Erinnern Sie sich an die Bilder von Wanderern, die besorgt zu den Baumwipfeln hochschauten? Das Waldsterben dominierte die öffentliche Diskussion es sind keine 20 Jahre her. Kronenauslichtungen, Borkenkäferplage, langsames Wegsterben der Bäume: Horrorvisionen erschütterten die Bevölkerung und setzten die Politik unter Druck.

Die Aufregung hat sich längst gelegt, die Katastrophe ist nicht eingetreten. Geblieben aber sind einige Fortschritte: Die Angst um den Wald hat Tempo 120/80, Katalysatoren, bleifreies Normalbenzin und weniger Schwefel im Heizöl ermöglicht. Das hat zwar nicht die Bäume gerettet, aber der Luftqualität genützt. Die Diagnose «Waldsterben» erwies sich als falsch die Therapie war dennoch richtig.

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Umweltschutzanliegen haben seither einen schweren Stand. «Das Waldsterben ist gestorben», frotzelte die Autopartei. Und der Ruf nach neuen Strassen und Tunnels erklingt inzwischen wieder so laut, als wären sämtliche Umweltprobleme gelöst.

Einverstanden, dauernde Panikmache ist schlechte Politik. «Wer allzu oft aus Spass um Hilfe schreit, der schreit in der Not vergeblich.» Das haben wir bereits als Kinder gelernt. Der Umweltschutz steckt in einem gewaltigen Dilemma: Er will vor Katastrophen warnen, die zwar heute verursacht, aber möglicherweise erst in 20 oder 50 Jahren eintreten werden.

Diese Schreckensszenarien sind so dramatisch, dass es schwer fällt, die richtige Sprache zu finden. In unserer Titelgeschichte (Siehe Artikel zum Thema «Vor uns die Sintflut») herrschen nüchterne Töne vor. Der ETH-Professor Alain Thierstein schildert das mögliche Ende des beliebten Ferienorts Braunwald ganz sachlich: «Das Dorf wird mit der Zeit abrutschen.» Unnötiges Dramatisieren muss sich der Experte nicht vorwerfen lassen. Er registriert ganz einfach den fehlenden politischen Willen zu Gegenmassnahmen und schildert emotionslos die Konsequenz: das Aus für den Kurort.

Die Botschaft wird in Braunwald dennoch ankommen. Und die nüchterne Logik wird auf der Sonnenterrasse wohl einige Unruhe auslösen. Doch schon aus Glarner oder gar aus Berner Sicht liest sich das Ganze weit weniger dramatisch. Aus der Distanz betrachtet, ist es halt nur eine weitere professorale Katastrophenspekulation, ein allenfalls lokales Problem. Obwohl Thierstein festhält: «Die Existenzfrage stellt sich auch für andere Gemeinden in der Schweiz.»