Angenommen, Sie zahlen dieses Jahr 3240 Franken in eine

Lebensversicherung ein. Ob der Versicherer Ihr Kapital Gewinn

bringend anlegt, kümmert Sie nicht. Ihnen ist auch egal,

dass Sie für Zusatzleistungen zahlen, deren Sinn manchmal

zweifelhaft ist. Sie wissen, dass Ihre Prämie nächstes

Jahr wieder deutlich steigen wird. Aber selbst das lässt

Sie kalt.

Abwegige Annahmen? Nicht wenn man sie auf unser Gesundheitswesen

überträgt. 3240 Franken beträgt in diesem Jahr

die durchschnittliche Erwachsenenprämie in der Grundversicherung.

Tendenz: rasant steigend. Liegt der nächste Aufschlag

wie von den Kassen gerade angedeutet unter zehn

Prozent, dann gilt das schon als gute Nachricht. Und auf eine

Entlastung durch einkommensabhängige Prämien darf

so schnell niemand hoffen die wurden am 18. Mai mit

dem Nein zur SP-Gesundheitsinitiative deutlich abgelehnt.

Fazit: Mit Herumdoktern an der Finanzierung lässt sich

das Gesundheitswesen derzeit nicht kurieren.

Höchste Zeit also, nach dem Nutzen unserer Medizin

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zu fragen: Das teuerste Gesundheitssystem Europas ist beim

Verhältnis von Aufwand und Ertrag nur Mittelmass. Zwar

verlangt das Krankenversicherungsgesetz, dass medizinische

Leistungen «wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich»

sein müssen. Was das konkret bedeutet, bleibt jedoch

offen, und wer es genauer wissen will, rührt an ein Tabu.

Für unsere Gesundheit ist das Beste gerade gut genug.

In der Tat brächte es wohl nur ein Zyniker fertig,

den Wert eines Menschenlebens zu beziffern. Doch was beim

Einzelnen zu Recht undenkbar ist das Abwägen von

Kosten und Nutzen , lässt sich auf gesellschaftlicher

Ebene nicht ewig umgehen. Welche Leistungen kann und soll

die Grundversicherung weiterhin bezahlen? Auch Therapien mit

geringen Chancen bei hohem Risiko? Oder Medikamente, für

die es billigeren Ersatz gibt? Selbst medizinische Forschung?

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Wer so fragt, wird schnell mit Schlagworten wie «Rationierung»

oder «Zweiklassenmedizin» konfrontiert. Diese

dienen auch dazu, eine Diskussion über den Sinn von medizinischen

Leistungen im Keim zu ersticken. Urs Zanoni hat trotzdem nachgehakt

und berichtet in unserer Titelgeschichte (Siehe Nebenartikel)

von seinen Erkenntnissen. Er zeigt, warum absolute Gerechtigkeit

in der medizinischen Versorgung schon heute eine Illusion

ist. Und warum weniger Medizin sogar mehr Gesundheit bedeuten

kann.