicher ist E-Banking? entstanden ist. Auch hier bieten die Versicherer unterschiedliche Haftungslimiten an. Sie reichen von 5000 Franken beim Internet-­Schutzbrief des TCS bis zu 20'000 Franken bei vergleichbaren Angeboten von Basler Versicherung und Mobiliar. Groupe Mutuel und Axa übernehmen keine Vermögensschäden.

Die Versicherungen können ihre Leistungen kürzen, wenn Kreditkartenbesitzer ihre Sorgfaltspflichten verletzt haben. Deshalb ist es wichtig, dass man den Kartenmissbrauch sofort meldet und seine Zugangsdaten umgehend ändert.

Gut zu wissen: Verwenden Sie unterschiedliche Passwörter Sicheres Passwort So umgehen Sie häufige Fehler , für jeden Webdienst ein anderes. Ein Passwort sollte mindestens acht Zeichen umfassen, aus grossen und kleinen Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bestehen.

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3. Cybermobbing: Peinliche Bilder im Internet

Auch Tochter Arielles Zugangsdaten für ihr Facebook-Profil wurden ­geknackt. Nun postet ein Troll, eine ­Person, die im Netz anonym provoziert, peinliche Ferienfotos von ihr und verunglimpft sie in Kommentaren Online-Kommentare «Es ist verheerend, wenn die Mehrheit schweigt» . Zwei Klassenkameradinnen, mit denen ­Arielle im Streit liegt, schliessen sich den Hasskommentaren an. Arielle schämt sich für die Bilder – umso mehr als sie zurzeit auf Lehrstellen­suche ist.

Beim Cybermobbing wird eine Person über längere Zeit via Internet oder Smartphone beleidigt, bedroht, blossgestellt oder belästigt. Häufig werden verfälschte oder freizügige Fotos und Videos der Person auf soziale Plattformen hochgeladen oder kursieren in Whatsapp-Gruppen. Cybermobbing ist Persönlichkeitsverletzung. Vor allem Jugendliche sind davon betroffen.

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Familie Arni tut gut daran, auch diesen Fall ihrem Versicherer zu melden. Die Cyberversicherung deckt in der Regel die Kosten für eine psychologische Betreuung und das sogenannte Reputationsmanagement, also Massnahmen, die geeignet sind, den Ruf von ­Betroffenen wiederherzustellen.

Im Vordergrund steht die Intervention bei Webseiten, Foren, Blogs und sozialen Netzwerken oder die Durchsetzung ­einer Neuindexierung bei Suchmaschinen. Dabei wird verlangt, dass ein bestimmter Inhalt, ein Foto oder Video, aus dem Index einer Suchmaschine gelöscht Persönliche Daten So löschen Sie Ihre Spuren bei Google oder anders priorisiert wird. Der Inhalt erscheint dann gar nicht mehr oder ist zumindest bei den Suchresultaten nicht mehr an oberster Stelle gelistet.

Die Basler Versicherung übernimmt mit ihrer Cyberversicherung auch die Kosten eines Umzugs inner­halb der Schweiz oder des Fürstentums Liech­tenstein, wenn eine Persönlichkeitsverletzung dies nötig machen sollte.

Versicherungen zahlen in der Regel nicht, wenn Betroffene die Angriffe provoziert haben. Zudem ist der Geltungsbereich häufig auf die Schweiz und deren Nachbarländer beschränkt. Bei manchen Versicherern beträgt die ­Wartefrist zwischen dem Versicherungsabschluss und dem Erbringen von Leistungen drei bis sechs Monate.

Gut zu wissen: Lehren Sie Ihr Kind eine vernünftige Mediennutzung. Sprechen Sie Cybermobbing an. Wenn es von Schulkameraden ausgeht, wenden Sie sich an die Klassenlehrperson und an die Eltern der Mobber. Holen Sie Hilfe (Opferhilfe-, Jugendberatungsstellen), falls die Vorkommnisse nicht aufhören.

Merkblatt «Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Wann sind Kinder alt genug für ein Facebook-Profil? Wie können Eltern ihre Kinder zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Medien erziehen? Antworten dazu lesen Mitglieder von Guider im Merkblatt «Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen».

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4. Onlineshops: Ware nicht geliefert

Sohn Andi wartet seit Monaten auf die Paris-Saint-Germain-Trikots. Den Kaufpreis von 100 Euro hat er im Voraus bezahlt. Auf seine E-Mails an den ­Kundendienst bekommt er keine ­Antwort. Er recherchiert im Internet und erfährt von unzähligen Geprellten.

Wer sich gegen Risiken im Onlinehandel absichern will, klärt zunächst ab, ob diese nicht bereits durch eine bestehende Rechtsschutzversicherung gedeckt sind. Am besten lässt man sich eine entsprechende Zusicherung vom Versicherer schriftlich geben. Wenn kein Schutz besteht, wählt man idealerweise einen Cyberversicherungszusatz, der neben Anwalts- und Gerichtskosten auch Vermögensschäden deckt.

Gut zu wissen: Mit jeder Vorauskasse gewähren Sie dem Vertragspartner einen Vertrauensvorschuss. Studieren Sie den Internetauftritt: Liest sich der Text, als wäre er von einem schlechten Übersetzungsprogramm übersetzt worden? Machen Sie sich im Netz kundig – wie wird der Anbieter bewertet? Bestellen Sie bei unbekannten Shops höchstens gegen Rechnung.

Cyberversicherung: 6 Angebote im Vergleich

Halten Sie Ihr Smartphone horizontal für eine optimale Ansicht auf einem mobilen Gerät. Drei weitere Angebote von Versicherungen finden Sie weiter unten.
 

Versicherung Axa-Arag Basler Versicherung Generali
Produkt Internet-Rechtsschutzversicherung Cyberversicherung Safe Surf / Safe Pay Cyberversicherung Prisma Flex
Prämien Einzelperson / Familie CHF 61.95 / CHF 72.45 CHF 59.– / CHF 89.– ab CHF 50.–
Massnahmen zur Datenrettung / Entfernung Computervirus nein bis CHF 20'000.– pro Fall bis zur Summe, die in der Police vereinbart ist (Selbstbehalt von 10 %, mindestens CHF 50.–)
Identifikationsdiebstahl / Kreditkartenmissbrauch: Anwalts- und Gerichtskosten bis CHF 10'000.– pro Fall oder Jahr bis CHF 20'000.– pro Fall bis CHF 10'000.– pro Fall
Vermögensschaden bei Identifikationsdiebstahl gedeckt? nein bis CHF 20'000.– pro Fall (inkl. Anwalts- und Gerichtskosten) bis zur Summe, die in der Police vereinbart ist (Selbstbehalt von 10 %, mindestens CHF 50.–)
Cybermobbing: Reputationsmanagement bis CHF 10'000.– pro Fall oder Jahr bis CHF 20'000.– pro Fall bis CHF 10'000 pro Fall
Psychologische Beratung nein bis CHF 3000.– pro Fall nein
Umzugskosten nein bis CHF 3000.– pro Fall (inkl. psychologischer Beratung) nein
Betrügerische Onlineshops: Anwalts- und Gerichtskosten bis CHF 5000.– pro Fall oder Jahr bis CHF 20'000.– pro Fall bis CHF 10'000.– pro Fall
Vermögensschaden bei Onlineshop-Betrug gedeckt? nein bis CHF 20'000.– pro Fall (inkl. Anwalts- und Gerichtskosten) bis zur Summe, die in der Police vereinbart ist (Selbstbehalt von 10 %, mindestens CHF 50.–)
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Versicherung Groupe Mutuel Mobiliar TCS
Produkt Rechtsschutzversicherung Legisdigit@ Cyberschutz-Leistungspaket Internet-Schutzbrief
Prämien Einzelperson / Familie CHF 72.– pro Person (Kinder unter 12 Jahren sind mitversichert) CHF 54.60 / CHF 64.30 Mitglieder CHF 47.–, Nichtmitglieder CHF 55.– / Mitglieder CHF 68.–, Nichtmitglieder CHF 76.–
Massnahmen zur Datenrettung / Entfernung Computervirus nein bis CHF 5000.– pro Fall bis CHF 2000.–, einmal pro Jahr
Identifikationsdiebstahl / Kreditkartenmissbrauch: Anwalts- und Gerichtskosten bis CHF 10'000.– pro Fall oder Jahr bis CHF 20'000.– pro Fall bis CHF 300'000.– pro Fall (CH/EU/Efta) resp. CHF 50'000.– (übrige)
Vermögensschaden bei Identifikationsdiebstahl gedeckt? nein bis CHF 20'000.– pro Fall (max. drei Fälle pro Jahr) bis CHF 5000.– pro Fall
Cybermobbing: Reputationsmanagement bis CHF 10'000.– pro Fall oder Jahr bis CHF 20'000.– pro Fall bis CHF 7000.– pro Fall (davon CHF 5000.– für Strafverfahren)
Psychologische Beratung nein bis CHF 1000.– pro Fall bis CHF 1000.– pro Fall
Umzugskosten nein nein nein
Betrügerische Onlineshops: Anwalts- und Gerichtskosten bis CHF 10'000.– pro Fall oder Jahr bis CHF 20'000.– pro Fall bis CHF 300'000.– pro Fall (CH/EU/Efta) resp. CHF 50'000.– (übrige)
Vermögensschaden bei Onlineshop-Betrug gedeckt? nein bis CHF 20'000.– pro Fall (max. drei Fälle pro Jahr) bis CHF 1000.– pro Fall

Hinweis zu den beiden Tabellen: Leistungen und allgemeine Versicherungsbedingungen können sich ändern. Vergleichen Sie vor dem Abschluss mehrere Offerten.

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Cyberversicherung: Darauf müssen Sie achten

  • Bedürfnisse abklären: Prüfen Sie, ob Sie eine Versicherung benötigen. Als wie gross erachten Sie die Risiken? Können Sie einen Schaden selber tragen?
  • Besteht bereits eine Versicherung? Klären Sie ab, ob bestimmte Risiken ­bereits über eine Versicherung gedeckt sind. Das kann etwa bei Streitigkeiten aus Onlineverträgen der Fall sein. ­Fragen Sie bei Ihrem Versicherer nach.
  • Sind Vermögensschäden gedeckt? Inter­netkriminelle operieren häufig vom Ausland aus. Nicht immer ist es möglich, sie für Schäden zur Verantwortung zu ziehen. Es empfiehlt sich, eine Versicherung abzuschliessen, die auch Vermögensschäden Wertsachenversicherung Wertvolles richtig versichern deckt.
  • Achtung, Ausschlüsse! Lesen Sie die ­allgemeinen Versicherungsbedingungen aufmerksam durch und achten Sie auf Ausschlüsse – Sach­verhalte, für die der Versicherer nicht zahlen muss – oder auf örtliche Einschränkungen.

Mehr zu Internetgefahren bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Wer im Internet surft, sollte sich der Gefahren bewusst sein. Umso mehr, wenn die eigenen Kinder auf Social Media & Co. unterwegs sind. Mitglieder von Guider erfahren, wie sie sich vor Spam-Mails schützen und welche präventive Massnahmen sie veranlassen können, damit sie erst gar nicht von Werbemails belästigt werden.

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Christian Gmür, Content Manager Ratgeber

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